DEB-Kader für Olympia
DEB-Team bei Olympia 2026 - Rick Goldmann im Interview: "Kader hat die Qualität mitzuspielen"
- Aktualisiert: 08.01.2026
- 12:18 Uhr
- Rainer Nachtwey
Nach der Bekanntgabe von Eishockey-Bundestrainer Harold Kreis schätzt Experte Rick Goldmann den deutschen Olympia-Kader ein.
Das Interview führte Rainer Nachtwey
Es wird das wohl beste Eishockey-Turnier der Geschichte. Ob Kanada, Weltmeister USA oder Olympiasieger Finnland - sie alle schicken nach zwei Olympischen Spielen Pause ihre besten Eishockey-Cracks aus der NHL im Februar nach Mailand.
Auch die deutsche Mannschaft hat mit NHL-Superstar Leon Draisaitl, Tim Stützle oder Moritz Seider herausragende Spieler in ihren Reihen. Am Mittwoch gab Bundestrainer Harry Kreis sein Aufgebot bekannt.
Experte Rick Goldmann, selbst 1998 und 2002 bei Olympischen Spielen und in Mailand für die "ARD" im Einsatz (im Livestream auf Joyn), schätzt im Interview mit ran den deutschen Kader ein.
ran: Rick, der Olympia-Kader ist raus - mit einigen Überraschungen wie Kai Wissmann?
Rick Goldmann: Es sind ein paar Härtefälle dabei. Du hast einige Verletzte und du tust natürlich ein paar verdienten Spielern weh. Aber ich kann ziemlich viel nachvollziehen.
ran: Sind die vielen angeschlagenen Spieler nicht ein Risiko? Wird Kai Wissmann nach seinem Achillessehnenriss im August überhaupt fit? Was ist mit Dominik Kahun, der sich den Arm gebrochen hat?
Goldmann: Es ist ja nicht der endgültige Kader, das muss man verstehen. Es sind die 25, die Bundestrainer Harry Kreis melden wird, also dem DOSB vorschlagen. Das ist vorab, aber das kannst du ja alles wieder vor dem Turnier ändern, insbesondere wenn ein Spieler verletzt ist..
ran: Also ist es jetzt der Wunschkader. Sind die nordamerikanischen Spieler die Scorer, um die der Kader gebaut wurde?
Goldmann: Ja gut, du hast noch Michaelis, Schütz, Kahun - das sind schon reine Offensivspieler. Er hat nicht nur Rollenspieler genommen, da hätte man Kastner noch nehmen können und, und, und. Aber du hast schon das Gefühl, dass der Kader um das Gerüst der nordamerikanischen Spieler gebastelt wurde.
ran: Was ist dein Gesamteindruck vom Kader?
Goldmann: Es ist ein erfahrener Kader, geprägt von Spielern, die auch im Silberteam der WM 2023 waren. Und was natürlich auch interessant ist: mit neun aktuellen Spielern aus Nordamerika. Drei Viertel dieser Mannschaft hat Nordamerika-Erfahrung. Der Grund ist sicherlich die kleine Eisfläche, es wird ja auf NHL-Eis gespielt.
ran: Die vielen Spieler, die ihre Rolle erfüllen sollen - statt immer nur die punktbesten Spieler zu nehmen -, ist das ein typischer Harry-Kreis-Kader?
Goldmann: Zwei Drittel waren bei WM-Silber 2023 schon im Kader. Das sind die, die er länger kennt, denen er vertraut, mit denen er erfolgreich war. Ansonsten ist es eben so, dass der Kader quasi die Rollen vorgibt.
ran: Also die Offensiv-Power der NHL-Stars wie Draisaitl und Stützle?
Goldmann: Ja, da sind unsere absoluten Superstars dabei wie Draisaitl, wie Stützle und wie Peterka - dementsprechend brauchst du auch nicht zwingend die absoluten Powerplay-Spieler aus der DEL, die da gefragt sind, sondern du musst eher schauen, wie sinnvoll der Kader insgesamt ausschaut.
Das Wichtigste in Kürze
ran: Deswegen die Toumies, die Ehls?
