Motorsport
Formel 1 - DTM-Pilot Timo Glock im Exklusiv-Interview: "Nico Hülkenberg hätte im Red Bull vermutlich den Unterschied ausgemacht"
- Aktualisiert: 03.04.2025
- 13:11 Uhr
- Oliver Jensen
Timo Glock spricht im exklusiven Interview mit ran über den Fahrerwechsel bei Red Bull, über Nico Hülkenberg im Sauber, Ausnahmetalent Andrea Kimi Antonelli und die DTM Saison 2025 (live auf ProSieben, ran und JOYN)
Das Interview führte Oliver Jensen
Timo Glock fährt zweigleisig. Als Fahrer ist er ab dieser Saison wieder in der DTM aktiv und wird für das Team Dörr Motorsport im McLaren unterwegs sein. Als "Sky"-Experte begleitet er zudem weiter das Geschehen in der Formel 1. Im Interview mit ran spricht der 42-Jährige über den Fahrerwechsel bei Red Bull, über das bevorstehende Formel-1-Rennen in Japan und über seine eigenen Ambitionen in der DTM.
ran: Herr Glock, Red Bull sorgte bereits nach zwei Rennen mit einem Fahrerwechsel für einen Paukenschlag in der Formel 1. Liam Lawson wurde von Red Bull zu den Racing Bulls zurück degradiert, dafür wurde Yuki Tsunoda vor seinem Heimrennen in Japan in den Red Bull befördert. War das die richtige Entscheidung?
Timo Glock: Es ist eine harte Entscheidung gegen Lawson. Fakt ist, dass man bei Red Bull das Ziel hat, die Konstrukteurs-Meisterschaft zu gewinnen - oder zumindest dabei ein Wörtchen mitzureden. Das kannst du nur, wenn du mit zwei Fahrern sehr, sehr gut aufgestellt bist, die möglichst nahe beieinander liegen. Das war in den ersten zwei Rennen nicht der Fall. Daher wurde ein klarer Cut gemacht. Ich bin gespannt, wie sich Yuki Tsunoda im Vergleich zu Max Verstappen schlagen wird. Bislang hatte kein Teamkollege gegen ihn eine Chance. Das Auto ist offenbar im Moment sehr, sehr schwer zu fahren. Ich bin also gespannt, ob sich Tsunoda mit diesem Wechsel wirklich einen Gefallen tut.
Das Wichtigste in Kürze
ran: Sie glauben also, dass es für Tsunoda eher schwierig wird?
Glock: Das wird mit Sicherheit für ihn schwierig, ja. Liam Lawson hatte einige Kilometer mehr im Red Bull hinter sich und kam nicht einmal im Ansatz in die Nähe von Verstappen. Tsunoda saß vorher in einem Racing Bulls, der sehr gut funktioniert hat. Sich jetzt auf einmal in den Red Bull zu setzen, ist mit viel Risiko behaftet. Wenn er nicht in den nächsten zwei, drei Rennen auf Augenhöhe mit Max Verstappen ist, wird es auch für ihn schwierig.
ran: So langsam würden Red Bull dann aber die möglichen Konsequenzen ausgehen, oder?
Glock: Am Ende liegt es an Red Bull, wenn sie kein Auto zur Verfügung stellen, das richtig funktioniert. Auch Max Verstappen sagt ja, dass das Auto schwer zu fahren sei. Es ist weit weg von einer Konkurrenzfähigkeit.
ran: Da stellt sich die Frage: War der Red Bull überhaupt jemals so richtig gut? Oder ist Max Verstappen so ein überragender Fahrer, dass er aus jedem Auto sehr viel herausholt?
Glock: Ich glaube, so lange Adrian Newey (2006 bis 2024 Leiter von Red Bull Technology, Anm.d.Red.) die Führung hatte, war der Red Bull das beste Auto - und in Kombination mit Max Verstappen unschlagbar. Aber seitdem er nicht mehr in die Entwicklung involviert ist, haben die Probleme angefangen. Es hatte sich bereits im letzten Jahr angedeutet, dass die Entwicklung in die falsche Richtung geht. Max Verstappen braucht ein Auto, das für alle anderen Fahrer schwer zu fahren ist. Das hatte man bereits in den vergangenen Jahren gesehen. Nun hat Red Bull aber offenbar ein Auto entwickelt, das zum Teil unberechenbar ist. Das macht es für den zweiten Fahrer unmöglich.
ran: So gesehen ist es für Liam Lawson doch auch eine Chance, jetzt wieder im Racing Bulls zu sitzen, oder? Die Erwartungen sind geringer und der Wagen ist offenbar einfacher zu fahren...
