Champions League
Champions League - Der coolste Klub der Königsklasse: Bodö/Glimt macht sogar Jürgen Klopp ratlos
- Veröffentlicht: 24.02.2026
- 12:46 Uhr
- Andreas Reiners
Bodö/Glimt könnte in der Champions League in das Achtelfinale einziehen. Es hat Gründe, warum der Klub vom Polarkreis sogar Jürgen Klopp begeistert.
Jürgen Klopp ist ratlos. Er steht vor einem Rätsel.
Der frühere Trainer des FC Liverpool kennt die vermeintlichen Nobodys von Bodö/Glimt natürlich inzwischen. Er kommt aber nicht hinter das Geheimnis der Norweger.
Keine Chance. Was einigermaßen beeindruckend ist, wenn man bedenkt, wie erfolgreich Klopp als Trainer war und wie wortgewandt der 58-Jährige in der Regel ist.
Doch jetzige Head of Global Soccer bei Red Bull konnte den norwegischen Fernsehsender TV2 nur ungläubig fragen: "Was machen die denn da? Das ist ja der Wahnsinn!"
Klopp versteht nicht, was Bodö/Glimt tut
Klopp verriet, dass er schon versucht hat, Trainer Kjetil Knutsen zu kontaktieren. Klopp will mehr über dessen Methoden erfahren, "weil ich nicht verstehe, was sie tun". Die Art des Fußballs begreife er, "das ist schon sehr gut, aber das ganze Projekt ist super interessant".
Denn das Projekt mischt die Champions League auf. In der Ligaphase gab es Siege gegen Manchester City (3:1) und bei Atletico Madrid (2:1), dazu Remis gegen die Tottenham Hotspur und bei Borussia Dortmund (jeweils 2:2).
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In den Playoffs hauten die Norweger beim 3:1 im Hinspiel gegen Vorjahresfinalist Inter Mailand so richtig einen raus. Es war der erste Sieg eines norwegischen Klubs in einem K.o.-Spiel in der Königsklasse.
Für Klopp ist es "so schön, dass solche Dinge möglich sind. Niemand hatte geglaubt, dass sie es auch nur in die Ligaphase schaffen würden", sagte Klopp, "und die meisten dachten wohl, was sie dort erreicht haben, sei schon ein Riesenerfolg, aber dann sei Schluss. Und jetzt? Sie machen einfach weiter!"
Aber wie machen sie das?
Funfact: Erschwerend kommt aktuell hinzu, dass sich die Mannschaft in der Pause beziehungsweise Vorbereitung befindet, die Saison in der heimischen Liga ging Ende November zu Ende. Die neue Saison in Norwegen beginnt erst Mitte März.
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Bodö/Glimt: Erfolg ist keine Eintagsfliege
Wichtig zu wissen: Der Erfolg ist keine Eintagsfliege. In den letzten sechs Jahren wurde der 1916 gegründete Klub viermal Meister, dazu 2019, 2022 und 2025 Vizemeister, nachdem 2017 letztmals der Aufstieg gelang.
Und auch international ist 2025/26 kein einmaliger Ausreißer nach oben. 2023/24 gelang in der Conference League der Einzug in die Zwischenrunde, in der vergangenen Saison in der Europa League sogar der sensationelle Einzug ins Halbfinale, wo der spätere Sieger Tottenham Endstation war.
Ja, der wohl coolste Klub der Königsklasse – nicht nur wegen der Lage nördlich des Polarkreises – kann bei Heimspielen natürlich auf die sehr gerne sehr ungemütlichen Wetterbedingungen setzen, und auch auf den für viele Klubs ungewohnten Kunstrasen. Das ist ein Pfund der Natur.
Das erklärt den Erfolg aber nur bedingt.
Bodö/Glimt: Gründe für den Erfolg
Vielmehr ist es eine Mischung aus erfolgreicher Nachwuchsarbeit und intensivem Scouting mit regionalem Fokus, verbunden mit einer besonderen Mentalität.
Was unter anderem eines beweist: Es kommt nicht immer auf den Marktwert an. Der liegt laut Transfermarkt bei 57,13 Millionen Euro, wobei im Kader vor allem Norweger stehen. In der Champions League haben nur drei Teams einen geringeren Wert, in der Bundesliga wäre man damit Letzter, in der 2. Bundesliga immerhin auf einem Aufstiegsplatz. Ein anderer Vergleich: Inters Lautaro Martinez liegt bei 85 Millionen Euro.
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Hinzu kommt ein Mindset, das seit Jahren den Klub prägt und den Fokus auf stete Verbesserungen legt und nicht auf Siege, Platzierungen oder Titel. Laut Teammanager Havard Sakariassen ist das eine "Kultur, die alle mitzieht". Die Spieler verspüren so weniger Druck, dafür aber den gesunden Ansporn, immer besser zu werden.
Der Prozess steht im Mittelpunkt, um ihn geht es. Um das Kollektiv. Und um kurze Entscheidungswege innerhalb des Klubs.
Dass es sportlich funktioniert, dafür sorgt Trainer Knutsen, der seit 2017 der Chefcoach ist. Der "Maestro", wie er in seiner Heimat auch genannt wird. Er lässt ein intensives und offensives 4-3-3 spielen, mit dem er Europa das Fürchten lehrt. Die Norweger verstecken sich nicht, sondern setzen selbst die Akzente. Mutig und modern, mit hohem Pressing und viel Laufbereitschaft.
Ein enger Kreis von acht Spielern, die zum Kapitäns-Team gehören, zeichnet dabei vor allem verantwortlich für die Umsetzung auf dem Platz, aber auch für die Weiterentwicklung der Kultur innerhalb des Kaders.
Das Konzept, mit vergleichsweise wenigen Mitteln viel zu erreichen, geht fraglos auf.
Bodö/Glimt: Folgt die nächste Sensation?
Doch Knutsen ist jemand, der sich nicht zurücklehnt. Nach dem 3:1 gegen Inter analysierte er, das Spiel sei "nicht perfekt" gewesen. "Wir spielen kein wirklich gutes Spiel. Wir haben mit dem Ergebnis ein bisschen Glück."
Und er warnte vor dem Rückspiel am Dienstag (ab 21:00 Uhr im Liveticker): "Es ist erst das erste von zwei Spielen. Es wird ein schweres Auswärtsspiel. Wir haben noch eine Chance, aber es wird ein anderes Spiel".
Mit der nächsten Sensation?
"Sie haben jetzt das Gefühl bekommen, dass sie in jeder Runde eine Chance haben. Wenn man das laut ausspricht, klingt es verrückt", sagte Klopp, immer noch tief beeindruckt. "Aber das sind Fakten."
Fakt ist auch: Er glaubt daran.