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FC Bayern München: Leon Goretzka mit Freifahrtschein für die WM? So untermauert er die Nagelsmann-Aussagen
- Veröffentlicht: 06.03.2026
- 23:50 Uhr
- Justin Kraft
Leon Goretzka zeigt nach dem Nagelsmann-Interview eine starke Leistung für den FC Bayern – und liefert Argumente für eine wichtige WM-Rolle.
Von Justin Kraft
Bereits nach rund zehn Minuten hätte die Partie gegen Borussia Mönchengladbach für den FC Bayern München entschieden sein können. Entscheidenden Anteil daran hatte Leon Goretzka.
Der 31-Jährige spielte einen Steckpass in den Strafraum, bei dem viele Fans vermutet hätten, dass er von Jamal Musiala oder Joshua Kimmich kam. Aber nein, Goretzka schickte Lennart Karl frei vor das Gladbacher Tor.
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Und der 18-Jährige vollendete sehenswert. Das einzige Problem: Karl stand knapp im Abseits. Das Tor zählte nicht. Für Goretzka offenbar der Ansporn, es nochmal zu tun – und diesmal sogar noch komplexer.
Wieder bekam er am gegnerischen Sechzehner den Ball und wieder fand er einen Mitspieler in guter Abschlussposition. Allerdings nicht mit einem flachen Steckpass, sondern einem gefühlvollen Chipball auf Luis Diaz.
Der Kolumbianer nahm den Ball direkt und traf zum wichtigen 1:0 in einem Spiel, das bis dahin zäh zu werden drohte. Erst kürzlich hatte Julian Nagelsmann dem "kicker" ein Interview gegeben, in dem er bekräftigte, warum Goretzka gute Karten auf die WM habe. Seine Leistung gegen Gladbach wirkte vor diesem Hintergrund so, als wollte der gebürtige Bochumer die Aussagen nochmal dick unterstreichen.
Leon Goretzka bleibt fokussiert: "Sehe das nicht als Freifahrtschein"
"Ich sehe das nicht, wie einige das jetzt interpretiert haben, als Freifahrtschein", sagte Goretzka am Freitagabend bei "Sky". Er wolle das Vertrauen zurückzahlen und wisse um die mittlerweile wieder gute Beziehung zum Bundestrainer.
Der wiederum hatte betont, dass der Mittelfeldspieler "gute Chancen" auf die WM habe. Grund dafür sei seine Gefahr, die er am gegnerischen Strafraum ausstrahle. Wie er nun auch wieder gegen Gladbach bewiesen hat.
Goretzka war so auffällig und dominant wie schon lange nicht mehr im Mittelfeldzentrum. Dabei war er viel zwischen den Linien des Gegners unterwegs, also etwas offensiver als Partner Joshua Kimmich. 110 Ballkontakte hatte der ehemalige Schalker laut "Fotmob", 93 seiner 98 Pässe kamen an. Drei herausgespielte Chancen (ohne die Karl-Abseitsszene) und eine eigene Großchance bekräftigen seine starke Offensivleistung.
Trennung vom FC Bayern als Befreiung?
Goretzka wirkte befreit. Er habe seinen Startelfeinsatz genießen wollen, sagte er hinterher. Der feststehende Wechsel im Sommer und das Vertrauen von Nagelsmann scheinen ihm gut zu tun.
Vor der Winterpause wirkte Bayerns Nummer acht oftmals verkopft und teilweise sogar abwesend. Wenn er auf dem Feld stand, wirkte das Aufbauspiel der Münchner träge. Auch deshalb dürfte letztlich die Entscheidung so ausgefallen sein, wie sie eben ausfiel.
Entsprechend kamen die Aussagen von Nagelsmann unter der Woche nicht überall in Deutschland gut an. Beim DFB-Team stand Goretzka in der Vergangenheit ebenfalls in der Kritik. Andere Optionen sind jünger, spielstärker, pressingresistenter. Dass er dennoch den Großteil der Spiele zuletzt von Anfang an absolvierte, stieß teilweise auf Kritik.
Nun also diese Aussage vom Bundestrainer, der im vergangenen Sommer noch betonte, wie wichtig ihm Spielzeit bei seinen Nationalspielern sei. Goretzka saß in den letzten Wochen häufig auf der Bank.
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Julian Nagelsmann und die Mär vom "Leistungsprinzip"
Allerdings ist der Bayern-Star eben auch das perfekte Beispiel dafür, warum der Begriff "Leistungsprinzip" überstrapaziert ist. Ein Bundestrainer sucht nicht nach den 26 Spielern, die am meisten Minuten haben. Er sucht auch nicht nach den 26 individuell besten Spielern.
Es gab eine Zeit, in der Union Berlin international spielte und Stimmen laut wurden, dass mehr Spieler des FCU in der Nationalmannschaft spielen müssten. Doch als Trainer einer Nationalmannschaft muss man auch die Rollen innerhalb der Mannschaft im Blick haben. Es gibt Spieler, die formstark sind, aber nicht perfekt ins taktische System passen.
Warum einen herausragenden Abräumer aufstellen, der im Passspiel Schwächen hat, wenn man viel Ballbesitz erwartet? Bei Goretzka dürfte der wichtigste Beweggrund für das Vertrauen sein, dass er ein Spielertyp ist, den es so in Deutschland sonst nicht gibt.
Ist er in Topform, kann er nicht nur gegen den Ball den Unterschied machen, sondern auch in Ballbesitz eine gute Rolle spielen – wenn ihm wie gegen Gladbach die offensiven Freiheiten gewährt werden.
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DFB-Team: Braucht Goretzka wieder eine offensivere Rolle?
Beim DFB-Team spielte Goretzka zuletzt eher in einer tieferen Rolle, die ihm weniger liegt. Vielleicht wird sich das mit Blick auf die WM noch ändern. Vielleicht muss sich das mit Blick auf die WM sogar ändern.
Gegen Gladbach wirkte Goretzka erstmals wieder wie der Spieler, der einst in Deutschland unumstritten war. Dynamisch, lauf- und passstark und vor allem torgefährlich.
Die Konkurrenz beim DFB-Team ist enorm. Von Aleksandar Pavlovic über Angelo Stiller, Felix Nmecha und sogar Robert Andrich hat Nagelsmann viele sehr unterschiedliche Optionen. Viele davon in Ballbesitz besser, wenn es um den Spielaufbau geht.
Für sein temporeiches und vertikales Spiel ist die Tiefe, die Goretzka anbieten kann, ein wichtiges Element. Wenn er denn die Freiheit bekommt, so weit vorn aufzutauchen.
Und trotzdem wird er beim FC Bayern Bestätigung liefern müssen. Stammspieler ist er in München nicht mehr. Umso wichtiger ist es für Goretzka, dass er immer wieder Leistungen wie jetzt gegen Gladbach zeigt.
Leistungen, mit denen er sich nicht nur das Vertrauen von Nagelsmann, sondern auch das der über 80 Millionen Bundestrainer sukzessive zurückverdienen will.