Basketball
NBA: Cleveland Cavaliers angeln sich James Harden und Dennis Schröder: Die letzte letzte Chance?
- Veröffentlicht: 05.02.2026
- 11:38 Uhr
- Ole Frerks
Die Cleveland Cavaliers haben kurz vor der Trade Deadline gleich zwei größere Trades eingefädelt und sich die Dienste von James Harden und Dennis Schröder gesichert. Die Moves sind eine drastische Abkehr von dem Plan, den die Franchise bisher verfolgte. Können sie sich kurzfristig auszahlen?
Von Ole Frerks
Eigentlich hatten sich die Cleveland Cavaliers das alles anders vorgestellt. Ihr Kern sollte eines nicht so fernen Tages nicht nur den Osten, sondern die Liga gewinnen. Sie investierten entsprechend, legten vor einem Jahr sogar noch nach, als sie in De'Andre Hunter einen weiteren hochbezahlten Spieler per Trade verpflichteten. Warum auch nicht? Auf dem Weg zu einer 64-Siege-Saison schien wenig dagegen zu sprechen, die sich bietende Chance beim Schopfe zu ergreifen.
Es kam nur dummerweise anders, schon zum Ende der vergangenen Saison hin. Verletzungen trugen mit dazu bei, dass trotz der besten Bilanz im Osten bloß wieder ein Zweitrundenaus heraussprang, bei dem die Pacers Cleveland deklassierten. Verletzungen trugen auch mit dazu bei, dass die Cavs, die nach Achillessehnenrissen in Boston und Indiana neben New York als DER Favorit im Osten galten, äußerst langsam in diese Spielzeit starteten.
Was zuletzt zwar mit acht Siegen aus zehn Siegen ansatzweise korrigiert wurde, aber doch nicht reichte. Vor wenigen Tagen noch waren die Cavs das teuerste Team der Liga, dem dummerweise jedoch nahezu niemand zutraute, seine großen Ziele tatsächlich zu erreichen. Eine untragbare Situation, welche die Franchise offensichtlich wirklich nicht mehr tragen wollte.
Sie ist nun beendet. Nicht nur wurde Hunter direkt wieder verschifft in einem Move, der dem Team sportlich, aber vor allem auch finanziell Entlastung bieten sollte. Mit Darius Garland hat auch ein Mitglied der "Big 4" das Team verlassen, für einen 36-jährigen James Harden, der über die letzten Jahre deutlich mehr Trade-Forderungen angehäuft hat als tiefe Playoff-Runs.
Beide Trades sind Eingeständnisse, irgendwie. Der Garland-Harden-Trade wirkt in gewisser Hinsicht sogar fast zynisch. Was nicht bedeuten muss, dass diese Moves sich für die Cavs nicht auszahlen könnten.
Cleveland Cavaliers holen Dennis Schröder: Der doppelte Wert
Der erste Trade beendete das Hunter-Experiment in erfolgreicher Manier. Der Forward hatte seine guten Leistungen aus Atlanta in Cleveland nie wirklich bestätigt, in der laufenden Spielzeit keine Dreier getroffen und seinen Platz in der Starting Five schon lange verloren, nachdem klar wurde, dass sein "Backup" Jaylon Tyson mit den Startern besser harmonierte.
Mit dem Deal Hunters nach Sacramento bekam Cleveland zwar wahrscheinlich keine Starter zurück – aber einerseits Tiefe und andererseits finanzielle Entlastung, da Dennis Schröder und Keon Ellis in Kombination rund sieben Millionen Dollar weniger verdienen als Hunter, was sich bei Luxussteuer-Teams doppelt und dreifach bemerkbar macht.
Ellis bringt einen soliden Wurf mit, auch wenn er kein Volume-Shooter ist. Dafür gilt der 1,93-m-Mann als guter Point-of-Attack-Verteidiger, der auch mit etwas größeren Spielertypen zurechtkommt, womit er den Cavs durchaus helfen sollte. Mit seinem spottbilligen Vertrag (2,3 Mio. Dollar) galt er nicht aus Zufall als einer der umworbeneren "kleinen" Namen vor dieser Deadline.
