American Football
AFLE: "Finales Line-up steht fest" - ELF und EFA "kein Bestandteil"
- Aktualisiert: 02.03.2026
- 14:19 Uhr
- ran.de
Die Führung der neu gegründeten American Football League Europe (AFLE) gibt im ran-Interview Auskunft über die Strukturen, Visionen und Entstehung des ambitionierten Projekts.
Rund um die neu gegründete American Football League Europe (AFLE) gab es zuletzt immer neue Entwicklungen und Informationen.
Nun sprach die Führung des ambitionierten AFL-Projekts im ran-Interview über Strukturen, Visionen und die Entstehung der neuen Football-Liga, an der unter anderem Rhein Fire und die Vienna Vikings teilnehmen werden.
Dabei verwies die AFLE-Führung darauf, gemeinsam auftreten und keinen einzelnen Namen in den Vordergrund rücken zu wollen.
Anmerkung der Redaktion: Das Interview ergibt sich aus einem an die AFLE zugesandten Fragenkatalog. Ein ähnlicher Fragenkatalog wurde auch an die European League of Football (ELF) und die European Football Alliance (EFA) geschickt. Die EFA verkündete, vorerst im Hintergrund an der Liga arbeiten zu wollen und erst nach "Fortschritten" für öffentliche Statements zur Verfügung zu stehen.
ran: Im Spätsommer 2025 krönte sich Stuttgart Surge zum ELF-Champion. Wenige Wochen später begann die Auflösung der Liga mit Gründung der EFA, eines Zusammenschlusses der Mehrheit der in der ELF spielenden Franchises. Was geschah genau in den Wochen nach dem Championship Game?
AFLE-Führung: Nach dem Championship Game 2025 haben sich die maßgeblichen Entscheidungsträger der Franchises in einem strukturierten Prozess regelmäßig ausgetauscht. Ziel dieser Gespräche war es, die Entwicklungen der vergangenen Jahre offen zu analysieren und konkrete Lehren daraus zu ziehen, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sportlicher Hinsicht. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich eine professionelle Liga langfristig stabil und nachhaltig aufstellen lässt. Dabei wurden unterschiedliche Perspektiven eingebracht. Einige Standorte verfügen über ausgeprägte Nachwuchsprogramme und gewachsene Vereinsstrukturen. Andere bringen umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Organisation, Vermarktung und Infrastruktur mit. Diese unterschiedlichen Stärken wurden zusammengeführt und gemeinsam bewertet.
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ran: Was haben die in der EFA vereinten Teams gefordert und sich erhofft? Wie geschlossen waren die Reihen?
AFLE-Führung: Allen Teams war klar, dass das damalige Zentrum der ELF aus ihrer Sicht stark eigene Interessen verfolgte. Diese Konstellation erschwerte es den Franchises, wirtschaftlich erfolgreich und vor allem gemeinsam zu agieren. Der gemeinsame Nenner war somit nicht ein kurzfristiger Vorteil, sondern die klare Überzeugung, dass langfristiger Erfolg nur dann möglich ist, wenn die Organisationen auf Augenhöhe agieren, wirtschaftlich eigenverantwortlich handeln und unter tragfähigen, transparenten Rahmenbedingungen nachhaltig profitabel arbeiten können.
ran: Was waren die Gründe, warum sich die Vienna Vikings und Rhein Fire später im Prozess verselbstständigt haben?
