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wahlkampf um das amt des präsidenten

Präsidenten-Wahlkampf: Beim FC Barcelona liegen die Nerven blank

  • Veröffentlicht: 14.03.2026
  • 10:53 Uhr
  • Tobias Wiltschek

In Barcelona kommt es am Sonntag zur mit Spannung erwarteten Wahl des Präsidenten. Die beiden Kandidaten lassen keine Gelegenheit aus, den Kontrahenten zu attackieren.

Von Tobias Wiltschek

Sportlich läuft es derzeit rund beim FC Barcelona. Abgesehen vom dramatischen Aus im Halbfinale des spanischen Pokalwettbewerbs gegen Atletico Madrid kann sich die bisherige Bilanz in dieser Saison sehen lassen.

In der Liga steht Barca vor diesem Wochenende mit vier Punkten Vorsprung auf Erzrivale Real Madrid auf Platz eins, und in der Champions League sind die Katalanen dank des spät verwandelten Elfmeters von Lamine Yamal zum 1:1 in Newcastle auf Kurs Richtung Viertelfinale.

Und doch liegt in diesen Tagen eine ungeheure Anspannung und Nervosität über dem Camp Nou. Denn im Gegensatz zu den Leistungen des Teams auf dem Rasen geht es am Sonntag nicht nur um kurzfristige Erfolge, sondern um die langfristige Zukunft des stolzen Vereins – nicht mehr, und vor allem nicht weniger.

Am Sonntag nämlich sind die rund 114.000 Mitglieder des FC Barcelona dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Und getreu des Vereinsmottos "Mes que un club" (katalanisch für: „Mehr als ein Verein“) geht es dabei nicht nur um die klubinterne Besetzung des Spitzenpostens.

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FC Barcelona: Laporta und Font liefern sich Duell um Präsidentenamt

Es geht darum, wer in den nächsten Jahren den FC Barcelona nach innen und vor allem auch nach außen hin vertreten wird. Oder anders ausgedrückt: Wer der Mann sein wird, der "international ein größeres Gewicht hat als der Chef der katalanischen Regionalregierung", wie es die "Süddeutsche Zeitung" ausdrückt.

Entsprechend groß war das Interesse am Duell der beiden Kandidaten. Der teils heftige Schlagabtausch zwischen Amtsinhaber Joan Laporta und seinem Herausforderer Victor Font wurde am vergangenen Donnerstag vom katalanischen Sender "TV3" übertragen und von Star-Moderatoren geleitet.

Darin warf Laporta seinem Rivalen Font vor, ein "Hütchenspieler" zu sein, der den Verein "ohne jedes Schamgefühl zurück in den Ruin" treiben würde.

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Victor Font ist der Widersacher von Joan Laporta
Victor Font ist der Widersacher von Joan Laporta© ZUMA Press Wire

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FC Barcelona: Erling Haaland und Harry Kane als Wahlgeschenke

Auslöser dieses verbalen Frontalangriffs waren Berichte darüber, dass Font die Wählerschaft mit dem Versprechen ködern wolle, Erling Haaland nach Barcelona zu lotsen.

Dessen Beraterin Rafaela Pimenta hat zwar in der Fußballsendung "El Chiringuito" postwendend betont, dass es keine formalen Verhandlungen mit Barcelona gebe. Dennoch halten sich in den spanischen Gazetten hartnäckig Meldungen, wonach Font zumindest langfristig danach strebe, Haaland für Barca verpflichten zu wollen.

Wie die katalanische Zeitung "Sport" berichtet, geht es um ein mögliches Vorkaufsrecht für den norwegischen Stürmerstar, der derzeit noch bis 2034 an Manchester City gebunden ist und einen Marktwert von 200 Millionen Euro hat.