Glock: Er kann vielleicht ein bisschen befreiter fahren. Aber trotzdem wird er daran gemessen, wo das Auto nach den ersten zwei Rennen stand. Wenn er es nicht im Qualifying in das Q2 oder Q3 schafft, was Tsunoda hinbekommen hat, wäre das in seiner Position schwierig. Er muss also von Anfang an abliefern. Der Druck ist weiterhin da. Aber grundsätzlich hat jeder Fahrer in der Formel 1 Druck.
Glock: "Ferrari, Mercedes und McLaren fast auf Augenhöhe"
ran: Die Rennstrecke in Japan unterscheidet sich sehr von den bisherigen Strecken in Australien und China. Erwarten Sie dennoch eine weitere Machtdemonstration von McLaren?
Glock: Insgesamt ist das Feld deutlich näher zusammengerückt. Ferrari, Mercedes und McLaren sind fast auf Augenhöhe, wobei McLaren einen kleinen Vorteil hat, da der Wagen scheinbar auf allen Rennstrecken gut funktioniert. Ich glaube, dass es sehr spannend wird. Aber es gibt auch Streckentypen, die Ferrari oder Mercedes mehr entgegenkommen. Es lässt sich schwer vorhersagen, für wen das Pendel ausschlägt.
ran: Mercedes hat mit Andrea Kimi Antonelli einen 18-Jährigen ins Auto gesetzt, der bei den ersten zwei Rennen die Plätze 4 und 6 belegte. Wie ist Ihr Eindruck von ihm?
Glock: Er macht einen sehr, sehr guten Job. Natürlich hat er auch mit das beste Paket, um auf sich aufmerksam zu machen. Im Qualifying hat er noch einen kleinen Respekt-Abstand zu George Russell von etwa 0,2 bis 0,3 Sekunden. Aber wenn er sich weiterhin von Wochenende zu Wochenende steigert, macht er momentan alles richtig.
ran: Nico Hülkenberg hat mit dem 7. Platz in Australien direkt die ersten Punkte eingefahren. Ist der Sauber vielleicht gar nicht so schlecht wie nach den ersten Testfahren befürchtet wurde?
Glock: Naja, in China war die Rennpace nicht so überragend. Allerdings hatte man auch relativ früh einen Schaden am Auto. Aber ich würde auch sagen, dass es momentan besser aussieht als anfangs befürchtet. Wir alle kennen die Stärken von Nico Hülkenberg. Das zeigt er vor allem im Qualifying. Nun ist die Frage, wie er mit dem Team die nächsten Schritte machen kann, um näher an die Top-10 heranzurücken. Man kann momentan Hoffnung haben.
ran: Um noch einmal den Kreis zu Red Bull zu schließen: Wäre es nicht für Red Bull besser gewesen, zur Saison 2025 einen erfahrenen Piloten wie Hülkenberg zu verpflichten und an die Seite von Verstappen zu setzen?
Glock: Wenn Piloten mit viel Erfahrung kommen, können sie den Unterschied ausmachen. Das haben wir in der Vergangenheit immer wieder gesehen. Der Nico Hülkenberg hätte das vermutlich im Red Bull geschafft, ja.
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ran: Sprechen wir noch einmal über die DTM. Sie haben nun bereits die ersten Testfahrten im McLaren unternommen. Mit welchen Zielen gehen Sie in die Saison?
Glock: Ich denke, wir haben vom Fahrgefühl her einen Schritt nach vorne gemacht. Den besten Vergleich kann mein Teamkollege Ben Dörr ziehen, der den Wagen bereits aus dem Vorjahr kennt. Die Richtung, die wir eingeschlagen haben, war demzufolge positiv.
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ran: Gibt es eine konkrete Zielsetung?
Glock: Nein. Das Ziel ist einfach, dass wir den nächsten Schritt machen. Wie genau dieser aussieht, werden wir sehen. Wir wollen auf jeden Fall in allen Bereichen besser werden.
ran: Der DTM-Kalender beinhaltet mit Zandvoort und Spielberg zwei Strecken, die auch von der Formel 1 befahren werden. Sie blicken selbst auf die Erfahrung aus 91 Formel-1-Rennen zurück. Was macht eigentlich rein vom Fahrgefühl mehr Spaß: DTM oder Formel 1?
Glock: Beides macht auf eine unterschiedliche Art und Weise Spaß. Ein Formel-1-Auto ist das schnellste Auto, das man auf einer Rennstrecke bewegen kann. Dafür ist man in einem Tourenwagen dazu in der Lage, die Vierrad-Kämpfe anders auszutragen. Man kann härter miteinander umgehen als in einem Formel-1-Wagen. Und das macht auch Spaß.