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FC Bayern München: Wiesinger, Weinzierl und Co. – die Hintergründe zur Neuaufstellung des Campus
- Aktualisiert: 31.01.2026
- 14:45 Uhr
- Justin Kraft
Der FC Bayern München hat Michael Wiesinger verpflichtet. Am Campus des Rekordmeisters hat das Stühlerücken begonnen. Was sind die Hintergründe der Veränderungen?
Der Campus des FC Bayern München erlebt eine große Umstrukturierung. Für manchen Beobachter kommt das überraschend. Schließlich scheinen nicht nur Lennart Karl, sondern auch weitere Talente gerade auf dem Sprung zu sein.
Unter anderem Markus Weinzierl wird von dem Umbau am Nachwuchsleistungszentrum betroffen sein. Seit 2024 ist der ehemalige Bundesliga-Trainer als Sportlicher Leiter am Campus aktiv. Sein Vertrag, der im Sommer ausläuft, wurde noch nicht verlängert.
"Zu seiner Zukunft werden Gespräche geführt", hieß es in einer aktuellen Mitteilung zur Verpflichtung von Michael Wiesinger. Dieser wird neuer Sportlicher Leiter.
Wiesinger war vorher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim 1. FC Nürnberg. "Wir planen für immer mehr Spieler erfolgreich ihre Schritte in den Profifußball. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir mit Michael Wiesinger einen erfahrenen Nachwuchs-Manager dazugewonnen. Michael hat in Nürnberg über viele Jahre einen erfolgreichen Job gemacht und wir sind überzeugt, dass wir mit ihm für die Herausforderungen in der Zukunft noch besser aufgestellt sein werden als jetzt schon", sagte Jochen Sauer, "Direktor Nachwuchsentwicklung" beim FCB. Wiesinger beginnt beim FC Bayern am 1. Mai.
Die Position von Sauer ist noch nicht ganz geklärt. Seit 2017 ist der 53-Jährige beim FCB tätig. Gemunkelt wird im Umfeld des Campus darüber, dass Sauer Kompetenzen an Wiesinger abgeben könnte. Schließlich ist der ehemalige Salzburger auch Geschäftsführer von Bayerns Joint Venture "Red & Gold".
Und auch beim Duo Christoph Freund und Max Eberl soll es Veränderungen geben. Bisher kümmerte sich Letzterer hauptverantwortlich um wichtige Personalentscheidungen. Freund soll mehr Macht in der Jugendarbeit bekommen.
"Wir haben uns in den letzten Wochen und Monaten intensivst Gedanken gemacht, wie wir diesen Campus ein Stück weit eben auch verändern können", sagte Sportvorstand Eberl zuletzt auf einer Pressekonferenz.
Namen kommentierten die Bayern noch nicht. Das Stühlerücken zeichnet sich jedoch ab. ran erklärt die Hintergründe.
Markus Weinzierl: Zu wenig Handschrift hinterlassen
Will man die Arbeit von Weinzierl bewerten, reicht nicht der Blick auf die Talente, die es zu den Profis geschafft haben. In vielen Berichten rund um den einstigen Augsburg-Trainer wird hervorgehoben, dass Karl es beispielsweise in die erste Mannschaft geschafft hat.
Korrelation und Kausalität sind jedoch nicht gleich, wie es so schön heißt. Es mag zeitlich in die Argumentation passen, dass der nächste Durchbruch eines Talents in die Verantwortungszeit von Weinzierl fällt, doch beides muss nicht zusammenhängen. Gerade an Karl lässt sich paradoxerweise ein Grundproblem des FC Bayern sehr gut erklären.
Immer wieder beschwerten sich Berater in der Vergangenheit darüber, dass jungen Spielern in München zu wenig Perspektive aufgezeigt werde. Oft wurde von Saison zu Saison gearbeitet, selten wurden echte Planstellen für junge Spieler geschaffen. Karl stand im vergangenen Sommer vor einer Grundsatzentscheidung: Vertrag verlängern oder woanders sein Glück versuchen.
Ein klares Bekenntnis blieb sehr lange aus. Auch weil ihm vom Klub erst sehr spät vermittelt wurde, dass er einen Kaderplatz bekommen würde. Etwas weniger wohlwollend könnte man interpretieren, dass die fehlenden Transfererfolge in der Offensive die Notwendigkeit hervorriefen, das junge Talent zu integrieren. Zumindest steckte da aber kein mittel- oder langfristiger Plan dahinter.
Ob Karl auch dann durchgestartet wäre, wenn Nick Woltemade gekommen wäre? Oder wenn Kingsley Coman kein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien kurz vor Ende des Transferfensters erhalten hätte? Aus der heutigen Perspektive lässt sich vieles anders erzählen. Und doch war Karl lange ein weiteres Beispiel für einen jungen Spieler, dem kein klarer Entwicklungsweg aufgezeigt werden konnte.