Goldmann: Ja, wenn man davon ausgeht, dass die offensive Rolle die ersten zwei Reihen machen, sind das hauptsächlich die Nordamerika-Spieler. Auch die beiden, die in der American Hockey League spielen mit Stachowiak und Samanski. Dann kannst du meiner Ansicht nach eine richtig starke dritte Checking-Line machen mit Nico Sturm in der Mitte, weil das ist seine Funktion. Dann brauchst du Leute, die gut sind in Unterzahl, die hart auf den Körper gehen, die aber auch Druck machen können. Die schlittschuhläuferisch das internationale Tempo haben, und das kann man nicht mit der WM vergleichen. Diese Olympischen Spiele sind ein anderes Niveau. Dementsprechend ist auch darauf geschaut worden, und vor allem im Sturm, glaube ich, hat der Kader das gewisse Tempo.
Goldmann: "Das bestbesetzte Turnier, an das ich mich erinnern kann"
ran: Wurde bei den Torhütern nur ein dritter neben Grubauer und Niederberger gesucht? Kreis hat immer gesagt, dass Niederberger zum Gerüst der Mannschaft gehört. Und er hat sie ja 2023 zu WM-Silber getragen.
Goldmann: Grundsätzlich muss man sagen: Das ist eine Mischung aus verdienten Spielern, es ist nur wenig Zukunft dabei. Aber es sind viele Spieler, die jetzt im besten Eishockey-Alter sind. Aber es fehlen natürlich auch Spieler, die die letzten Jahre da waren für dich wie zum Beispiel Nöbels, Pföderl, Kastner, Ehliz. Für die ist das hart. Aber so viele offensive Rollen sind halt auch nicht da - vor allem im Sturm.
ran: Zurück zum Tor. Niederberger und Grubauer gesetzt?
Goldmann: Ja, Niederberger hat es sich über die letzten Jahre einfach verdient, weil ganz viel seiner Leistung auch wirklich über das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft entschieden hat. Wenn Niederberger fit ist, war nur die Frage, wer die Nummer drei wird. Jetzt hat man sich für Franzreb entschieden, auch hart für Tiefensee.
ran: Hat dich sonst etwas im Kader überrascht?
Goldmann: Du hast mit Seider einen Spieler, der ein brutal starkes Jahr in der NHL spielt - offensiv wie defensiv. Das heißt, er wird da auch das erste Powerplay spielen. Jetzt ist Wissmann angeschlagen, der das zweite Powerplay spielt, du weißt also nicht, ob er da dabei ist. Also brauchst du eigentlich noch einen Powerplay-Verteidiger. Wer wird das? Hüttl, Gawanke, Ugbekile, Brandt? Gawanke hat er bei WMs schon gesehen. Ich denke, deswegen ist bei Harry die Entscheidung so ausgefallen. Aber so kannst du letztendlich alle Positionen durchgehen. Ich glaube, die absolute Oberüberraschung gibt es nicht.
ran: Muss mit dem Kader Platz zwei in der Gruppe C mit den USA, Dänemark und Lettland das Ziel sein?
Goldmann: Du hast das erste Spiel gegen Dänemark. Da hast du mit Ehlers einen Top-NHLer dabei. Mit Andersen einen sehr erfahrenen NHL-Torhüter. Dann spielst du gegen Lettland. Da kommen inzwischen zehn Spieler aus den USA. Die haben brutal starke Torhüter mit Merzlikins, Silovs aus der NHL und mit Gudlevskis aus Bremerhaven. Und dann kommt die USA, die ganz klar ein Ziel nur haben als aktueller Weltmeister: Die wollen Olympiasieger werden.
ran: Sie haben ja schon gesagt, sie wollen die Tränen der Kanadier sehen ...
Goldmann: Ja, das ist aktuell der teuerste Kader, momentan mit 230 Millionen Dollar an Gehalt - mehr als die Kanadier. Da sieht man schon mal, was da alles überhaupt auf einen zukommt. Vom Kader her bist du meiner Ansicht nach so gut aufgestellt, dass du die Qualität hast, die spielerische Qualität, aber eben auch Schnelligkeit, da mitzuspielen. Platz zwei ist durchaus realistisch. Die deutsche Mannschaft hat meiner Meinung nach ihren besten Kader in der Geschichte von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Aber das haben andere auch, ob USA, Kanada oder Schweden. Das ist das am besten besetzte Eishockey-Turnier, an das ich mich erinnern kann.