Formel 1 Motorsport
Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Shanghai
Kimi Antonelli feiert seinen ersten Formel-1-Sieg und lässt damit die gesamte Motorsportnation Italien träumen, Mercedes dominiert in der noch sehr jungen Saison weiter nach Belieben - und Rekordweltmeister Lewis Hamilton erlebt eine Erlösung mit Ferrari. Riesige Enttäuschungen sind die unter dem alten Reglement noch dominanten Teams von McLaren und Red Bull. In der neuen Formel 1 herrschen andere Kräfteverhältnisse, dies ist eines der Erkenntnisse aus China.
ÜBERFLIEGER: 19 Jahre und genau 202 Tage war Kimi Antonelli alt, als er in China triumphierte. Nur der heute viermalige Weltmeister Max Verstappen war bei seinem ersten Erfolg in der Formel 1 noch jünger. Vor allem die Art und Weise war beeindruckend. Antonelli fuhr absolut fehlerfrei und sauber, selbst als er beim Start kurz die Führung verlor, ließ er sich nicht beirren. Am Ende war sein Sieg völlig ungefährdet. Glückwünsche gab es von allen Seiten - auch von Rekordweltmeister Lewis Hamilton. "Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie sich mein erster Sieg angefühlt hat", sagte der Drittplatzierte mit Blick auf Kanada 2007 - Antonelli war damals übrigens gerade einmal ein Jahr alt.
HOFFNUNG: Ja, Italien hatte große Jahre mit Michael Schumacher als Weltmeister im Ferrari. Doch einen italienischen Weltmeister gab es seit den 1950ern mit Giuseppe Farina und Alberto Ascari nicht mehr. Antonelli aber ließ "Italien nach vielen Tränen wieder jubeln", wie Corriere dello Sport schrieb. Der Weg zum Titel ist weit - aber Antonelli sitzt im besten Auto der Formel 1, und dass er das Zeug zum Sieger hat, hat er nun eindrucksvoll bewiesen.
GENUGTUUNG: Toto Wolff hatte für seine Entscheidung, Rekordweltmeister Hamilton im Jahr 2025 durch den damals 18-jährigen Antonelli zu ersetzen, einige Kritik einstecken müssen. Doch der Mercedes-Teamchef behielt recht, der mittlerweile 19-Jährige zahlt das Vertrauen zurück. Überhaupt läuft es bei den Silberpfeilen. In China waren sie noch dominanter als in Australien, George Russell machte nach seinem Auftaktsieg und dem Sprinterfolg in Shanghai nun das nächste Doppelpodium perfekt.
PREMIERE: Ja, auch als 41-Jähriger mit schier endloser Erfahrung in der Formel 1 kann man noch Neues erleben. Dies bewies Lewis Hamilton, der sein erstes Podium für Ferrari holte. "Es hat länger gedauert als erhofft", sagte der Engländer: "Nach einem schwierigen Jahr bin ich unglaublich stolz darauf, an der Entwicklung mitgewirkt und im vergangenen Jahr mit ihnen zusammengearbeitet zu haben. Es ist ein großes Privileg, Teil dieser Marke zu sein."
FRUST: 2025 stritten sie sich noch um den WM-Titel, heute zählen sie zu den größten Enttäuschungen der noch jungen Saison. Die Rede ist von Max Verstappen mit seinem Red-Bull-Team und von McLaren mit Weltmeister Lando Norris. Verstappen musste sein Auto im letzten Renndrittel wegen technischer Probleme abstellen und war zu dem Zeitpunkt weit von der Spitze entfernt. McLaren hingegen war nicht einmal in der Lage, beim Start dabei zu sein - beide Autos standen wegen unterschiedlicher Probleme mit der Power Unit still. Schuld sind nicht die von Verstappen so verhassten neuen Regeln, sondern einzig die Teams selbst. Andere haben die Umsetzung des Reglements ja auch gemeistert.
SPRUCH DES WOCHENENDES: "Das ist ein Witz. Das würde ich auch sagen, wenn ich gewinnen würde. Wer so etwas gut findet, hat keine Ahnung vom Rennsport." (Max Verstappen wird wohl kein Freund des neuen Regelwerks mehr)