NFL: Minnesota Vikings sind am Absturz selbst Schuld - ein Kommentar
Aktualisiert: 03.12.2025
14:47 Uhr
Chris Lugert
Noch vor einem Jahr waren die Minnesota Vikings eines der besten Teams der NFL, jetzt steht das Team vor einem Scherbenhaufen. Die Probleme sind dabei hausgemacht - und es könnte noch schlimmer kommen. Ein Kommentar.
Man wird es wohl nie erfahren, welche Worte in diesem Moment ausgetauscht wurden. An Spekulationen mangelte es aber nicht.
Nach der 0:26-Demütigung der Minnesota Vikings durch die Seattle Seahawks in Week 13 der NFL gab es noch auf dem Feld einen kurzen Moment zwischen Sam Darnold und Justin Jefferson. War es nur ein kurzes Begrüßen alter Teamkollegen? Oder drückte der Star-Receiver der Vikings sein tiefes Bedauern aus, dass beide nicht mehr gemeinsam in einem Team spielen?
Vielleicht sogar ein Gefühl der Sehnsucht?
Auch Fans der Vikings dürfte dieses Bild durchaus Kummer bereitet haben. Denn es ist noch kein Jahr her, da zauberten Darnold und Jefferson Woche für Woche gemeinsam ein Offensivfeuerwerk ab. Minnesota war eines der besten Teams der Liga, am Ende der Regular Season stand eine 14-3-Bilanz.
Die Harmonie zwischen Darnold und Jefferson stimmte. Der Receiver beendete die reguläre Saison mit 1.533 Receiving Yards, zehn Touchdowns und der Auszeichnung als First-team All-Pro. Ein Jahr später wirken diese Zeiten wie aus einer anderen Epoche.
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Wenn Jefferson aktuell in Erscheinung tritt, dann vor allem mit Bildern, die maximalen Frust ausdrücken. So auch gegen Seattle, als er in Gedanken verloren an der Seitenlinie sitzt - nicht zum ersten Mal in dieser Saison.
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Vikings gingen volles Risiko mit McCarthy
Dass die Vikings mit ihrem Nummer-drei-Quarterback gegen eine Top-Defense der NFL nicht viel holen würden, war abzusehen und keine große Überraschung. Doch der Auftritt von Max Brosmer war derart verheerend, dass er die Situation und Leiden in Minnesota auf einen Schlag mit 100 potenzierte.
Nur vier Siege stehen in zwölf Spielen zu Buche, die Playoffs sind nicht einmal mehr mit dem Fernglas zu sehen. Nur 18,4 Punkte bringen die Vikings im Schnitt pro Spiel zustande - lediglich die Browns, Saints, Raiders und Titans sind noch schlechter. Selbst die Jets punkten besser.
Der auffälligste Grund: die Quarterback-Situation. Die Vikings entschieden sich nach einem enttäuschenden Saisonfinale samt frühem Playoff-Aus in der vergangenen Offseason dafür, Darnold nicht weiterzubeschäftigen und alles auf die Karte J.J. McCarthy zu setzen. Als kostengünstiger Veteran-Backup kam Carson Wentz.
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Und das, obwohl McCarthy noch keinen einzigen NFL-Snap gespielt hatte, nachdem er seine Rookie-Saison verletzungsbedingt komplett verpasst hatte. Es war ein Risiko, das die Vikings bewusst eingingen. Offensichtlich in der Annahme, Head Coach Kevin O'Connell würde McCarthy schon weiterentwickeln.
Inzwischen muss dieser Plan als gescheitert betrachtet werden. McCarthy verpasste auch in seiner zweiten Saison mehrere Spiele, zeigte aber in seinen Auftritten wenig bis keine Weiterentwicklung. Er ist zu langsam in seinen Abläufen, seine Würfe sind viel zu unpräzise. Darüber können auch vereinzelte Highlight-Plays nicht hinwegtäuschen.
Falscher Geiz der Vikings bei Sam Darnold
Dass die Vikings zumindest sehen wollten, was ihr erst ein Jahr zuvor gedrafteter Erstrundenpick kann, ist dabei absolut nachvollziehbar. Doch mit Darnold hätten sie eine Absicherung gehabt für genau diesen Fall, der jetzt eingetreten ist. Auch, um McCarthy im Fall der Fälle aus der Schusslinie nehmen zu können.
Ob Wentz diese Rolle hätte ausfüllen können? Schwer zu sagen, denn wie inzwischen bekannt ist, verletzte sich der 32-Jährige bereits in seinem dritten Spiel als McCarthy-Ersatz schwer an die Schulter, spielte danach aber noch zwei weitere Partien unter offenbar heftigen Schmerzen, ehe seine Saison endgültig beendet war. Allerdings liegen Wentz' beste Zeiten in der NFL auch schon lange zurück.
