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Borussia Dortmund: Gute Resultate, schlechte Stimmung - was läuft falsch?
- Aktualisiert: 19.12.2025
- 15:04 Uhr
- Dominik Hager
Beim BVB herrscht eine gewaltige Kluft zwischen den sportlichen Ergebnissen und der Stimmungslage im Klub. Doch warum rumort es bei den Schwarzgelben aktuell eigentlich so heftig?
von Dominik Hager
Auf dem ersten Blick kann Borussia Dortmund mit dem Kalenderjahr 2025 ziemlich zufrieden sein. Nach dem Sahin-Missverständnis hat Niko Kovac den Schwarzgelben Stabilität eingeimpft und die Champions-League-Qualifikation klargemacht.
Auch in der laufenden Hinrunde sieht es vor dem abschließenden Heimspiel gegen Gladbach (Freitag, ab 20:30 Uhr live in SAT.1 und im Joyn-Livestream) alles andere als schlecht aus.
Der BVB belegt in der Bundesliga Platz drei, punktgleich mit dem Tabellen-Zweiten RB Leipzig und befindet sich als Zehnter in der Ligaphase der Champions League auf Tuchfühlung zu den Top 8.
Trotz allem ist die Stimmung derzeit wenig festlich-weihnachtlich. Vielmehr rumort es gewaltig, was die deutlichen Ansagen von Nico Schlotterbeck und Matthias Sammer deutlich unterstreichen.
Doch warum ist die Stimmung aktuell eigentlich derart gereizt? ran geht den BVB-Problemen auf den Grund.
BVB verspielt zu viele Führungen
Zwar macht sich der BVB nicht schlecht, jedoch könnte der Klub auch deutlich besser dastehen. Ein andauerndes Nerv-Thema in Dortmund sind die vielen verspielten Führungen. In vier der letzten acht Pflichtspielen gaben die Borussen Führungen leichtsinnig und teilweise in letzter Minute aus der Hand.
Die Misere begann am elften Spieltag in Hamburg, als Ransford Königsdörffer in der siebten Minute der Nachspielzeit den Ausgleich erzielte. Am zwölften Spieltag war es Deniz Undav, der den Schwaben in Dortmund doch noch einen Punkt bescherte.
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Wenige Wochen später folgte die verspielte Führung in der Champions League gegen Bodo/Glimt, ehe die Borussen zuletzt ein 1:0 gegen Freiburg (in Unterzahl) nicht über die Ziellinie brachten.
Hätte der BVB seine Führungen verteidigt, würde der Abstand auf die Bayern nicht neun, sondern drei Punkte betragen. In der Champions League wären die Borussen mit einem Sieg gegen Bodo/Glimt auf Platz vier statt Platz zehn.
Kein Wunder also, dass die letzten Wochen einigen im Verein gehörig auf die Nerven gegangen sind.
Ärger um Nico Schlotterbeck und Guirassy
Die vergebenen Punkte gegen den norwegischen Underdog hatten eine Wutrede von Nico Schlotterbeck zur Folge. Der Abwehr-Star stellte die Winner-Mentalität in Frage und kritisierte die Einwechselspieler scharf. "Die Spieler, die reinkommen, verlieren jeden Ball", so die heftigen Worte des 26-Jährigen.
Selbstredend hat Schlotterbeck mit seiner öffentlichen Abrechnung für Unruhe in der Kabine gesorgt. Laut "Bild"-Angaben hat der Abwehr-Star seine Kritik nach dem Freiburg-Spiel intern wiederholt, was aber Serhou Guirassy böse aufgestoßen sei. Dieser bemängelte wohl, dass Schlotterbeck zu allgemein kritisiere und niemanden direkt anspreche.
Dabei kann der BVB einen schlecht gelaunten Schlotterbeck so gar nicht gebrauchen. Eigentlich möchte der Klub unbedingt verlängern, jedoch bekommt man Woche für Woche mehr das Gefühl, dass sich der Innenverteidiger vom Verein abwenden könnte.
