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Borussia Dortmund vs. FC Bayern München: Wird der Klassiker zum Standard-Tanz?
- Veröffentlicht: 28.02.2026
- 09:13 Uhr
- Justin Kraft
Borussia Dortmund und der FC Bayern München treffen in der Bundesliga aufeinander. Diese vier Dinge könnten das Duell entscheiden.
Für Borussia Dortmund ist es die letzte Chance, noch mal etwas Druck auf den FC Bayern München in der Bundesliga aufzubauen. Der Rekordmeister hingegen kann entspannter in das Topspiel am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker) gehen. Selbst bei einer Niederlage wären es noch fünf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten.
Die Meisterschaft scheint entschieden zu sein. Und doch wird das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenklubs wieder die Aufmerksamkeit ganz Fußball-Deutschlands auf sich ziehen.
Es treffen zwei Teams aufeinander, die ganz unterschiedliche Philosophien vertreten und die sich mit ihren Stärken jeweils gegenseitig richtig wehtun können. Schon im Hinspiel war das zu sehen, als der BVB im ersten Durchgang chancenlos war, in der zweiten Halbzeit dann aber die Kontrolle übernahm, letztlich aber mit 1:2 verlor.
Für beide Mannschaften war diese Erfahrung lehrreich. ran hat vier Aspekte aufgeschrieben, die das Topspiel entscheiden könnten – darunter eine neue Stärke der Dortmunder, die perfekt zu einer Schwäche des FC Bayern passt.
Wie mutig agiert der BVB im Pressing?
Doch erst mal zu einem Teil des Spiels, bei dem der BVB über sich hinauswachsen muss. Dortmund spielt gegen kleinere Teams gern mal ein hohes Pressing. Gegen stärkere Mannschaften fällt das den Schwarz-Gelben oft schwer. Es gibt eine Statistik, die misst, wie viele Pässe ein Gegner im Spielaufbau spielen darf, bis eine Defensivaktion erfolgt.
Bei "Wyscout" werden nur Pässe in den ersten 60 Prozent des Spielfelds aus Sicht des Gegners gemessen. Bedeutet also: Ist der Wert beim BVB niedrig, deutet das darauf hin, dass die Mannschaft sehr aggressiv in die Zweikämpfe geht und das Aufbauspiel früh unterbindet.
Im Hinspiel lag der Wert in der schwachen ersten Halbzeit gegen den FC Bayern bei 25. Zum Vergleich: Der Saisonschnitt der Borussia in allen Wettbewerben liegt bei knapp elf. In der zweiten Halbzeit liefen die Dortmunder viel mutiger an und störten die Münchner alle 5,5 Pässe in ihrem Aufbauspiel.
Dabei gelang es ihnen, zehn Bälle im eigenen Angriffsdrittel zu erobern. Im gesamten Spiel waren es zwölf.
Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Bayern im Aufbauspiel nicht fehlerfrei sind. Der vieldiskutierte Pass von Joshua Kimmich auf Min-jae Kim gegen Frankfurt ist ein gutes Beispiel dafür. Und auch Dortmund hat im Hinspiel gelernt, dass Mut gegen die Münchner belohnt werden kann. Am Ende wäre ein Punkt nicht unverdient gewesen.
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Borussia Dortmund ist defensiv anfälliger, als es wirkt
Dass der FC Bayern andersherum druckvoll nach vorn spielen und hoch pressen wird, steht wiederum außer Frage. Und für den BVB könnte das eine große Herausforderung werden. Die Personalprobleme haben zuletzt ihren Tribut gezollt.
Auch wenn Emre Can und Nico Schlotterbeck zurück sind, ist die Form der beiden fraglich. Trainer Niko Kovac wird wahrscheinlich auf Ramy Bensebaini und Waldemar Anton setzen. Schlotterbeck dürfte es ebenfalls in die Startelf schaffen.
