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FC Bayern München: Knifflige Situation mit Mr. Zuverlässig – wie geht es weiter?
- Veröffentlicht: 19.02.2026
- 00:08 Uhr
- Justin Kraft
Konrad Laimer ist beim FC Bayern München in dieser Saison ein sehr wichtiger Spieler – aber ist er so unverzichtbar, dass er in die zweithöchste Gehaltskategorie aufsteigen sollte?
Wer schon mal diverse Fußball-Manager-Spiele gespielt hat, wird sie kennen: Die berühmte Gehaltspyramide. Oft ist diese in vier oder maximal fünf Kategorien eingeteilt.
Der breite untere Teil verdient am wenigsten. Hier sind die Talente und Wenigspieler verortet. Eine Stufe darüber geht es schon in die regelmäßige Rotation und die Spieler verdienen bereits etwas mehr. Wiederum eine Stufe höher kommen die Stammspieler und ganz oben sind die Schlüsselspieler und Superstars zu Hause.
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Beim FC Bayern München hat man in den letzten Jahren ein Ungleichgewicht festgestellt. Die Spitze der Pyramide wurde etwas zu breit und die Spieler, die in diese Kategorie aufstiegen, haben teilweise nicht die Leistungen erbringen können, die das entsprechende Gehalt rechtfertigen würden.
Zuletzt war Max Eberl damit beschäftigt, mit Leroy Sane oder Thomas Müller Großverdiener abzugeben – und mit Serge Gnabry einen weiteren zumindest etwas nach unten zu verhandeln. Auch Leon Goretzka wird den FCB im Sommer verlassen. Was mit Manuel Neuer passiert, ist derweil unklar.
Deutlich entspannter wird es aber nicht. Dayot Upamecano soll mit seiner Verlängerung in die Top-Kategorie aufgestiegen sein. Laut "Sky" kann der Franzose mit entsprechenden Bonuszahlungen bis zu 20 Millionen Euro brutto verdienen. Wie groß der fixe Anteil des Gehalts ist, ist unklar. Mit Konrad Laimer will ein weiterer Spieler in diese Sphären vorstoßen. Sollte der FC Bayern dieses Spiel mitspielen?
Der FC Bayern muss seine Gehaltsstruktur im Blick haben
Uli Hoeneß hat es mal wieder zu seinem Freizeitsport gemacht, regelmäßig gegen Berater zu feuern. Man wolle häufiger "Nein" sagen und gewisse Agenturen auf eine Art Blacklist setzen. In der Beraterszene nimmt man den Vorstoß eher schmunzelnd wahr. Als "platt" und "heillosen Populismus" bezeichnete Jörg Neblung, der unter anderem Stefan Ortega berät, die Kritik.
Aus Hoeneß spricht vor allem die Sorge, dass die Gehaltsstruktur des FC Bayern nur noch einen Weg kennt: Nach oben. Und genau hier wird Laimer zu einem großen Streitfall. Der Österreicher soll bis zu 15 Millionen Euro Gehalt pro Saison fordern – inklusive Bonuszahlungen.
Mit Alphonso Davies, Harry Kane, Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Jamal Musiala verdienen derzeit fünf Spieler 15 Millionen Euro oder mehr. Michael Olise dürfte in Zukunft ein weiterer Anwärter für diese Kategorie sein. Nur Neuer ist derweil ein Kandidat, der bald wegfallen könnte.
Laimer würde also mindestens an die Schnittstelle zur Topkategorie vorrücken und damit ein Gehalt beziehen, das ihn zu einem der fünf bis sieben wichtigsten Spieler des Teams macht.
Konrad Laimer hat gute Argumente
Und tatsächlich hat die Spielerseite auch gute Argumente dafür. Mit rund neun erfolgreichen Defensivaktionen pro 90 Minuten hat Laimer laut der Scoutingplattform "Wyscout" unter allen Bayern-Spielern die meisten. Dayot Upamecano (acht) und Alphonso Davies (etwas mehr als sieben) folgen. Laimer ist ein herausragender Balljäger und enorm wichtig für das hohe Pressing unter Vincent Kompany.
Fast sieben Balleroberungen hat er pro 90 Minuten, 40 Prozent davon in der gegnerischen Hälfte. Zum Vergleich: Trent Alexander-Arnold (fünf und 42 Prozent), Achraf Hakimi (sechs, 56 Prozent) oder Denzel Dumfries (fünf, 34 Prozent) kommen ebenso wie weitere Top-Außenverteidiger auf weniger.