Ähnliches gilt für Guirassy. Der Mittelstürmer knipst nicht mehr so verlässlich wie im Vorjahr, lieferte sich einen unnötigen Elfmeter-Streit mit Ramy Bensebaini und könnte ebenfalls das Ziel verfolgen, die Dortmunder im Sommer 2026 zu verlassen.
Wenn sich die beiden individuell wohl stärksten BVB-Spieler mit derart vielen Nebendingen beschäftigen und intern für Unruhe sorgen, kann das für einen Klub schlichtweg nicht leistungsfördernd sein.
Sommer motzt - BVB-Führung schwankt
Es gibt allerdings auch jemanden, der die kritischen Worte von Schlotterbeck sehr passend fand - und zwar Matthias Sammer. Dieser stellte sich deutlich hinter den Abwehrspieler und kritisierte bei "Sky" selbst munter drauf los.
Unter anderem bemängelte er indirekt die fehlenden Führungseigenschaften der Klub-Spitze um Lars Ricken und Sebastian Kehl. Zudem bezeichnete er den Verein als "harmoniesüchtig" und sieht die Notwendigkeit, den BVB über "konstruktive Kritik" auf das nächste Level zu heben.
Wer Sammer als Klub-Berater im Boot hat, weiß natürlich, dass dieser auch mal meckert und unbequem werden kann. Problematisch ist jedoch, dass aus seinen Worten wieder einmal herauszulesen war, dass weder Sebastian Kehl noch Lars Ricken das absolute Vertrauen genießen.
"Sky"-Angaben zufolge beäugt Sammer gerade Kehl schon länger kritisch, weil es diesem an Führungsstärke fehle. Intern soll es zudem gespaltene Meinungen über Ricken geben, dem einige fehlendes Durchsetzungsvermögen und mangelnde Aura vorwerfen.
Wenn auf oberster Ebene so große Zweifel und fehlendes Vertrauen zu vernehmen sind, kann das eigentlich kaum auf Dauer gut gehen. Letztlich leiden vor allem die sportlichen Leistungen darunter, wenn in der Klub-Führung nicht alle an einem Strang ziehen.
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Schwaches Transferfenster gefährdet Saisonziele
Vor allem Sebastian Kehl hätte mit einer guten Sommer-Transferphase 2025 einiges an Vertrauen gewinnen können. Während immerhin Jamie Gittens für viel Geld verkauft werden konnte, erwiesen sich die Neuzugänge allesamt nicht als Glückstreffer.
Fabio Silva ist unzufrieden mit seiner Einsatzzeit und könnte laut Medienberichten bereits im Winter die Flucht ergreifen.
Nicht viel besser läuft es bislang auch für Jobe Bellingham, der überwiegend auf der Bank sitzt und in der Hinserie mehr unglückliche als gewinnbringende Szenen verzeichnen konnte.
Der im Sommer fest verpflichtete Carney Chukwuemeka ist ebenfalls kein klarer Leistungsträger und pendelt zwischen Startelf und Bank.
Leihspieler Aaron Anselmino präsentiert sich zwar nicht schlecht, jedoch soll schon klar sein, dass Chelsea den Abwehr-Youngster im Sommer zurückholt. Kehl kündigte zwar ein Telefonat mit den Blues an, hatte dabei aber wohl eher keinen Erfolg.
Unter dem Strich hat keiner der Neuzugänge bis jetzt einen klaren Mehrwert bieten können, was die Ziele des Klubs in Gefahr bringt und Kehl schwächt. Dabei hatte dieser den Machtkampf gegen Sven Mislintat (bis Februar Leiter der Scouting-Abteilung, jetzt Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf) gewonnen. Ein weiterer Punkt, der laut "Sky" intern viele verwundert haben soll.
Die "gute" Bilanz trügt ein wenig
Zwar sind elf Punkte aus sechs Champions-League-Spielen und 29 Zähler aus 14 Bundesliga-Matches eine gute Ausbeute, jedoch stellt sich ein wenig die Frage, was sich der BVB davon kaufen kann.
