DFL-Klubs kochen ihre eigene Suppe
Bundesliga: U21-Liga geht auf Kosten der kleineren Klubs! Ein Kommentar
- Veröffentlicht: 04.03.2026
- 14:11 Uhr
- Kai Esser
Die 36 Klubs der 1. und 2. Bundesliga haben eine neue U21-Nachwuchsliga gegründet. Was erst wie die Lösung aller Probleme klingt, schafft nur noch mehr davon und tritt zusätzlich allen Klubs ab der 3. Liga auf die Füße.
Von Kai Esser
Man könnte meinen, dass die DFL mit ihrem letzten Beschluss einen kleinen Traum vieler Fußballfans erfüllt hat.
Die U21-Liga kommt in Deutschland. Die 36 Profi-Klubs der 1. und 2. Liga können jeweils eine eigene Mannschaft schicken, die Teilnahme ist freiwillig. Doch die Hiobsbotschaft folgt sogleich: Zweitvertretungen sollen weiter im Ligabetrieb der Herren mitspielen.
Damit stößt die Liga nicht nur den kleineren Klubs vor den Köpf, sie kreiert damit schlichtweg mehr Probleme als sie löst. Und denkt dabei vor allem an sich selbst.
U21-Liga: Bundesliga-Klubs ignorieren 3. Liga und Amateure komplett
Seit jeher gibt es Beschwerden, Ängste, regelrechtes Anflehen von Klubs aus der 3. Liga und darunter, dass es doch bitte eine eigene Liga für Zweitvertretungen, im Regelfall U23- oder U21-Teams, geben solle.
Nun gibt es sie und statt Beruhigung im Lager der Dritt- und Viertligisten gibt es nur noch mehr Entsetzen. Logisch, statt die Zweitvertretungen los zu sein, gibt es nun potentiell doppelt so viele. Und warum? Weil die Profiklubs wieder nur an sich denken.
Angesprochene Hilferufe aus den unteren Etagen sind durchaus valide. Die Klubs kämpfen um jeden Euro, planen finanziell auf Kante und müssen sich dann mit Zweitvertretungen rumschlagen, die naturgemäß beim Heimpublikum mäßig beliebt sind, keine Fans bei Auswärtsspielen mitbringen und aufgrund der hochwertigen fußballerischen Ausbildung der Spieler schwer zu schlagen sind.
Lange wehrten sich die Klubs gegen eine eigene Liga für Jugendmannschaften. Zu teuer sei es, die Talente würden sich nicht an Herrenfußball gewöhnen können und generell sehe man an England, wo es eine U21 Premier League gibt, dass es nicht funktioniere.
Auf einmal funktioniert es doch, nur eben zum eigenen Vorteil. Die U21-Nachwuchsliga ist quasi eine Altersstufe über der ehemaligen A-Jugend, wenn man so will. Eine weitere Möglichkeit, Talente länger als über die A-Jugend hinaus auszubilden, anstatt sie gegebenenfalls in die 3. oder 4. Liga auszuleihen. Man lässt die Klubs dort also nicht nur im Regen stehen, man nimmt ihnen auch noch den Regenschirm weg.
Freilich, für die Profiklubs super, die niederklassigen Vereine schauen nur komplett in die Röhre. Mal wieder. Statt Kompromissbereitschaft werden die nicht einmal gefragt und vor vollendete Tatsachen gestellt.
U23-Teams sorgen für offensichtlich verzerrten Wettbewerb
Dass Zweitvertretungen für ungleichen Wettbewerb sorgen, ist nichts Neues. Jüngstes Beispiel: Der VfB Stuttgart. Beim 3:1 gegen Waldhof Mannheim in der 3. Liga brachten die Stuttgarter Jeremy Arevalo. Der Youngster darf natürlich dort auflaufen, nur bei den Niederlagen der VfB U23 zuvor und danach stand der für die 3. Liga überqualifizierte Angreifer nicht im Kader. Der Waldhof musste also gegen eine deutlich stärkere Mannschaft antreten als ihre Ligakonkurrenten.
"Ich denke schon, dass das Wettbewerbsverzerrung ist", monierte Mannheims Trainer Luc Holtz. Aber was ändert diese Aussage? Er ist genau so machtlos wie seine 19 Amtskollegen in der 3. Liga und mehr als 50 in den Regionalligen.
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Die neu geplante U21-Liga ist also keine Lösung des Problems, sondern die Schaffung von mindestens einem weiteren. Wer pfeift die Spiele? Schiedsrichter wachsen nicht gerade auf Bäumen. Zuschauer? Nicht zugelassen. Welchen Reiz hätte es, diese Spiele anzuschauen? Wer vermarktet sie? Werden sie überhaupt vermarktet? Würde Jeremy Arevalo dort auflaufen können? Alles noch offene Fragen.
Eine Sache ist jedoch unumstritten: Anstatt zusammen mit den Klubs unter der 2. Liga zu arbeiten, kochen die 36 Profiklubs wieder ihre eigene Suppe – und würzen sie einzig und allein nach ihrem Geschmack.