Cleveland Cavaliers: Findet Dennis Schröder in alte Rolle zurück?
Schröder wiederum setzt seine Reise durch die Liga fort und könnte bei seinem elften Team wieder eine Rolle einnehmen, die er im Vorjahr auch in Detroit recht erfolgreich spielte. Als Ballhandler und Scorer von der Bank, der Führungsqualitäten und eine gewisse Giftigkeit auch in der Defense mitbringt.
Der Braunschweiger spielte bisher keine gute Saison – es ließ sich aber dafür argumentieren, dass seine Qualitäten bei den hoffnungslosen Kings ohnehin verschenkt waren. Bei den Cavs, einem der Reputation nach "zu braven" Team, könnte er in kleinerer Rolle einen größeren Impact haben.
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Zumal diese Rolle durch den zweiten Trade vielleicht sogar etwas gewachsen ist. In ein potenzielles Crunchtime-Lineup mit Donovan Mitchell (1,88 m) und Garland (1,85 m) hätte Schröder als dritter kleiner Guard (1,85 m) kaum reingepasst – mit Garland hat nun aber eben der kleinste und defensiv angreifbarste Spieler dieses Trios die Cavs verlassen.
Schröders Debüt für die Cavs verlief erfolgreich mit einem 124:91 bei den Los Angeles Clippers. Der deutsche Nationalmannschaftskapitän kam bei seiner Premiere von der Bank und legte in 19 Minuten elf Punkte, zwei Rebounds und sechs Assists auf.
Cleveland Cavaliers holen James Harden: Gegen alle Regeln
In gewisser Weise haben die Cavs mit diesem zweiten Deal ein paar Regeln gebrochen. Sie haben Garland für einen zehn Jahre älteren Spieler getradet und dabei sogar noch einen Pick abgegeben, wenn auch bloß einen Zweitrundenpick; unter normalen Umständen verbietet sich das. Normal sind die Umstände in Cleveland nur eben nicht.
Garland zeigte in der vergangenen Saison, welches Potenzial er als Offensivspieler mitbringt; die beste Offense der NBA hatten die Cavs nicht zuletzt deshalb, weil der Point Guard die meisten Spiele seiner Karriere machte (75) und es zum zweiten Mal ins All-Star Game schaffte. Garland ist ein toller Shooter, ein wandelnder Paint Touch, der kreativste Passer im Kader. Anders als Harden (und Mitchell) ein sehr schneller Ball-Mover, wie gemacht für die Motion Offense von Head Coach Kenny Aktinson.
Selbst die ungewöhnlich "gesunde" Saison endete jedoch wie seine meisten anderen; mit Verletzungen. In den Playoffs spielte Garland entweder nicht oder schlecht - nach seinem Standard gemessen. Probleme am Zeh schränkten ihn ein und wurden auch in der Offseason nicht gelöst, auch in der laufenden Spielzeit fiel Garland schon mehrfach länger aus und suchte seine Form.
Niemand kennt Garlands Krankenakte besser als die Cavs – der Trade deutet an, dass sie nicht mehr daran glaubten, die beste Version des Guards mal dann zur Verfügung zu haben, wenn es wirklich um etwas geht. Was nur ein bisschen ironisch anmutet, weil Harden diese Zweifel – aus anderen Gründen – im Prinzip ja auch schon seine ganze Karriere über begleiten.
Cleveland Cavaliers: (Wieder) doppelter Wert
Auch bei diesem Trade gibt es eine finanzielle Komponente. Aktuell verdienen Garland und Harden zwar beinahe gleich viel, Garland hat jedoch noch zwei weitere Jahre mit garantierten 42 respektive 45 Millionen Dollar in seinem Arbeitspapier stehen. Bei Harden besteht eine Spieler-Option für die kommende Saison, die aber nur zu rund 13 Mio. garantiert ist – wahrscheinlich wird Cleveland Harden länger halten, aber mit großer Wahrscheinlichkeit dafür weniger zahlen als für Garland. Für ein so teures Team ist das essenziell.
