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Stefan Kuntz: Ex-Sportvorstand des Hamburger SV äußert sich zu Vorwürfen und schildert seine Sicht

  • Veröffentlicht: 23.01.2026
  • 18:24 Uhr
  • ran.de

Die Trennung des Hamburger SV von Stefan Kuntz schlägt umso höhere Wellen, je mehr über die angeblichen Hintergründe berichtet wird. Nun spricht auch der Ex-Sportvorstand selbst und verweist auf Erfahrungen aus den vergangenen Monaten.

Stefan Kuntz hat sich erstmals nach den aufgekommenen Gerüchten über die Hintergründe seines Abschieds als Sportvorstand des Hamburger SV geäußert. Gemeinsam mit seinen Anwälten traf sich der Europameister von 1996 mit Redakteuren der "Süddeutschen Zeitung".

Denen verriet er, dass ihn am 18. Dezember 2025 die HSV-Aufsichtsräte Michael Papenfuß und Henrik Köncke in seinem Büro in der Geschäftsstelle des Volksparkstadions aufgesucht hätten. Kuntz habe in diesem Moment noch das Gefühl gehabt, sie brächten erfreuliche Nachrichten: "Ob Sie es glauben oder nicht, da habe ich gedacht: Ah, jetzt kommen die, um endlich meinen Vertrag zu verlängern."

Stattdessen sei ihm erstmals offenbart worden, dass es Vorwürfe von Frauen gegen ihn gebe, die der Verein habe untersuchen lassen. Es gehe um sexuelle Belästigung. Vor seinem Büro habe bereits ein Rechtsanwalt der Kanzlei gewartet, die die Ermittlungen übernahm und die Vorwürfe als glaubhaft einstufte.

Kuntz zufolge entstand der Eindruck, dass niemand seine Sicht der Dinge hören wolle. Einer der beiden Aufsichtsräte habe ihm sogar noch gesagt, zwischen ihnen gebe es kein Vertrauensverhältnis mehr. Laut Anwalt Christian Schertz wisse Kuntz nicht, "was ihm von welcher Person und in welcher Situation konkret vorgeworden wird".

Nach "SZ"-Informationen sollen fünf Frauen intern Vorwürfe erhoben haben, diese umfassen angeblich verbale Belästigungen, unangemessene Berührungen und Anzüglichkeiten, heißt es in dem Bericht. Kuntz weist diese Anschuldigungen zurück, gesteht lediglich, zu viele schlechte Sprüche in falscher Umgebung gemacht zu haben, arglos zu herzlich im Kontakt mit Mitarbeitenden gewesen zu sein und die in seiner Position angemessene Distanz nicht gewahrt zu haben.

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Kuntz-Aus beim HSV: Ex-Sportvorstand stellte Strafanzeige

Dem Artikel zufolge wird das Compliance-Verfahren in HSV-Kreisen als professionell, zielstrebig, pragmatisch und unter Berücksichtigung des Opferschutzes geführt beschrieben. Die Reaktion des Aufsichtsrates wird als konsequent beurteilt.

Gesprochen haben die "SZ"-Redakteure auch mit einer mit Kuntz befreundeten Anwältin, über die der Ex-Profi am 12. Dezember Strafanzeige stellte. Sie berichtete demnach, bereits im November 2024 habe er sie kontaktiert und von anonymen Anrufen berichtet, bei denen sich niemand gemeldet habe oder nur Atemgeräusche zu hören waren.

Im Frühsommer habe er ihr dann geschildert, im Büro und an seinem Auto seien anonyme Liebesbotschaften aufgetaucht. Einige habe er aufgehoben, laut der "SZ" handelt es sich um Notizzettel mit immer derselben Handschrift, die in Umschlägen steckten.

Später schilderte Kuntz demnach der Anwältin, dass Mitarbeiterinnen seine Nähe suchen und ihm private Dinge anvertrauen würden. Eine Frau habe Trost nach einer Trennung gesucht, eine andere angeboten, eine Möbellieferung in seiner Wohnung zu überwachen. Letztlich habe er die erwähnte Anzeige gegen unbekannt gestellt, zu der ihn die Anwältin eher habe drängen müssen.

