BVB-Legende Dede im exklusiven Interview
Borussia Dortmund - BVB-Legende Dede vor Duell mit FC Bayern: "Kovac war eine positive Drecksau"
- Veröffentlicht: 27.02.2026
- 09:59 Uhr
- Philipp Kessler
Aus in der Champions League, Aus im DFB-Pokal - im Spitzenspiel gegen den FC Bayern steht Borussia Dortmund unter Druck. Die BVB-Legende Dede spricht im ran-Interview über das Duell mit dem Rekordmeister, Trainer Niko Kovac und die bittere Niederlage in Bergamo.
Von Philipp Kessler
Bei Borussia Dortmund brennt der Baum.
Nach dem Aus im DFB-Pokal ist für den BVB auch in der Champions League Schluss. Am Mittwoch verlor die Mannschaft von Trainer Niko Kovac in den Playoffs zum Achtelfinale mit 1:4 in Bergamo, das Hinspiel gewann Dortmund noch souverän mit 2:0.
Auch in der Bundesliga droht ein weiteres titelloses Jahr. Um noch eine realistische Chance auf die Schale zu haben, braucht es am Samstag im Heimspiel gegen den FC Bayern (18.30 Uhr im Liveticker auf ran.de) einen Sieg.
Ansonsten beträgt der Rückstand auf den Tabellenführer aus München bereits elf Punkte.
Im Interview mit ran spricht BVB-Legende Dede, der 2002 und 2011 mit Dortmund Meister wurde, über die bisherige Saison der Kovac-Elf und das bevorstehende Spitzenspiel gegen den FC Bayern.
ran: Dede, Borussia Dortmund hat am Mittwoch das Rückspiel in den Playoffs der Champions League gegen Atalanta Bergamo mit 1:4 verloren. Hat Sie das Aus überrascht?
Dede: Ich war nicht überrascht von Atalanta. Das ist eine gute italienische Mannschaft, die defensiv sicher steht. Das 2:0 von Borussia aus dem Hinspiel hat mir natürlich Hoffnung auf ein Weiterkommen gemacht. Wir wussten, dass Bergamo alles geben würde. Aber Atalanta hat auch viel Glück gehabt – bei allem Respekt.
ran: Wie meinen Sie das?
Dede: Der BVB hatte mehr klar Torchancen. Individuelle Fehler haben zu den Gegentoren geführt. Das wird auf diesem Niveau natürlich bestraft. Gegen Bergamo war das Glück nicht auf unserer Seite. Für mich lag das Aus mehr an Pech als an schlechter Leistung.
ran: Wie sehen Sie die Entwicklung unter Trainer Niko Kovac?
Dede: Er und sein Bruder haben Stabilität in die Mannschaft gebracht. Diese Inkonstanz war für mich das größte Problem der Borussia in den vergangenen Jahren.
ran: In der Kritik steht seine unspektakuläre Spielweise.
Dede: Mein Gott, dann haben wir halt mal scheiße gespielt. Aber wir haben gewonnen. Vor zwei, drei Jahren haben wir scheiße gespielt und verloren. Wir haben früher oft gegen vermeintlich kleinere Gegner Punkte liegengelassen. Das ist uns in der Bundesliga unter Kovac schon länger nicht mehr passiert. Das ist der Unterschied. Ich würde nicht sagen, dass wir super schönen Fußball spielen. Zu meiner Zeit hat der Trainer die Taktik gemacht, auf dem Platz mussten wir aber selbst spielen. Wir haben vieles als Mannschaft geregelt.
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ran: Fehlen dem BVB die Gewinnertypen?
Dede: Leader müssen Autorität ausstrahlen. Sie müssen etwas sagen, der Rest der Mannschaft muss das glauben und mitmachen. Dieses Thema hat nicht nur Borussia Dortmund. Das haben viele Teams. Früher hatte der FC Bayern Effenberg oder Matthäus. Bei AC Milan standen Gattuso, Pirlo und Maldini auf dem Platz. Jede Mannschaft hatte mindestens drei solcher Spieler.
ran: Wie war das in Dortmund zu Ihrer Zeit?
Dede: Als ich 1998 aus Brasilien nach Deutschland gewechselt bin, fand ich das super. Ich vergesse nie, wie Jens Lehmann in der Pause mein Trikot gepackt und gefragt hat: "Was ist los mit dir, Junge? Komm, wir erwarten was von dir!" In der zweiten Halbzeit war ich wie ausgewechselt. Ich war jung, ich habe so viel davon gelernt. Heute sind die Spieler bei solchen Aktionen gleich beleidigt. Kovac war auch so ein Leader, er war ebenfalls eine positive Drecksau.
ran: Ist Nico Schlotterbeck auch so ein Anführer?
Dede: Aus meiner Sicht kann er das. In Brasilien gab es zuletzt ein großes Thema: In der Nationalmannschaft gab es lange nur Neymar. Er war der eine Star bei Brasilien. Früher waren da Ronaldinho, Ronaldo, Roberto Carlos, Cafu, Rivaldo. Schlotterbeck will die Mannschaft führen. Aber ich will auch vieles. Ich will fliegen. Aber das geht nicht, dafür brauche ich Helfer. Ich finde die Mannschaft von Borussia nicht schlecht. Aber ich denke auch an Spieler wie Gattuso. Er war nicht der beste Fußballer. Aber er konnte laufen, grätschen und kämpfen. Er konnte ein Signal geben und die Mitspieler haben dieses auch verstanden.
ran: Wie ist das beim FC Bayern? Joshua Kimmich gilt als Mittelfeldchef.
Dede: Er treibt die Mannschaft an. Aber er ist nicht halb so autoritär wie früher Effenberg, Matthäus oder Ballack. Das ist nicht böse gemeint, das war einfach eine andere Zeit. Bayern hat einfach eine brutale Mannschaft. Harry Kane beispielsweise ist kein Lautsprecher, er redet nicht viel. Aber die Leute schauen auf seine Aktionen, er führt damit an.
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ran: Dortmund ist in der Champions League und im DFB-Pokal raus. In der Meisterschaft hat der BVB bereits acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayern. Ist die Saison schon gelaufen?
Dede: Ich war glücklich, als Leverkusen Meister wurde. Davor war die Bundesliga langweilig. Früher war der FC Bayern mal zwei, drei Jahre hintereinander Meister. Aber dann hat Dortmund die Schale gewonnen. Oder Stuttgart oder Bremen. Auch Schalke war vorne dabei. Ich kann nur sagen: Die Fans in Brasilien würden der Borussia die Meisterschaft mehr gönnen als dem FC Bayern. Zuletzt haben wir 2012 die Schale gewonnen. Das ist eine lange Zeit. 2023 waren wir immerhin ganz knapp dran…
ran: Glauben Sie, dass der BVB überhaupt noch mal Meister wird?
Dede: Ob das diese Saison passieren wird, kann ich nicht sagen. Aber es ist möglich. Wenn Borussia am Samstag gegen Bayern gewinnt, würde der Rückstand nur noch fünf Punkte betragen. Nach der Hinrunde hieß es, man könne den Münchnern schon zur Meisterschaft gratulieren. Nach dem Jahreswechsel haben sie aber ein paar Punkte liegengelassen. Es kann schnell gehen. Unser Vorteil ist, dass der FC Bayern noch in der Champions League ist. Wir können uns nur auf die Bundesliga konzentrieren. Aber um noch eine Titelchance zu haben, müssen wir am Samstag gewinnen. Egal, wie – wir brauchen die drei Punkte.