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Borussia Mönchengladbach - Rouven Schröder im ran-Interview: "Schlotterbeck-Aussage spricht für Gier nach Erfolg"
- Aktualisiert: 19.12.2025
- 00:15 Uhr
- Kai Esser
Borussia Mönchengladachs Sportchef Rouven Schröder zieht im ran-Interview erste Bilanz nach knapp 60 Tagen im Amt, blickt auf die Transferphase und das anstehende BVB-Spiel voraus.
Von Kai Esser
Zum Jahresabschluss wird es in der Bundesliga noch mal richtig heiß.
Am Freitagabend empfängt Borussia Dortmund im Signal-Iduna-Park den Rivalen Borussia Mönchengladbach um 20:30 Uhr (live in SAT.1 und im Joyn-Livestream).
Trotz der Niederlage zuletzt zuhause gegen Wolfsburg (1:3) ging es bei den Gladbachern in den zurückliegenden Wochen sportlich sichtlich bergauf.
Nun sprach Gladbachs neuer Sportchef Rouven Schröder im ran-Interview unter anderem über seine bisherige Amtszeit bei den "Fohlen", das anstehende Duell beim BVB, die Aussage von Dortmunds Star Nico Schlotterbeck zuletzt und die darauffolgende Winter-Transferperiode.
ran: Herr Schröder, Sie sind seit knapp neun Wochen mittlerweile bei Borussia Mönchengladbach. Wie war Ihr Start?
Rouven Schröder: Es sind genau 62 Tage! Ich habe gestern noch nachgerechnet, weil man gerne nach 100 Tagen das erste Fazit zieht. Persönlich war der Start auf jeden Fall sehr gut. Ich habe mich relativ schnell sehr wohl gefühlt, weil die Menschen es einem auch leicht gemacht haben. Ich habe natürlich auch schon in der Bundesliga gearbeitet, wodurch ich die Abläufe rund um den Spieltag zum Beispiel grundsätzlich schon kannte. Aber ich habe auch den Klub selbst schnell gut kennengelernt, mit seinen vielen motivierten Mitarbeitern, die alle an einem Strang ziehen. Sportlich war der Start mit nur drei Punkten aus den ersten acht Saisonspielen nicht leicht. Inzwischen haben wir aber sukzessive eine gute Richtung eingeschlagen.
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ran: Sie haben es schon angesprochen, Sie haben schon in der Bundesliga gearbeitet. Wie unterscheidet sich die Borussia von Schalke, Mainz und Bremen, Ihren früheren Stationen?
Schröder: Das ist schwierig zu vergleichen. Das ist ungefähr so, wie wenn ein neuer Trainer zu einem Verein kommt und der soll dann den Unterschied zum alten Trainer beschreiben und artikulieren. Jeder Klub ist ja für sich tragend. Werder, Schalke und auch Gladbach sind natürlich große Traditionsklubs, mit einer tollen Fanbase und gleichzeitig mit Ambitionen. Die Strukturen sind oftmals ähnlich: Man hat viele motivierte Mitarbeiter, ein familiäres Gefühl. Aber man sollte es nicht vergleichen. Jeder Verein ist anders, das sollte man auch genauso nehmen.
ran: Letztes Wochenende ausgeklammert (1:3 gegen den VfL Wolfsburg) geht es seit November richtig bergauf bei Ihnen in Gladbach. Wie hat Eugen Polanski die Mannschaft angepackt, seitdem er da ist?
Schröder: Man muss fairerweise sagen, ich habe Gerardo Seoane nicht persönlich erleben können. Von daher kann ich nichts dazu sagen, was Eugen im Vergleich zu seinem Vorgänger verändert hat. Für mich war Eugen von Anfang an relativ klar, sehr authentisch, sehr professionell. Er hat den Spielern eine klare Handschrift verliehen, auch erstmal defensiv kompakt zu stehen, zu arbeiten, gegen den Ball aktiv zu sein. Eugen hat ihnen vermittelt, es auch wertzuschätzen, gegen den Ball arbeiten zu dürfen und dann gleichzeitig aber auch, was Borussia auch ausmachen soll, schnell in die Tiefe zu kommen und zu kontern. Dazu fordert er Mut im Ballbesitz und Kreativität.
ran: Wie geht Polanski mit der Mannschaft um?
Schröder: Er hat den Spielern das Selbstvertrauen zurückgegeben und ihnen vermittelt: A: Was Borussia für ein Klub ist und B: 'Ihr seid gute Fußballer. Lasst das Herz auf dem Platz.' Das sind manchmal relativ einfach wirkende Worte, aber das People Management ist für uns alle ganz, ganz wichtig hier bei diesem Verein. Wir wollen die Jungs jeden Tag mit Input bespielen, mit ihnen kommunizieren, ihnen ein gutes Gefühl geben und dann natürlich versuchen, sie auf dem Feld maximal zu pushen und auch ein klares Feedback zu geben.
ran: Jetzt haben sie das Spiel gegen Dortmund vor der Brust. Die hatten einen sehr guten Herbst, zuletzt aber ein bisschen ins Stocken geraten. Nico Schlotterbeck hat da auch mal verbal auf den Tisch gehauen. Kommt das Auswärtsspiel beim BVB zur rechten Zeit?