Es sei Zufall, dass dieser Schritt umgesetzt wurde, als die Compliance-Ermittlungen gegen den 63-Jährigen bereits liefen. Weder die Anwältin noch Kuntz selbst wollen zu diesem Zeitpunkt von der HSV-Untersuchung gewusst haben.

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Kuntz und der HSV: Erste Vorwürfe am 4. Dezember erhoben

Er berichtet sogar noch von einer Begebenheit rund um eine Mallorca-Reise in der spielfreien Woche vom 10. bis 17. November. Noch in Hamburg habe ihn eine Mitarbeiterin angesprochen und verraten, dass sie zur selben Zeit auf der Insel sein werde. Per WhatsApp sei zwar vor Ort über ein Treffen diskutiert worden, doch dazu sei es nicht gekommen. Auf den Chat habe er jedoch keinen Zugriff mehr.

Bei der Frau soll es sich um eine der fünf handeln, die die Vorwürfe erheben. Zumindest teilweise seien die von ihr geschilderten Vorkommnisse schon vor dem lockeren Mallorca-Austausch passiert.

Die "SZ"-Recherchen ergeben, dass sich am 4. Dezember eine Mitarbeiterin des HSV an eine Person des Aufsichtsrates wendet. Zuvor seien nirgendwo im Verein Vorwürfe gegen Kuntz erhoben worden. Am 5. Dezember entscheidet das siebenköpfige Aufsichtsratsgremium demnach, eine Untersuchung einzuleiten. Fünf Tage später wird die Hamburger Kanzlei Even beauftragt.

Als Kuntz gut eine Woche darauf mit den Vorwürfen konfrontiert wird, habe er noch darum gebeten, ihn anzuhören. Doch ihm sei entgegnet worden, er solle sich lieber das Wochenende über Zeit nehmen, anstatt sich in dieser emotional aufgewühlten Situation einzulassen. Wolle er angehört werden, bestehe auch das Risiko, dass sich der Vorgang nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen lasse.

Wenig später haben seine Anwälte, die sich auch noch mit den Anwälten des HSV treffen, den ersten Entwurf für einen Aufhebungsvertrag vorliegen. Am 27. Dezember sei Kuntz‘ Rechtsvertretern eine Frist bis zum Abend gesetzt worden, um das "faire Angebot" anzunehmen. Sollte die Frist verstreichen, würde der Aufsichtstrat die "Weiterführung der internen Untersuchung" und die "erforderlichen gesellschaftsrechtlichen und vertragsrechtlichen Maßnahmen" einleiten.

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Kuntz-Trennung vom HSV: Vertragsstrafe bei Abweichen von Sprachregelung

Kuntz soll für drei Monate den ganzen Lohn und für die weiteren drei Monate bis Vertragsende 50 Prozent erhalten, beide Seiten Stillschweigen vereinbaren. Auf Wunsch des HSV wird Kuntz in dem Schriftstück dazu verpflichtet, seine Anzeige, über die er den Verein inzwischen informiert hatte, zurückzuziehen. Doch damit scheitert er bei der Staatsanwaltschaft, weil Nachstellung ein Offizialdelikt ist und der Anfangsverdacht von Amts wegen verfolgt wird.

Vom HSV soll Kuntz zudem das Angebot unterbreitet worden sein, ihm "ein wohlwollendes Arbeitszeugnis" auszustellen. Doch das lehnt er ab.

Laut "SZ" muss jede der Parteien der anderen eine Vertragsstrafe von 100.000 Euro für den Fall zahlen, dass sie von der offiziellen Sprachregelung abweicht, laut der "private familiäre Gründe" zur Trennung führten. Die Frauen, die die Vorwürfe erhoben, durften ihre protokollierten Aussagen nur in einem geschützten Datenraum gegenlesen, es sollten keine Dokumente kursieren.

Zudem sei die HSV-Belegschaft per Mail darauf hingewiesen worden, sich nicht gegenüber der Presse zu äußern. Kuntz sei in dem Aufhebungsvertrag dazu verpflichten worden, keine Gerüchte zu verbreiten, er könne "Opfer einer Intrige innerhalb des HSV" geworden.

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