Wie wichtig der Nationalspieler für das bayerische Pressing ist, hat man in den vergangenen Wochen gesehen. Die Bayern hatten spürbare Probleme auf der rechten Außenbahn, denen Josip Stanisic und andere Alternativen nicht immer gewachsen waren. Laimer ist kein spektakulärer Spieler, aber er gibt dem Team Stabilität und Sicherheit. Er ist ein Spielertyp, der oftmals in der Bedeutung unterschätzt wird. Kein Star mit Spektakel, aber Mr. Zuverlässig.
Gerade weil er so wichtig für das Team ist, ist es verständlich, dass er entsprechend entlohnt werden will. Der FC Bayern muss sich indes eine Frage stellen: Ist Laimer tatsächlich einer der sechs oder sieben wichtigsten Spieler des Kaders?
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Für den FC Bayern wäre eine Verlängerung gut
Defensiv ist er das vermutlich schon. In Ballbesitz hingegen ist seine Rolle schon diskutabler. Einerseits liefert er mit diagonalen Laufwegen und Wucht einen Mehrwert für Michael Olise. Die unermüdlichen Läufe ziehen immer wieder Räume auf, die der Franzose bedribbeln und bespielen kann.
Andererseits ist Laimers Output im Vergleich mit der Weltspitze auf seiner Position allenfalls durchschnittlich. Er ist kein besonders guter Dribbler, nicht mal 40 Prozent seiner Flanken kommen an und auch bei den sogenannten "Deep Completions" kommt er nicht an die Besten heran – das sind erfolgreiche Pässe oder Flanken, die in die Gefahrenzone mit einem Radius von 20 Metern zum gegnerischen Tor gespielt werden.
Laimer hat hier gute 1,2 pro 90 Minuten. Hakimi (1,8) oder etwa Alexander-Arnold (1,5) kommen hier auf mehr. Und das, obwohl Laimer von einem extrem offensiven System profitiert.
Der 28-Jährige funktioniert gut in Kompanys System und er macht mit seiner Lauf- und Leidensbereitschaft seine Mitspieler besser. Es steht außer Frage, dass es gut für den FC Bayern wäre, wenn er verlängert.
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Max Eberl und Co. müssen aufpassen
Aber Laimer ist eben schon 28 Jahre alt und zählt trotz seiner herausragenden Karrierephase nicht zu den Allerbesten auf seiner Position. Ihn dennoch so zu entlohnen, als wäre er das, könnte schwere Folgen für die Bayern haben.
Das Gehaltsgefüge könnte sich innerhalb von zwei oder drei Jahren wieder deutlich nach oben entwickeln. Denn wenn Laimer bis zu 15 Millionen Euro verdient, dauert es nicht lange, bis Olise, Luis Diaz, Aleksandar Pavlovic oder Jonathan Tah auf der Matte stehen und mit Eberl verhandeln wollen.
Sollte Laimer nicht bereit sein, sich von den aktuell kolportierten Vorstellungen abbringen zu lassen, wäre die beste Alternative vielleicht, sich neu aufzustellen. Initial wäre diese Variante wohl teurer. Schließlich würde eine Ablösesumme fällig werden, die die Mehrkosten an Gehalt bei Laimer übersteigen könnte. Perspektivisch aber könnte das Gehaltsgefüge so wieder gesunden.
Gleichzeitig ist auch klar, dass die Probleme, die der FC Bayern hat, absolute Luxusprobleme sind. Das Verhältnis von Personalkosten zu Umsatz ist beim Rekordmeister auch im internationalen Vergleich sehr gesund und liegt meist bei knapp über 50 Prozent.
Der Klub hätte also sogar noch Luft nach oben, wenn er das wollte. Er kann sich diese Gehälter leisten. Die große Frage ist eben, für wen man sie zahlt. In der Vergangenheit sind einige Spieler mit hoch dotierten Verträgen ausgestattet worden, die nicht die entsprechende Leistung erbracht haben.
Laimer steht nun kaum im Verdacht, keine Leistung zu bringen. Aber es gibt dennoch einige Argumente, die gegen eine derart saftige Verlängerung sprechen. Denn anders als in einem der Fußball-Manager-Spiele lassen sich Fehlentwicklungen in der Hierarchie in der echten Welt deutlich schwerer korrigieren.