Die sportlichen Berater von Font sollen demnach an einer langfristigen Strategie arbeiten, die Barca künftig einen entscheidenden Vorteil im Poker um Haaland verschaffen könnte. Deswegen habe sich Fonts Team auch am Mittwoch zu Gesprächen mit Verantwortlichen von Manchester City getroffen.

Haaland ist dabei nur das jüngste Beispiel dafür, wie die Verpflichtung von Superstars von den Kandidaten als Wahlversprechen genutzt werden. Und das bei einem Verein, der nach dem teuren Stadionumbau mit 2,5 Milliarden Euro (!) verschuldet ist.

Auch vor dem FC Bayern machte der Wahlkampf nicht halt. Xavier Vilajoana hatte im Februar damit geworben, Harry Kane im Falle eines Wahlsiegs verpflichten zu wollen. Dass es mittlerweile um diese Personalie etwas ruhiger geworden ist, hat einen Grund. Vilajoana gehörte zu den drei Kandidaten, die jüngst im Vorwahlprozess ausgeschieden sind.

Heftige Vorwürfe von Font an Laporta

Seit dem hat Laporta nur noch Font zu fürchten, den er vor fünf Jahren noch deutlich besiegt hatte. Diesmal jedoch wird mit einem deutlich engeren Ausgang gerechnet, womit auch das deutlich angespanntere Nervenkostüm bei Laporta zu erklären ist.

Das hat nicht nur, aber auch damit zu tun, dass Fonts Wahlkampfstrategie gegen seinen Kontrahenten diesmal beim Wahlvolk offenbar mehr ankommt als noch vor fünf Jahren. Font wirft Laporta indirekt vor, sich an Barca zu bereichern, obwohl das Präsidentenamt formal ein Ehrenamt ist. "ICH trage Barça nicht in der Brieftasche", wird Font bei Wahlkampfauftritten nicht müde zu betonen.

Was Laporta aber womöglich noch mehr schaden könnte, sind Aussagen von Klub-Ikone Xavi Hernandez. Der 46-Jährige warf dem amtierenden Präsidenten in einem aufsehenerregenden Interview mit "La Vangardia" nicht nur ein falsches Spiel bei seiner Entlassung als Trainer im Sommer 2024 vor, sondern machte ihn auch dafür verantwortlich, dass Lionel Messis Rückkehr nach Barcelona ein Jahr zuvor im letzten Moment scheiterte.

Aus seiner Empfehlung für Font macht er deswegen auch keinen Hehl: "Ehrlich gesagt braucht der Klub eine komplette Überholung – eine veränderte Struktur, mehr Professionalität."

Hansi Flick steht mit Barca derzeit auf Platz eins in Spanien
Hansi Flick steht mit Barca derzeit auf Platz eins in Spanien© CTK Photo
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FC Barcelona: Entscheidendes Eigentor von Font?

Dass Font dafür auch den derzeitigen Sportdirektor Deco vom Hof jagen will, könnte allerdings Laporta in die Hände spielen. Denn der Portugiese ist bei den Fans nicht nur beliebt, er gilt auch als Garant dafür, dass der deutsche Erfolgstrainer Hansi Flick dem Verein treu bleibt.

Laporta nutzt diese Personalien geschickt, indem er sein Schicksal an das der beiden Fan-Lieblinge knüpft. Nach dem Motto: Wenn ihr Deco und Flick behalten wollt, müsst ihr mich wählen. Wie beliebt vor allem der ehemalige Bundestrainer in Barcelona ist, drückte die Zeitung "As" sehr anschaulich aus. Flicks Ansehen, so heißt es da, sei so groß, "dass er die Wahl mit absoluter Mehrheit gewinnen würde".

Noch aber steht der Deutsche nicht zur Wahl, sondern weiterhin an der Seitenlinie. Wen er wählt, ist nicht bekannt. Er dürfte aber besonders froh sein, wenn die Schlammschlacht ums Präsidentenamt vorbei ist und es auch in Barcelona wieder hauptsächlich um Fußball geht.

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