AFLE-Führung: Die Vienna Vikings und Rhein Fire haben den Entwicklungsprozess als sportlich und organisatorisch führende Standorte maßgeblich vorangetrieben und aktiv an tragfähigen Lösungen gearbeitet. Als zwei der erfolgreichsten Teams haben sie Verantwortung übernommen und konkrete Konzepte für eine stabile Weiterentwicklung erarbeitet. Im Verlauf dieses Prozesses wurden strukturelle Unterschiede zwischen den Eigentümermodellen deutlich. Einige Franchises werden von US-amerikanischen Eigentümern geführt, die nur wenige Wochen im Jahr in Europa verbringen und naturgemäß weniger mit den kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort vertraut sind. Amerikanische Investoren können in Europa sehr erfolgreich arbeiten, insbesondere wenn sie über entsprechende Marktkenntnis und operative Nähe verfügen. Letztlich zeigte sich eine klare Trennlinie zwischen Organisationen mit einem klar entscheidungsbefugten Owner vor Ort und Teams mit weiter entfernten Eigentümerstrukturen oder ohne eindeutig definierte Entscheidungsverantwortung. Die Verselbstständigung war daher kein Bruch, sondern das Ergebnis eines nachvollziehbaren Entwicklungsprozesses, in dem unterschiedliche Vorstellungen von Governance, Verantwortung und strategischer Ausrichtung sichtbar wurden.
ran: Wie kooperations- und reformierfreudig haben Sie die ELF wahrgenommen? Mit Ingo Schiller kam schließlich ein neutraler Manager von außen zur ELF.
AFLE-Führung: Mit der Verpflichtung von Ingo Schiller hat die European League of Football versucht, einen externen Manager in eine bereits sehr dynamische und anspruchsvolle Situation zu integrieren. Nach unserem Eindruck war Herr Schiller im Vorfeld jedoch nicht vollständig über die tatsächliche Ausgangslage, die Spannungen innerhalb der Teams sowie die ausgeprägte Aufbruchstimmung informiert. Die Forderungen nach strukturellen und wirtschaftlichen Reformen waren klar formuliert und in ihrer Tragweite erheblich. Auf diese Intensität der Veränderungswünsche war er offenbar nicht vorbereitet. Wie kooperations- und reformbereit die Liga insgesamt war, wurde unterschiedlich wahrgenommen. Aus Sicht der beteiligten Organisationen waren die Spielräume für grundlegende strukturelle Anpassungen letztlich begrenzt. Unabhängig davon wünschen wir Herrn Schiller für seinen weiteren beruflichen Weg alles Gute.
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ran: Die Vikings waren eines der stärksten und konstantesten Teams in der ELF. Vor allem in den letzten drei Jahren. Wie schwierig war der Schritt, die AFLE zu gründen - und womöglich in einer deutlich kleineren Liga zu spielen?
AFLE-Führung: Die Entscheidung zur Gründung der AFLE war kein kurzfristiger Schritt, sondern das Ergebnis eines intensiven und verantwortungsvollen Prozesses. Für die Vienna Vikings wie für jedes andere AFLE-Team stand im Mittelpunkt, die eigene sportliche und wirtschaftliche Zukunft selbstbestimmt gestalten zu können. Für uns gilt dabei ein klarer Grundsatz: "pacta sunt servanda", Verträge sind einzuhalten. Verlässlichkeit und Integrität im Umgang mit bestehenden Vereinbarungen sind eine zentrale Voraussetzung für professionelle und glaubwürdige Strukturen im europäischen Football. Aus Ligasicht geht es nicht primär um die Anzahl der Teams, sondern um Qualität, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Begegnungen mit Organisationen wie Rhein Fire, Wrocław Panthers oder Berlin Thunder stehen exemplarisch für sportliches Spitzenniveau in Europa. Unser Anspruch ist es, dieses Niveau dauerhaft zu sichern und weiterzuentwickeln. Ob eine Liga neun oder sechzehn Teams umfasst, ist aus struktureller Sicht zweitrangig, solange wirtschaftliche Tragfähigkeit, klare Governance Strukturen und sportliche Exzellenz gewährleistet sind. Unser Fokus liegt daher bewusst auf nachhaltigem Wachstum, professioneller Organisation und langfristiger Stabilität.
ran: Wie ist die AFLE aktuell aufgestellt? Was können Sie uns über Spielplan, Ligastruktur und Stand der Vorbereitungen sagen?