Ohne Zweifel spielt Verletzungspech auf der Quarterback-Position eine wichtige Rolle in der aktuellen Vikings-Situation. Und doch war es eine bewusste Entscheidung, das Geld für Darnold - bei dem man wusste, was man bekommt - zu sparen. Es war Geiz an der falschen Stelle. Und dieser fällt ihnen nun auf die Füße.
NFL-Saison 2025: Diese Teams haben die NFL-Playoffs verpasst
NFL 2025: Diese Teams verpassen die Playoffs Im Januar nur Zuschauer - während die besten sieben jeder Conference um den Einzug in den Super Bowl streiten, heißt es für 18 andere Teams Zuschauen. Nach Ende der Regular Season stehen die Teams fest, die ihren Fokus nun schon voll auf die neue Saison legen können. ran gibt einen Überblick über die ausgeschiedenen Teams.
Baltimore Ravens (8-9) Es war das große Endspiel um den letzten Playoff-Platz, doch die Baltimore Ravens zogen den Kürzeren. Im letzten Spiel der Regular Season verloren die Ravens bei den Pittsburgh Steelers mit 24:26 und müssen die Postseason vor dem Fernseher verfolgen.
Tampa Bay Buccaneers (8-9) In einem dramatischen Finale in der NFC South waren die Bucs um Quarterback Baker Mayfield nur noch Zuschauer und haben vergeblich den New Orleans Saints die Daumen gedrückt. Nur wenn die Saints gegen die Atlanta Falcons nicht verloren hätten, wären die Buccaneers dank ihres Sieges gegen die Panthers am Vortag noch in die Playoffs eingezogen. Die Falcons aber gewannen mit 19:17 und brachten die Panthers in die Playoffs. Die Bucs schauen zu.
Indianapolis Colts (8-9) Da konnte auch Quarterback-Opa Philip Rivers nicht mehr helfen: Die Indianapolis Colts sind aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden, noch vor dem eigenen Spiel in Week 17 war ein Wild-Card-Platz unerreichbar geworden. Was dabei fast ein bisschen untergeht, weil es gefühlt eine Ewigkeit her ist: Die Colts sind mit 7-1 bzw. 8-2 in diese Saison gestartet.
Detroit Lions (9-8) Sechs Turnover waren einfach zu viel. Die Lions hatten schon durch die Niederlage gegen die Vikings in Week 17 keine Chance mehr, die Packers abzufangen und sich doch noch für die Playoffs zu qualifizieren.
Minnesota Vikings (9-8) Nicht durch eigenes Zutun, sondern aufgrund der übrigen Ergebnisse in Week 15 waren die Minnesota Vikings bereits sicher eliminiert - egal, wie ihr Sunday Night Game gegen die Dallas Cowboys verlaufen wäre. Da half auch der 34:26-Sieg am Ende nicht mehr.
Dallas Cowboys (7-9-1) Durch den Sieg des Divisionsrivalen aus Philadelphia gegen die Washington Commanders hatten die Eagles in Week 16 ihren ersten Platz in der NFC East vorzeitig klargemacht und die ohnehin nur noch minimalen Playoff-Chancen der Dallas Cowboys endgültig zunichtegemacht. Damit muss sich das Team um Dak Prescott George Pickens und CeeDee Lamb auch in dieser Saison damit begnügen, die Postseason von der Couch aus zu verfolgen.
Miami Dolphins (7-10) Trotz zwischenzeitlich vier Siegen in Folge bedeutete die 15:28-Pleite im Monday Night Game des 15. Spieltags gegen die Pittsburgh Steelers das Ende aller Playoff-Träume für Miami. Sechs Niederlagen in den ersten sieben Spielen waren am Ende einfach zu viel.
Kansas City Chiefs (6-11) Es ist tatsächlich passiert: Die Kansas City Chiefs verpassen die Playoffs! Die 13:16-Niederlage in Week 15 gegen die Los Angeles Chargers machte das Undenkbare auch mathematisch perfekt. Es ist das erste Mal seit 2014, dass die Postseason der NFL ohne die Chiefs über die Bühne gehen wird.
Atlanta Falcons (8-9) Eine erneut von Verletzungen geprägte Saison bei den Atlanta Falcons endet auch in diesem Jahr ohne eine Teilnahme an der Postseason. Spätestens mit der deutlichen 9:37-Niederlage gegen die Seattle Seahawks war das besiegelt. Die letzte Playoff-Teilnahme der Falcons datiert aus der Saison 2017.