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FC Bayern: Weinzierl wurde von Beginn an nicht unkritisch gesehen
Weinzierl trägt dafür natürlich nicht die Hauptverantwortung. Eberl, Sportdirektor Freund und andere Funktionäre sind dort zuerst zu nennen. Wirklich etwas verändern konnte Weinzierl in seiner Amtszeit aber auch nicht.
Im Umfeld des Campus sah man ihn von Beginn an eher kritisch. Denn in seiner Karriere hat Weinzierl zuvor nie im Jugendbereich gearbeitet. Seine Vita gab wenig her, das ihn für einen Job in dieser verantwortungsvollen Position konkret qualifiziert hätte. Eberl soll ihn damals installiert haben.
Interessanterweise wird Eberl häufig vorgeworfen, er betreibe Vetternwirtschaft. Schaut man sich die personellen Neubesetzungen am Campus aber genauer an, muss dabei klar differenziert werden. Für viele Mitarbeiter gab es sehr gute Gründe, sie zu holen, weil sie zuvor Erfolge nachweisen konnten.
Gerade bei Weinzierl erhärtet sich aber der Verdacht, dass eher der Name im Vordergrund stand. Seine Kernkompetenzen liegen woanders – wie er auch selbst zugibt. "Durch die veränderten Aufgaben von Jochen Sauer wird sich das Profil des Sportlichen Leiters am Campus in Zukunft Richtung Manager, Verträge und Berater verschieben", sagte Weinzierl im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeine": "Das ist sicher weniger meins. Ich will auch in Zukunft nah am Sport sein. Als Trainer oder als Sportdirektor."
Ob das am Campus der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Eberl deutete zumindest an, dass die Tür für eine Umstrukturierung auch bei ihm offen sei.
Michael Wiesinger: Vom 1. FC Nürnberg zum FC Bayern
Mit Wiesinger kommt nun jemand, der beim 1. FC Nürnberg einen guten Ruf genießt. Er gilt als akribischer Arbeiter und soll in der Kommunikation sehr umgänglich sein. In Nürnberg gibt es aber auch Stimmen, die ihm vorwerfen, zu wenig anzuecken und zu harmoniebedürftig zu sein und zu allem "Ja" zu sagen.
Der ehemalige Bayern-Profi hat beim FCN dennoch einige Scouting- und Entwicklungserfolge gefeiert. Can Uzun ist sicherlich der bekannteste Fall. Während andere Klubs, wohl auch der FC Bayern, Abstand von einer Verpflichtung nahmen, holte Nürnberg ihn aus der Jugend des FC Ingolstadt. Wiesinger soll großen Anteil daran gehabt haben.
Die Erfolgsgeschichte ist bekannt. Auch Piet Scobel ist ein Beispiel des zuletzt verbesserten Scoutings. Der Mittelstürmer kam im Sommer aus der Oberliga Hamburg und erzielte nun in seinen ersten 190 Minuten in der 2. Bundesliga zwei Tore.
Von Wiesinger erhoffen sich die Bayern inhaltlich, dass er es schafft, das leidige Thema des Übergangs zu den Profis in den Griff zu bekommen. Hier haben es die Münchner so schwer wie kein anderer Bundesliga-Klub.
Schon deshalb, weil die Qualität der Profis ebenso enorm ist, wie es die Ansprüche sind. Das macht es auch so schwer, jungen Spielern einen Drei- oder Vierjahresplan zu präsentieren. Hier gilt es dennoch, die Prozesse zu optimieren. Oft genug haben die Verantwortlichen beispielsweise bei Leihen falsche oder zu kurzsichtige Entscheidungen getroffen.
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Christoph Freund soll mehr Verantwortung am Campus übernehmen
Wiesinger hat ein großes Netzwerk in der Region, von dem der FC Bayern profitieren kann. Es wird ihm zudem helfen, dass Freund aller Voraussicht nach noch mehr Einfluss auf die Entscheidungen am Campus haben wird. Am Campus soll überwiegend Vorfreude darauf herrschen, weil der Österreicher als größerer Experte im Jugendbereich gilt als Eberl.
Für den FC Bayern dürften die jüngsten Erfolge von Karl und Co. eher weniger der Anlass dafür sein, die jüngere Vergangenheit zu verklären. Schließlich hat auch Uli Hoeneß schon mehrfach davon gesprochen, dass am Campus nicht immer optimal gearbeitet wurde – was er sich und Karl-Heinz Rummenigge anlastete.
Mit den immer größeren finanziellen Herausforderungen im internationalen Vergleich ist den Verantwortlichen beim FC Bayern aber auch klar, dass sie den Campus und die vorhandenen Talente brauchen werden, um auf Dauer mithalten zu können. Die Schritte im Sommer sind exakt vor diesem Hintergrund zu sehen.