AFLE-Führung: Die AFLE ist aktuell strukturell und organisatorisch sehr gut aufgestellt. Das Kernteam arbeitet bereits seit November 2025 an der Saisonplanung. In einzelnen Bereichen befinden wir uns noch in der finalen Besetzung offener Positionen, führen hierzu jedoch bereits gezielte Gespräche, um die richtigen Profile für die kommenden Aufgaben zu gewinnen. Die Vorbereitungen auf die anstehende The League Europe-Saison laufen auf Hochtouren. Unser gesamtes Team arbeitet mit hoher Intensität an der Umsetzung der Preseason-Planungen sowie an sämtlichen operativen und strategischen Themen rund um den Saisonstart. Das finale Line-up der teilnehmenden Teams steht fest, in wenigen Detailfragen sind noch abschließende Entscheidungen zu treffen. Im direkten Zusammenhang damit steht die Finalisierung des Spielplans. Dieser befindet sich in der letzten Abstimmungsphase und wird zeitnah nach Abschluss aller formalen Schritte offiziell kommuniziert. Unser Ziel ist es, größtmögliche Transparenz und Planungssicherheit für Teams, Partner und Fans zu gewährleisten.
ran: Drei gestandene Teams sind dabei, wie solide sind die drei anderen? Warum sollten die Fans glauben, dass die neuen Franchises nicht ähnliche Schicksale nehmen wie Barcelona, Stuttgart oder auch Berlin Thunder, die ebenfalls in die Insolvenz mussten?
AFLE-Führung: Bei der Auswahl der weiteren Franchises haben wir bewusst großen Wert auf Stabilität, regionale Verankerung und unternehmerische Substanz gelegt. Für uns war von Beginn an entscheidend, mit Verantwortlichen zusammenzuarbeiten, die tief in der lokalen Community verwurzelt sind, über belastbare Netzwerke in die jeweilige Stadt verfügen und enge Beziehungen zu Coaches, Spielern und Partnern pflegen. Diese regionale Anbindung ist ein zentraler Baustein für nachhaltigen Erfolg, sportlich wie wirtschaftlich. Darüber hinaus bietet unser Liga- und Investorenmodell eine deutlich stabilere Ausgangsbasis. Durch die Unterstützung unseres Investors schaffen wir eine solide Grundlage, die professionelles Arbeiten, klare Budgetstrukturen und langfristige Planung ermöglicht. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit im europäischen Football-Markt wurden analysiert und fließen in unsere Strukturen ein. Unser Anspruch ist es, wirtschaftliche Vernunft, professionelle Organisation und sportliche Qualität in Einklang zu bringen, damit sich Fans, Partner und Spieler auf eine stabile und nachhaltige Liga verlassen können.
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ran: Einige durchaus wichtige Teams wie die Munich Ravens oder Galaxy konnten nicht überzeugt werden vom Konzept. Hauptargument: Ähnlich wie bei der ELF, hat auch hier der Großinvestor am meisten zu sagen. Was entgegnen Sie diesen Ansichten?
AFLE-Führung: Wir respektieren selbstverständlich, dass einzelne Organisationen unser Konzept unterschiedlich bewerten. Gleichzeitig ist es uns wichtig, einige Punkte klar einzuordnen. Unser Investor trägt mit seiner Investition das alleinige finanzielle Risiko. Das ist kein Machtinstrument, sondern eine bewusste Struktur, um der Liga in der Aufbauphase Stabilität, Liquidität und Planungssicherheit zu geben. Gerade im europäischen Football-Markt haben fehlende finanzielle Absicherung und zu ambitioniertes Wachstum in der Vergangenheit zu Problemen geführt - daraus haben wir gelernt. Gleichzeitig haben wir von Beginn an transparent kommuniziert, dass es sich um eine Liga der Teams handelt. Die sportlichen Entscheidungen werden nicht zentral vorgegeben, sondern im Board of Governance (Aufsichtsrat) gemeinsam getroffen. In diesem Gremium sind die Franchises vertreten und entscheiden über sportliche Leitlinien, Wettbewerbsfragen und Weiterentwicklungen des Spielbetriebs.
ran: Können mehrere Ligen 2026 koexistieren?
