Motorsport Formel 1
Doohan crasht nach nur vier Runden: "Das zeigt Verzweiflung!"
"Eine Fehleinschätzung" hat laut Alpine-Teamchef Oliver Oakes zum schweren Unfall seines Fahrers Jack Doohan geführt. Doohan war im zweiten Freien Training zum Japan-Grand-Prix 2025 in Suzuka nach nur vier Runden in Kurve 1 abgeflogen. Er selbst blieb unverletzt, sein Alpine A525 aber wurde schwer beschädigt.
Oakes zeigt sich zwar "erleichtert und froh, dass Jack nach dem Zwischenfall aussteigen konnte und dass es ihm gut geht". Doch Doohan dürfte sich mit dem Abflug bei Alpine keine Sympathien erworben haben: Teamberater Flavio Briatore hatte schon vor Saisonbeginn gedroht, er werde Doohan auf Schritt und Tritt beobachten und notfalls als Stammfahrer ersetzen.
Dieser Druck ist laut Ex-Champion Jacques Villeneuve "das Problem" von Doohan: "Er wusste schon vor dem ersten Rennen, dass er die Saison wahrscheinlich nicht beenden wird. Franco Colapinto steht bereits in den Startlöchern", sagte Villeneuve bei Sky.
Diese Situation mache sich nun auch auf der Rennstrecke bemerkbar: "Sein Fahrstil hat Verzweiflung gezeigt, weil er beweisen musste, dass er zumindest besser ist als Pierre Gasly, damit man ihn behält. Und wenn ein Fahrer sich psychologisch in so einer Lage befindet, fährt er nicht mehr natürlich, und kleine Fehler schleichen sich ein."
Wie sich der Unfall genau zugetragen hat
Doch was genau ist Doohan in Kurve 1 eigentlich passiert? Der frühere Formel-1-Fahrer Anthony Davidson analysiert bei Sky: "Er hat das DRS offengelassen. Es ist eine dieser Kurven, bei denen der Fahrer das DRS manuell schließen muss. Aber der Heckflügel schließt sich eben nicht, bevor er in die Kurve fährt. Und das erklärt, weshalb das Auto sich so heftig gedreht hat."
Denn mit offenem Heckflügel habe Doohan beim Hineinfahren in Kurve 1 nicht den notwendigen Anpressdruck gehabt. "Es lag also nicht daran, dass das Auto aufsetzte, sondern einfach daran, dass er durch den offenen Heckflügel den Abtrieb am Heck verloren hat", meint Davidson. Das sei "unglücklich" gelaufen für Doohan, "aber er wird daraus lernen".
Letzteres verspricht Doohan selbst. Er spricht von einem "heftigen Einschlag" und davon, dass ihn der Abflug "überrascht" habe.
Denn viel Erfahrung im Formel-1-Auto hat Doohan in Suzuka nicht: Er ist erstmals beim Japan-Grand-Prix am Start und war im ersten Freien Training nicht dabei, weil Alpine seinen japanischen Ersatzfahrer Ryo Hirakawa im Doohan-Auto eingesetzt hat. Doohan hat durch sein Fehlen im ersten Training und durch den Crash im zweiten also viele Trainingsrunden verpasst.
Schäden in Millionenhöhe bei Alpine?
"Mein Fokus liegt jetzt auf Samstag, wenn wir im dritten Freien Training die Vorbereitung fürs Qualifying angehen", sagt Doohan. "Ich weiß, das Team hat bis dahin eine Menge Arbeit vor sich, um das Auto wieder herzurichten, also schon mal vielen Dank an alle für ihren Einsatz."
Der frühere Formel-1-Teamchef Franz Tost sprach im ORF von einem "sehr teuren Unfall", der in der Region ab 300.000 Euro anzusiedeln sei. "Und wenn Getriebe und Monocoque ebenfalls beschädigt sind, dann reden wir von bis zu 1,5 Millionen Euro", meint Tost. "Dieses Geld wird bei der Weiterentwicklung fehlen."
Fernando Alonso landet im Kiesbett
Weniger kostspielig dürfte dagegen der Abflug von Fernando Alonso im Aston Martin AMR25 ausgefallen sein. Der zweimalige Weltmeister war ebenfalls im zweiten Freien Training von der Strecke abgekommen und im Streckenteil "Degner" im Kiesbett gestrandet.
Wie es dazu gekommen ist? "Ich weiß es nicht", sagt Alonso. "Ich muss mir das noch einmal anschauen."
Er wisse nur: "Ich habe das Auto auf eine seltsame Weise verloren. Es ist sehr windig da draußen, und das Auto reagiert etwas kritisch. Vielleicht bin ich auch mit einem Reifen ins Gras gekommen oder so."
Genau das war der Fall: Bei der Anfahrt zur ersten "Degner"-Kurve befand sich Alonso mit dem linken Vorderrad neben der Rennstrecke. Beim anschließenden Einlenken wurde ihm das zum Verhängnis: Das Heck brach aus, Alonso wollte korrigieren, verlor aber doch die Kontrolle über sein Rennauto.
Immerhin: "Wir sehen hier etwas konkurrenzfähiger aus als in China", sagt Alonso. "Ich hoffe daher, dass am Samstag im Qualifying Q3 möglich ist für uns."