In sportlicher Hinsicht ist Harden in der Regular Season anders als Garland ein Muster an Verlässlichkeit. Über seine Karriere hat sich der elfmalige All-Star sehr selten verletzt. Wenn er ausfiel, lag das oft tatsächlich eher an Streiks oder offenen Trade-Forderungen. Aber das sollte nun zunächst ja kein Problem sein.
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"The Beard" spielte in L.A. individuell eine sehr gute Saison, objektiv klar besser als Garland. Er ist ein anderer Spielertyp, aber smart genug, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Harden sollte Last von Mitchell nehmen, den Bigs mundgerechte Anspiele servieren, den offensiven Floor heben, wie er das bisher bei jeder Station seiner Karriere getan hat.
Es dürfte einen Moment dauern, die Touches zwischen Mitchell und Harden richtig aufzuteilen, die beide gern den Ball in der Hand halten. Andererseits haben beide Erfahrung mit solchen Arrangements und ohnehin wird viel von Hardens Aufgabe darin bestehen, die Minuten ohne Mitchell erfolgreicher zu gestalten, die über die Saison bisher Clevelands größtes Problem waren (On/Off-Swing: +10,3).
Überdies würde zwar niemand Harden für seine Defense einstellen, gegenüber Garland ist er indes aber schon aufgrund seiner Größe und Kraft ein Upgrade. Zumindest einige Probleme des Teams sollte er lösen; für die Regular Season, in der Cleveland um die beste Position kämpft (zwischen Platz zwei und acht ist im Osten alles schnell in Reichweite), erhöht er das Potenzial.
Cleveland Cavaliers: Playoff-Ceiling durch Trades erhöht?
Nun ist die Regular Season natürlich nicht das, was in Cleveland ultimativ zählt. Und Harden hat seine eigenen Playoff-Dämonen; zwar hat er anders als Garland auch schon dominante Playoff-Leistungen gezeigt, gerade zum Ende enger Serien hin ist er in der Vergangenheit aber regelmäßig abgetaucht, mit Game 7 gegen die Nuggets im Vorjahr als jüngstem Beispiel. Er ist über seine Karriere in der Postseason unterm Strich nicht derselbe Spieler.
Gleichzeitig können die Cavs aber darauf hoffen, dass die Playoff-Version Hardens ihnen vielleicht sogar reicht, im Osten zumindest. Bis zu einem gewissen Punkt kann er Teams tragen … und ab diesem Punkt müssten dann eben Mitchell, Evan Mobley und partiell auch mal Schröder übernehmen.
Ist das die Idee hinter diesen Transaktionen? Nun … vielleicht. Die Conference sieht zumindest nicht so furchterregend aus, dass ein Harden-Mitchell-Max Strus-Mobley-Allen-Quintett mit Schröder, Ellis, Tyson, Sam Merrill und Dean Wade von der Bank sich vor irgendeinem Matchup wirklich verstecken müsste. Und Harden sollte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich Mitchell nicht schon in der ersten Runde beziehungsweise auf dem Weg dorthin "verheizen" muss.
Cleveland Cavaliers: Kein Ende in Sicht?
Vielleicht sind die Aktivitäten der Cavs aber auch noch nicht abgeschlossen. Ihre Flexibilität ist größer geworden, sowohl in der Gegenwart als auch im Sommer. Die Gerüchte, dass LeBron James (ein werdender Free Agent) einer zweiten Rückkehr nach Cleveland nicht abgeneigt wäre, nehmen nicht ab. Gleichzeitig ist auch Mitchells Zukunft wieder Thema von Spekulationen.
Es sind turbulente Zeiten in Cleveland, die womöglich noch andauern werden. Für den Moment ist immerhin schon klar, dass die Cavs ihren Plan A – den sie vor wenigen Wochen noch verteidigten, als es hieß, man wolle das Team einfach nur mal gesund sehen – für gescheitert erklärt haben. Was nachvollziehbar war, vielleicht sogar folgerichtig.
Es wird sich zeigen, ob Plan B besser aufgeht und welche Turbulenzen den Cavs noch bevorstehen, wenn auch das nicht der Fall ist. Denn Folgendes ist klar: Der Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, hat sich nicht verringert, im Gegenteil. Noch ein Zweitrunden-Aus kann sich dieses Team nicht leisten. In mehr als nur einer Hinsicht.