In der Champions League geht es noch zu Tottenham Hotspur und gegen Inter Mailand. Ein schweres Restprogramm, bei dem man jetzt nicht zwangsläufig annehmen würde, dass der Sprung unter die Top 8 gelingt. Letztlich wird sich der Klub wohl durch die Playoffs kämpfen müssen, wo dann auch Teams wie der FC Barcelona oder der eine oder andere Insel-Klub als Gegner infrage kämen.
In der Bundesliga liegt Dortmund nur ein Tor hinter Platz zwei, aber eben neun Punkte hinter dem übermächtigen FC Bayern. Die Meisterschaft ist erneut kein realistisches Ziel. Gleiches gilt im Endeffekt auch für die Champions League.
Durchaus realistisch wäre der DFB-Pokal-Triumph gewesen. Wie gesagt: wäre! Nach der Niederlage gegen Leverkusen ist dieser Traum ausgeträumt. Schon im Dezember muss man folgerichtig konstatieren, dass Dortmund mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder keinen Titel gewinnt.
Hierfür fehlt es letztlich dann doch wieder an der nötigen Klasse. Spiele gegen Top-Gegner wie Leverkusen im Pokal, Bayern in der Bundesliga und Manchester City in der Champions League gingen allesamt verloren.
Gerade ehrgeizigen Charakteren wie Schlotterbeck und Sammer ist das zu wenig, weil sie die Lücke zu den Top-Klubs unbedingt schließen möchten. Offenbar haben sie aber nicht das Gefühl, dass sie wirklich gehört werden. Schlimmer noch: Sie scheinen zu spüren, dass Dortmund zu sehr eine Wohlfühloase ist.
Kovac entfacht keine Begeisterung
Dabei hat der BVB mit Niko Kovac eigentlich einen Coach, der harte Arbeit und Disziplin predigt und vorlebt. So richtig gelingt es aber dem Team nicht, den Idealen des Trainers gerecht zu werden.
Man denke nur an verschiedenste Disziplinlosigkeiten, wie beispielsweise den Waffen-Eklat um Karim Adeyemi oder an Guirassy, der schon mehrmals negativ auffiel. Unter anderem verweigerte der Stürmer Kovac beim 2:1-Sieg gegen Leverkusen den Handschlag.
Zwar wird Kovac in der Klubführung respektiert, jedoch gerade von den Fans weiterhin nicht geliebt. Schon vor Beginn der Zusammenarbeit war eigentlich klar, dass es der Kroate im leidenschaftlichen und emotionalen Umfeld der Borussia nicht leicht haben würde.
Kovac steht mehr für Ergebnisfußball als auf Spektakel und ist keiner, der dafür sorgt, dass seine Teams fußballerisch die feine Klinge auspacken. Mit 24 Treffern stellt der BVB nur die siebtgefährlichste Mannschaft der Bundesliga. Zum Vergleich: Bayern durfte mit 51 Toren mehr als doppelt so oft jubeln.
Mit 167 Schüssen in der laufenden Saison liegt der BVB lediglich auf dem elften Platz. Auch das zeigt, dass der BVB nicht wirklich attraktiv spielt.
Viele bringen das auch mit dem von Kovac favorisierten 3-4-2-1-System in Verbindung, für das der BVB nicht die optimalen Spielertypen hat.
Auch wenn die Ergebnisse stimmen und Kovac den Klub in stabile Bahnen gelenkt hat, machen die BVB-Auftritte die Anhänger zu selten glücklich.
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Fazit:
Das aktuelle Stimmungstief hat vielseitige Gründe. Ausschlaggebend sind wohl die vielen verspielten Führungen und die fehlende Aussicht auf einen Titel in dieser Saison. Zudem sorgen Reibereien zwischen den Stars für Unruhe in der Kabine, während es in der Führungsebene an gegenseitigem Vertrauen und Rückhalt fehlt.
Nicht alle scheinen die gleichen Vorstellungen zu haben, was die Zielsetzungen im Klub angeht. Auch die Unsicherheiten bezüglich der Zukunft von Nico Schlotterbeck und Serhou Guirassy sorgen keinesfalls für eine bessere Stimmung.