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"Den Teufel austreiben": Das Seahawks-Trauma von 2015
In den traumatischen ersten Sekunden konnte Marshawn Lynch nur lachen. Selbstverständlich war es kein befreites Lachen, wie er nun noch einmal der New York Times erzählte, sondern eher ein kieferkrampfiges Mundoffenstehen mit einem Gurgel-Laut aus der Tiefe, der nur eines bedeutete: "Was zur Hölle???"
2015, im Super Bowl 49 in Glendale/Arizona, standen die Seattle Seahawks kurz vor Schluss an der Ein-Yard-Linie der New England Patriots. Zweites Down, Spielstand 24:28, 26 Sekunden auf der Uhr. Jeder Football-Fan auf dieser Welt ahnte, was kommen würde: Der Ball wird in die starken Arme des Laufmonsters Lynch gelegt, bumm, Touchdown. Game Over.
Von wegen. Es folgte, was Analysten den "schlechtesten Call der Football-Geschichte" nennen. Seahawks-Headcoach Pete Carroll entschied sich für einen kurzen Pass von Quarterback Russell Wilson auf die rechte Seite, wo Ricardo Lockette den Ball fangen sollte. Patriots-Cornerback Malcolm Butler jedoch rammte den Wide Receiver beiseite, schnappte sich die siegbringende Interception. Und Tom Brady tanzte an der Seitenlinie.
Die Seahawks lebten fortan im Wäs-wäre-gewesen-wenn-Modus. "Wir hätten eine Dynastie errichten können", sagt Lynch heute, elf Jahre später - kurz bevor sich Seahawks und Patriots in der Nacht zu Montag (0.30 Uhr/RTL und DAZN) im Super Bowl 60 wiedersehen: "Dass wir im Jahr zuvor den Super Bowl geholt hatten, wird immer davon überschattet sein, wie wir den nächsten verloren haben." Die Erben, schrieb die New York Times, können nun in Santa Clara "den Teufel austreiben".
Marshawn Lynch hatte damals nach dem erstickten Lachen jedenfalls nur noch einen Gedanken, es war wohl der letzte klare in dieser Nacht: "In meinem Spind steht eine Flasche Pure White Hennessy - und ich will mich betrinken."