Eigentlich gilt die Abwehr als Prunkstück unter Kovac. Die vergangenen Partien haben aber klare Schwächen offenbart. Gerade Anton zeigte große Probleme, wenn er mit Tempo von wendigen und dribbelstarken Spielern angelaufen wurde. Er ließ sich häufig aus seiner Position ziehen und wurde dann überspielt.
Seine Zweikampfquote ist mit rund 70 Prozent zwar gut, aber das Problem sind auch nicht die Situationen, in denen er in den Zweikampf kommt. Vielmehr sind es die, in denen er quasi überlaufen wird. Auch die restliche BVB-Defensive war zuletzt nicht immer so sattelfest, wie sie wirkte.
Im Hinspiel gegen Atalanta und gegen Mainz spielte Dortmund zwar zu Null, aber beide Gegner hatten ihre Möglichkeiten, um den Weg ins Spiel zu finden. Die Bayern-Offensive wird ein echter Stresstest für den Tabellenzweiten.
FC Bayern anfällig bei Flanken
Aber auch andersherum kann der BVB zu einem Stresstest für die Bayern werden. Auch wenn die Münchner insgesamt weniger Chancen und Gegentore zulassen als die meisten anderen Teams in Europa, so haben sie ihre Schwächen.
Vor allem die Außenverteidigerpositionen waren zuletzt verwundbar. Mit dem Ausfall von Alphonso Davies und dem noch unklaren Fitnesszustand von Konrad Laimer hat Trainer Vincent Kompany echte Personalprobleme. Josip Stanisic machte seine Sache zuletzt gut.
Hiroki Ito hingegen war ein echtes Defensivrisiko und vor allem mit dem Tempo seiner Gegenspieler überfordert - nun fällt er länger aus. Dortmunds starke Seite ist die rechte, und die Schwarz-Gelben sind stark bei Flanken. Kompany könnte hier gezwungen sein, abermals umzustellen. Ist Laimer fit, könnte er auch links verteidigen. Oder Stanisic rückt auf diese Seite.
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Standardsituationen könnten das Spiel entscheiden
Positiv für die Bayern ist derweil, dass Julian Ryerson mit seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Der Norweger avancierte zuletzt zum besten Assistgeber der Dortmunder. Vor allem seine Flanken, Ecken und Freistöße aus dem Halbfeld sind eine echte Waffe, die der BVB gegen Bayern gebraucht hätte.
Denn Standardsituationen sind eine Achillesferse der Münchner. Zehn ihrer bisher 21 Gegentore in der Bundesliga kassierten sie nach ruhenden Bällen – nur zwei davon waren Elfmeter.
Besonders anfällig sind sie bei Ecken und bei Freistößen aus dem Halbfeld. Rund ein Drittel aller Ecken der Gegner führte in dieser Saison laut "Wyscout" zu einem Abschluss, bei Freistößen sind es sogar fast 43 Prozent. Eine extrem hohe Quote im europäischen Vergleich. Normal sind Werte zwischen 15 und 30 Prozent.
Bayern lässt sich hier zu oft von kreuzenden Laufwegen oder Blockverhalten der Gegner überrumpeln. Bei Freistößen vom Flügel ist das besonders auffällig. Nahezu jeder hohe Ball von außen wird irgendwie gefährlich. Es grenzt an ein Wunder, dass die Bayern in der Liga erst einen Treffer nach Freistößen kassiert haben.
Das ist womöglich die größte Chance des BVB. Anfang Januar trennten sich die Dortmunder von ihrem Standardtrainer Alex Clapham. In den acht Bundesliga-Partien des neuen Jahres erzielten sie bereits elf Standardtore. Inwiefern der Ausfall von Ryerson hier eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten. Yan Couto und auch die restlichen Alternativen sind zumindest andere Spielertypen.
Und auch der Blick auf die andere Seite lohnt: Denn die Bayern erzielten in dieser Saison schon 14 Tore aus Standards (Elfmeter ausgeklammert). Nur eines weniger als die Dortmunder – beide bilden damit auch in dieser Statistik das Top-Duo. Gut möglich, dass der Klassiker also zum Standard-Tanz wird.