AFLE-Führung: Das Interesse an American Football in Europa wächst seit Jahren kontinuierlich. Dieses wachsende Marktpotenzial bietet grundsätzlich Raum für unterschiedliche Angebote. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Ligen, sondern die Qualität der Strukturen, die wirtschaftliche Stabilität und die nachhaltige Ausrichtung. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer klaren Struktur und langfristigen Strategie genau dafür die richtigen Voraussetzungen schaffen. Ob und in welcher Form andere Modelle dauerhaft tragfähig sind, wird der Markt zeigen. Unser Anspruch ist es, Professionalität, Stabilität und sportliche Qualität in den Mittelpunkt zu stellen und daran lassen wir uns messen.
ran: Wie sehen Sie die Chancen, dass sich ELF und EFA doch noch auf einen gemeinsamen Spielbetrieb einigen?
AFLE-Führung: Für die Saison 2026 ist die sportliche Planung abgeschlossen. Das finale Line-up unserer Liga steht fest, und Teams der EFA sind kein Bestandteil dieses Teilnehmerfeldes. Wir können kein Statement zu den Aktivitäten der ELF und EFA abgeben, wünschen diesen jedoch bei deren Bemühungen, ein gutes Produkt zu schaffen, alles Gute. Wir fokussieren uns auf unsere Liga und haben in den letzten fünf Jahren sehr gut beobachtet, wie wir die Qualität sowohl für die Fans im Stadion als auch die TV-Audience noch einmal massiv anheben können.
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ran: Können perspektivisch noch Teams zur AFLE dazu kommen?
AFLE-Führung: Langfristig ist eine Erweiterung der AFLE selbstverständlich möglich. Wir sind für unsere erste Saison sehr solide aufgestellt und verfügen bereits jetzt über zahlreiche Anfragen von Organisationen, die perspektivisch Teil der Liga werden möchten. Gleichzeitig gilt für uns ein klarer Grundsatz: Qualität vor Geschwindigkeit. Wir prüfen jede potenzielle Franchise sehr sorgfältig, sowohl hinsichtlich der wirtschaftlichen Stabilität als auch der organisatorischen Struktur, der regionalen Verankerung und der sportlichen Ausrichtung. Eine zu schnelle Expansion ist weder notwendig noch Teil unserer Strategie. Unser Ziel ist nachhaltiges Wachstum auf einem stabilen Fundament, damit jede Erweiterung die Liga strukturell stärkt und langfristig erfolgreich sein kann.
ran: Wie sehen Sie American Football in Europa in den nächsten Jahren?
AFLE-Führung: American Football befindet sich in Europa seit mehreren Jahren in einer klaren Wachstumsphase. Das steigende Zuschauerinteresse, zunehmende Medienpräsenz sowie die enorme Nachfrage rund um die NFL International Games in Europa zeigen deutlich, welches Potenzial der Markt bietet. Auch die strategischen Überlegungen der NFL, perspektivisch eine Franchise oder sogar eine Division dauerhaft in Europa zu etablieren, unterstreichen diese Entwicklung.
Parallel dazu wächst die sportliche Qualität kontinuierlich. In den vergangenen Jahren war eine deutliche Professionalisierung der Strukturen, Trainingsmethoden und Organisationsformen zu beobachten. Zudem entscheiden sich vermehrt erfahrene Coaches mit College- oder NFL-Hintergrund sowie internationale Spieler für ein Engagement in Europa. Dieser Knowhow-Transfer stärkt nachhaltig das Leistungsniveau insbesondere auch die Entwicklung europäischer Talente. Gleichzeitig wird der Weg europäischer Spieler in nordamerikanische Profiligen immer selbstverständlicher. Beispiele wie Bernhard Raimann, Lenny Krieg, Maceo Beard oder Florian Bierbaumer zeigen, dass sich die internationale Durchlässigkeit weiter erhöht und europäische Athleten zunehmend auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind. Insgesamt erwarten wir, dass sich dieser Trend fortsetzt: mehr Professionalisierung, höhere Sichtbarkeit und eine stärkere internationale Vernetzung. Entscheidend wird sein, stabile Strukturen zu schaffen, die dieses Wachstum langfristig tragen, sportlich wie wirtschaftlich.