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FC Bayern München: Aderlass oder Werbung für den Campus? Viele Talente verlassen den FCB
- Aktualisiert: 04.02.2026
- 17:54 Uhr
- Justin Kraft
Der Campus ist eines der sensibelsten Themen beim FC Bayern München. In diesem Winter sind zahlreiche Talente gewechselt. Was sind die Hintergründe?
Der FC Bayern München war in diesem Winter sehr aktiv auf dem Transfermarkt. Zwar hat sich beim Profikader nichts getan, dafür aber im Nachwuchsbereich.
Ganze acht Talente haben den Campus verlassen. Darunter Spieler wie Felipe Chavez oder Javier Fernandez, denen in Zukunft viel zugetraut wird. Chavez feierte sogar schon sein Debüt bei den Profis.
Umso spannender ist es, dass der peruanische Nationalspieler bereits im Sommer fest zum 1. FC Köln wechseln könnte, wenn er die Domstädter in den nächsten Monaten überzeugt. Der FC soll laut verschiedenen Medienberichten eine Kaufoption haben.
Bei vielen Fans sorgt das Vorgehen der Bayern zunächst für Irritation. Verlassen hier Top-Talente fluchtartig den Campus, weil sie dort keine Perspektive mehr sehen? Ist das etwa ein Zeichen dafür, dass die Münchner keine gute Arbeit in der Entwicklung von jungen Spielern leisten?
Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall: Das Wintertransferfenster ist ein weiterer Beleg dafür, dass am Nachwuchsleistungszentrum der Bayern einiges richtig läuft. ran hat die Hintergründe zu den Transfers.
Top-Quartett verlässt die Bayern Amateure
Der Impuls, dass hier ein Aderlass stattfindet, ist zunächst nachvollziehbar. Immerhin zählen Jussef Nasrawe, Magnus Dalpiaz, Adin Licina und Felipe Chavez zu den Leistungsträgern der Zweitvertretung in der Regionalliga Bayern. Auch Javier Fernandez ist potenziell jemand, der den Bayern Amateuren enorm weiterhelfen könnte.
Die Schwächung wird zur Folge haben, dass die ohnehin schon durchwachsene Saison noch komplizierter wird. Ein Aufstieg in die 3. Liga ist bereits außer Sichtweite. Allerdings hat man intern in den vergangenen Jahren auch umgesattelt und die Rückkehr in die 3. Liga mehr oder weniger zur Nebensache erklärt.
Die individuelle Förderung von Talenten soll im Fokus stehen. Dafür gibt es verschiedene Perspektiven je nach Leistungsstand: Leihen zu ambitionierten Profiteams, die Zweitvertretung als erster Kontakt mit dem Männerbereich und letztlich auch die Partnervereine Zürich oder Unterhaching sowie alles was mit dem Joint Venture "Red & Gold" zusammenhängt sind die entsprechenden Bausteine dafür.
In der Vergangenheit hat man bei einigen Talenten gelernt, dass ein zu langer Verbleib in der Regionalliga eher schädlich für die Entwicklung sein kann. Deshalb wird es den Talenten ermöglicht, den Sprung in höhere Ligen zu machen, wenn sie für die Profis des FC Bayern noch nicht weit genug sind.
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FC Bayern: Kein hoffnungsvolles Talent endgültig verloren
Für den FCB ist es eine größere Herausforderung, Talente zu integrieren, als bei anderen Bundesligaklubs. Denn der Sprung ist für die Spieler enorm. Man muss in München nicht nur genauso gut sein wie die teuer bezahlten Profis, sondern sogar besser, um eine echte Chance zu bekommen. Und das bereits in sehr jungen Jahren.
Es erklärt sich von selbst, dass die meisten Talente diesen Sprung nicht schaffen. Also muss man am Campus Perspektiven schaffen. Seit einigen Jahren gelingt das mit verschiedenen Modellen – und das aktuelle Wintertransferfenster ist ein weiteres Paradebeispiel.