Cincinnati Bengals (6-11) Wirklich realistisch war es ohnehin schon seit Wochen nicht mehr, mit der desaströsen 0:24-Heimniederlage gegen die Baltimore Ravens in Week 15 stand aber auch endgültig fest, dass die Cincinnati Bengals die Playoffs verpassen. Auch die Rückkehr des lange verletzten Quarterbacks Joe Burrow änderte daran nichts.
New Orleans Saints (6-11) Auch für Head Coach Kellen Moore war frühzeitig der Traum von der Postseason beendet. Nach der 17:21-Niederlage gegen die Miami Dolphins in Week 13 war es rechnerisch nicht mehr möglich.
Washington Commanders (5-12) Nachdem die Commanders im vergangenen Jahr mit Rookie-Quarterback Jayden Daniels noch bis ins NFC Championship Game vorgestoßen waren, war der Traum vom erneuten Playoff-Football in dieser Saison früh geplatzt. Nach der deutlichen 0:31-Klatsche gegen die Minnesota Vikings und lediglich drei Siegen aus 13 Spielen mussten sie die Postseason nach Week 14 endgültig abschreiben.
Cleveland Browns (5-12) Der wohl polarisierendste Rookie-Quarterback der vergangenen Jahre muss in seiner ersten NFL-Saison definitiv von außen bei den Playoffs zuschauen. Zwar war Shedeur Sanders gegen die Tennessee Titans der erste Rookie-Quarterback der Saison, der über 300 Yards warf, dennoch mussten sich die Cleveland Browns den Titans in Week 14 knapp mit 29:31 geschlagen geben. Wieder keine Playoffs.
New York Jets (3-14) Eine weitere Saison zum Vergessen für die New York Jets. Nach der deutlichen 10:34-Niederlage in Week 14 gegen den Division-Konkurrenten aus Miami, der seine Saison tatsächlich noch herumgerissen hat, bestand für kein Team aus New York mehr eine Chance auf die Playoffs.
Tennessee Titans (3-14) Für Nummer 1 Pick Cam Ward heißt es im ersten Jahr Lernen, Lernen, Lernen. Und in den Playoffs Zuschauen. Für Tennessee war nach der 3:25-Niederlage in Week 13 gegen die Jacksonville Jaguars Platz 1 in der Division oder 7 in der AFC nicht mehr erreichbar.
Las Vegas Raiders (3-14) Für die Las Vegas Raiders um Maxx Crosby war nach der 10. Niederlage der Saison nichts mehr zu holen. Das 14:31 gegen die Los Angeles Chargers in Week 13 war gleichbedeutend mit dem Aus im Kampf um die Playoffs - alle Wild-Card-Teams hatten da schon mindestens acht Siege auf dem Konto.
New York Giants (4-13) Für das Team aus dem Big Apple ist seit dem 12. Spieltag der Zug für die Playoffs abgefahren. Die 27:34-Niederlage nach Overtime bei den Detroit Lions war eine zu viel für die New York Giants.
Was aber noch schlimmer ist: Ein Ausweg aus dieser Situation erscheint aktuell kaum vorstellbar. Zwar steuern die Vikings auf einen Top-10-, sicher aber Top-15-Pick im kommenden Draft zu. Doch die Quarterback-Klasse 2026 gilt schon jetzt als nicht sonderlich stark. Ob die Vikings dann noch einen guten Spielmacher finden, ist fraglich.
Und in der Free Agency? Die prominentesten Namen, die auf den Markt kommen, sind Aaron Rodgers und Joe Flacco. Beide sind jenseits der 40 und dürften keine Option sein. Und so erscheint völlig offen, mit welchem Quarterback die Vikings in die Saison 2026 gehen werden und welche Leistungen zu erwarten sind.
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Zieht Justin Jefferson die Notbremse?
Das wiederum weiß auch ein Justin Jefferson. Mit seinen 26 Jahren hat er zwar theoretisch noch viele Jahre in der NFL vor sich. Doch lange wird man einem der besten Receiver der NFL eine solche Situation nicht verkaufen können. Sein Frustlevel ist bereits hoch - die Gefahr aus Vikings-Sicht, dass sein Geduldsfaden reißt, ebenso.
Was, wenn Jefferson aufgrund der mangelnden Aussicht auf individuellen und mannschaftlichen Erfolg einen Trade fordert? Dann stünden die Vikings endgültig am Abgrund. Ein solches Szenario wird in den USA immer intensiver diskutiert, von einer Verschwendung der Prime von Jefferson ist die Rede.
Binnen eines Jahres ist aus einem Team mit hohem offensiven Level, einem guten Quarterback-Play und einem glücklichen Superstar-Receiver ein einziger Pflegefall geworden. Ausgang? Offen. Tendenz? Besorgniserregend.