Schröder: Wenn ich das jetzt mit 'Ja' beantworte, dann hätten Sie natürlich eine schöne Überschrift (lacht). Aber im Ernst: Wir schauen komplett auf uns. Wir haben unsere Aufgaben und unsere eigenen Themen. Allerdings: Freitagabends, 20:30 Uhr, Live-Spiel, Borussia Dortmund, Flutlicht, Westfalenstadion. Ich glaube, da gibt es viele Argumente für ein richtig gutes Heimspiel für Borussia Dortmund. Der BVB ist eine absolute Top-Mannschaft der Liga mit riesigen Erwartungen und tollen Spielern, trotz personeller Ausfälle.
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ran: Also ist das ein 'Nein'?
Schröder: Wir sind sehr gut beraten, einfach die Gedanken bei uns zu halten. Alles andere können wir nicht beeinflussen. Borussia Dortmund wird maximal motiviert sein. Auch dass sich Nico Schlotterbeck so äußert, spricht ja einfach nur für diese Gier nach Erfolg. Das ist, denke ich, aus Sicht des BVB ausschließlich positiv zu sehen. Davon unabhängig fokussieren wir uns auf uns und fahren natürlich, das ist ja auch klar, nach Dortmund, um etwas zu holen.
ran: Dann reden wir doch gerne über Ihr Personal. Tim Kleindienst fehlt schon nahezu die ganze Hinrunde. Der hat Ihrer Mannschaft gerade am Anfang sehr gefehlt, zuletzt hat sie sich dann stabilisiert. Wie ist die Lage bei ihm? Gibt es da irgendeine Prognose?
Schröder: Wir haben Anfang der Woche die Nachricht bekommen, dass er uns leider jetzt noch ein bisschen fehlen wird. Zum Glück nicht längerfristig, aber er wird noch eine Zeit lang ausfallen. Wir hoffen natürlich, dass er im Laufe des Januars dann wieder zurückkehrt. Trotzdem ist es natürlich doppelt bitter, wenn du dich rankämpfst und dann nochmal einen kleinen Rückschlag erleidest. Sein Ausfall ist es für uns alle bitter. Tim, da brauchen wir nicht drum herumreden, ist eins unserer Aushängeschilder im Klub und innerhalb der Mannschaft. Er genießt hohe Anerkennung, ist Nationalspieler, zieht die Jungs mit, ist ein absoluter Leader.
ran: Wie ist die Stimmung im Hause Kleindienst?
Schröder: Er bleibt positiv. Ich habe ihn gerade auch wieder in der Kabine gesehen, er hat schon wieder seinen alten Humor wiedergefunden, seine alte Lautstärke in der Stimme. Wir freuen uns alle darauf, dass er hoffentlich im Januar wieder zurückkehrt.
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ran: Eine weitere Planstelle, die in mittelfristiger Zukunft Handlungsbedarf hat, ist Torhüter. Sie haben Moritz Nicolas, Jonas Omlin, Tiago Pereira Cardoso und den ausgeliehenen Jan Olschowsky gibt es auch noch. Wie sind da Ihre Pläne?
Schröder: Da sind wir relativ entspannt, weil Leistungen auch einfach für sich sprechen. Moritz Nicolas ist unsere Nummer 1 und macht es richtig gut. Jonas Omlin hat sich wieder rangekämpft. Er hat natürlich auch einen höheren Anspruch hat, als die Nummer 2 zu sein. Aber dieser interne Konkurrenzkampf ist genau das, was wir brauchen. In Bezug auf mögliche Transfers wird es jetzt auch Richtung Januar wieder spannend: Wie verändern sich Dinge, was kann passieren, ist da ein Stein, der ins Rollen kommt. Das wird im Januar wieder Schlag auf Schlag gehen. Ich bin da aber trotzdem relativ entspannt, weil die Dinge sind mit den Verträgen erstmal klar festgezurrt. Wir werden für alles Lösungen haben, aber grundsätzlich sind wir im Hinblick auf die Transferperiode im Januar relativ entspannt.
ran: Sie sagen, Sie sind entspannt Richtung Januar-Transferperiode. Was haben Sie da für Pläne? Wo sehen Sie in der Mannschaft Handlungsbedarf, wenn überhaupt? Oder sagen Sie, Sie lassen das auf sich zukommen und wenn sich eine Möglichkeit ergibt, dann schlagen Sie zu?
Schröder: 'Entspannt' heißt nicht, dass man nichts macht. Wir sind natürlich maximal motiviert und arbeiten hart im Team. Wir sammeln stetig Ideen. Entspannt heißt für mich, dass wir hoffentlich dann auch auf alles vorbereitet sind, was passiert. Wir haben bereits gesagt, dass wir uns für die Defensive umschauen. Es muss natürlich trotzdem auch passen für uns finanziell, weil wir da nicht auf Rosen gebettet sind. Das weiß auch jeder, was auch gar kein Klagen ist, sondern es ist Fakt. Dementsprechend müssen wir jeden Transfer gut abwägen. Das Profil muss 100 Prozent zur Mannschaft passen. Wir wollen sicherlich auch den Kader nochmal feinjustieren, aber auch da sind wir nicht alleine auf der Welt.
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ran: Ist diese Transferperiode möglicherweise anders als Andere?
Schröder: Im Sommer ist die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Da werden einige Spieler nochmal auf den Markt kommen, die sich empfehlen möchten. Der Januar ist prägnant. Der Sommer hat immer mehrere Höhen und Tiefen, weil er so langgezogen ist. Das sind alles Parameter, die da mit reinspielen. Grundsätzlich freue ich mich auf den Januar, weil der mit vier Wochen sehr kurz und intensiv ist.