Chavez beispielsweise war zuletzt so nah dran wie kein anderer der genannten Spieler. Zwar hat der 1. FC Köln eine Kaufoption, aber die Bayern sollen sich wiederum eine Rückkaufklausel gesichert haben. Das schafft Anreize. Wie viele ambitionierte Klubs wären wohl an ihm interessiert, wenn sie keine Chance hätten, ihn etwas länger im eigenen Trikot zu sehen?
In der Bundesliga dürfte kein Verein gerne den Ausbildungsverein für Bayern spielen. Sollte Chavez durchstarten, könnten die Münchner ihn jedoch bald für einen kleinen Aufpreis zurückholen – Geld, das man in dem Fall gern für den guten Ausbildungsweg zahlen würde.
FC Bayern muss an seinen Leihen arbeiten
Die Bayern können so bereits früh sehen, wohin die Reise der Talente geht. Gleichzeitig muss man konstatieren, dass so manche Leihe in den letzten Jahren nicht den gewünschten Ertrag gebracht hat. Manchmal schien die Klubauswahl fragwürdig zu sein, manchmal war es Pech.
Für den Rekordmeister liegt eine Herausforderung darin, dass natürlich mehrere Parteien beteiligt sind und die Spieler nicht immer den Weg gehen, den man sich im Verein wünscht. Trotzdem wird es wichtig sein, die Quote an erfolgreichen Leihen zu erhöhen.
Denn letztlich ist das große Interesse zahlreicher namhafter Klubs an den eigenen Talenten auch Werbung für den Campus. Wenn Vereine wie Juventus Turin (Licina) oder die AC Mailand (Dalpiaz) anklopfen, ist das ein Qualitätsmerkmal. Darüber hinaus zeigt man jungen Spielern am Campus oder jenen, die zukünftig dort spielen, dass man verschiedene Perspektiven anbieten kann.
Die Mär vom gescheiterten jungen Spieler, der sich die Karriere in München verbaut, kann spätestens dann ad-acta gelegt werden, wenn man die Karrierewege von Malik Tillman, Joshua Zirkzee, Paul Wanner oder Arijon Ibrahimovic sieht. Sie alle haben es nicht beim FCB geschafft, sich aber entweder im Profibereich etabliert oder sie haben gute Chancen darauf.
Campus als Einnahmequelle für den FC Bayern
Diese Spieler sind auch gute Beispiele dafür, dass der Campus mit seiner Breite an Talenten eine gute Einnahmequelle für den FC Bayern sein kann. Einige Spieler wurden in den letzten Jahren für zweistellige Millionenbeträge verkauft. Damit finanziert man sich einen Teil der Kaderplanung.
Und trotzdem haben es Spieler wie Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic, Lennart Karl oder Josip Stanisic in den Profikader geschafft – wenn es auch im Einzelfall berechtigte Kritik an den Prozessen dahinter geben kann. So mancher Spieler kam eher zufällig zu seinem Glück – trotz des riesigen Talents.
Hier wird man sich in München verbessern müssen. Die Erfolgsgeschichte von Karl zeigt, dass es sich lohnen kann, natürliche Kaderplätze für junge Spieler zu schaffen. Mit Wisdom Mike, David Santos, Cassiano Kiala und einigen weiteren Talenten gibt es bereits die nächste Generation, die bald vor einer Entscheidung steht, wohin die Reise geht.
Einige werden den FC Bayern verlassen und versuchen, sich woanders durchzusetzen oder sich woanders zu empfehlen – so wie aktuell Jonathan Asp-Jensen oder Noel Aseko, die jeweils bei ihren Leihvereinen starke Leistungen zeigen. Andere werden es vielleicht sogar schaffen, sich direkt einen Kaderplatz in München zu erkämpfen, auch wenn das die Ausnahme bleiben wird.
In jedem Fall kann aber kaum von einem Aderlass die Rede sein, wenn Talente verliehen oder verkauft werden. Eher ist das eine Entwicklung, die zeigt, dass in den vergangenen Jahren an richtigen Stellschrauben gedreht wurde. Es zeigt, dass die Konkurrenz unter den Talenten enorm ist – und für den FC Bayern ist das vor allem positiv.
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