Formel 1
Formel 1: Verstappen zu Mercedes? Wolff gibt Einblick in Gespräche und scherzt über Russell
- Aktualisiert: 30.08.2025
- 10:54 Uhr
- Motorsport-Total
Vor dem Formel-1-Rennen in Zandvoort spricht Mercedes-Chef Toto Wolff über die Gerüchte um Max Verstappen. Eine Aussage von George Russell bringt ihn zum Lachen.
"Könnte es sein, dass sich unsere Wege nie kreuzen, weil das Timing falsch ist? Nun, das kann passieren, ja", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Die Rede ist von Max Verstappen, der auch 2026 nicht für die Silberpfeile fahren wird. Zweimal hat der Österreicher nun schon versucht, den viermaligen Weltmeister für Mercedes zu verpflichten - vergeblich.
Noch bleibt Verstappen bei Red Bull, wo er noch einen Vertrag bis 2028 besitzt, was aber kein Hinderungsgrund sein muss. Verstappen und Mercedes - was 2021 noch unvorstellbar schien, das wurde in den vergangenen Monaten durchaus zur denkbaren Option.
Denn die uneingeschränkte Liebesbeziehung scheint zwischen dem 27-Jährigen und seinem Team nicht mehr zu existieren. Erst war da der Zoff um Teamchef Christian Horner, dann der sportliche Absturz.
Wolff könnte Verstappen bei Mercedes ein Auffangbecken geben - menschlich auf jeden Fall, sportlich, das bleibt noch abzuwarten. "Wir verstehen uns persönlich gut", betont der 53-Jährige: "Wenn man auf derselben Wellenlänge ist, fühlt es sich einfach leicht an. Und genau das sehe ich in der Beziehung. Seine Ansichten über den Rennsport oder andere Dinge in unserem Leben sind sehr ähnlich."
Das Wichtigste in Kürze
Auch mit Papa Jos Verstappen versteht sich Wolff blendend, trotz aller Vorkommnisse in der Saison 2021, als Verstappen gegen Mercedes und Lewis Hamilton erbittert um die WM kämpfte - und als beide Seiten teils über das Ziel hinausschossen.
"2021 war schlimm von beiden Seiten", muss Wolff eingestehen. Alles sei außer Kontrolle geraten, die Emotionen hätten übernommen. "Und man wird so besessen von seinen eigenen Wahrnehmungen und Perspektiven, dass es schwer wird, die andere Seite zu sehen", gibt Wolff zu.
Mittlerweile haben sich die Wogen aber wieder geglättet. Nach einem "klaren Gespräch" in Singapur in der folgenden Saison mit Papa Jos herrscht wieder Frieden zwischen beiden Seiten. Mehr noch: "Ich kenne Jos und Max schon lange. Das Verhältnis zu Jos war immer freundschaftlich. Gleiche Generation, dieselbe beschissene Kindheit", lacht Wolff.
Finden Verstappen und Mercedes mit Verspätung zusammen?
Beruflich waren sich Verstappen und Wolff schon einmal über den Weg gelaufen. Bevor Max Verstappen 2015 sein Debüt in der Formel 1 feierte, gab es um ihn ein großes Tauziehen der Nachwuchsakademien.
Auch Mercedes und Wolff zogen am Tau, doch am Ende hatte Red Bull die größere Zugkraft.
"Es ging darum, zu Mercedes zu wechseln, und genau das wollten sie. Aber wir hatten keinen Sitz, weil wir Nico [Rosberg] und Lewis [Hamilton] hatten", erinnert sich der Österreicher. Was Wolff bot: Einen freien Platz in der Formel 2 und eine Garantie für die Formel 1 im darauffolgenden Jahr.
"Und wenn wir die Formel 1 nicht hätten ermöglichen können, wäre er frei gewesen zu gehen", ergänzte er: "Und dann kam Helmut [Marko] ins Spiel und gab ihnen natürlich das Cockpit."
Red Bull köderte den Youngster mit einem Platz bei Toro Rosso für 2015, sodass Verstappen direkt von der Formel-3-Europameisterschaft in die Königsklasse aufstieg und zum jüngsten Formel-1-Fahrer der Geschichte wurde.
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2016, also das Jahr, in dem Mercedes Verstappen einen Formel-1-Platz garantierte - mutmaßlich bei einem seiner Kundenteams Force India, Williams oder Manor -, saß Verstappen schon im Red Bull und gewann in Barcelona gleich sein erstes Rennen für den Rennstall.
Zehn Jahre später könnten er und Wolff nun doch noch zusammenfinden - "wenn es für beide Seiten passt", wie Wolff betont.
Das war bislang noch nicht der Fall. "Es ging immer darum: Ergibt das aus Mercedes-Sicht Sinn? Und ergibt das aus Verstappens Sicht Sinn? Und es kam nie zu dem Punkt, an dem man sagen konnte: Ja, wir versuchen es", sagt er.
Luxusproblem für Mercedes
Damit bleibt Wolff zumindest ein Problem vorerst erspart: Hätte sich Verstappen Mercedes angeschlossen, dann hätte einer der aktuellen Fahrer sein Cockpit verloren.
Die Silberpfeile hätten sich dann entweder von George Russell trennen müssen, der Hamilton die Stirn bieten konnte, zum Teamleader aufgestiegen ist und starke Leistungen zeigt, oder von Andrea Kimi Antonelli, den man von frühester Kindheit an aufgebaut hat und der als Supertalent gefeiert wird, auch wenn er in seinem Rookiejahr noch einige Probleme hat.
Obwohl er noch keinen Vertrag für das kommende Jahr hat, gibt sich Russell bislang betont selbstbewusst. Er plauderte aus, dass Wolff mit Verstappen spricht, und sagte am Donnerstag in Zandvoort auch, dass seine Zukunft nie in Gefahr war. "Es war eher die Frage, wer mein Teamkollege sein würde", meinte der Brite.
"Hat er das wirklich gesagt?", fragt Wolff am Freitag und lacht: "Er ist ein richtiges Arschloch!"
Doch zurück zum Ernst: "Ich bin auch dieser naive, loyale Mensch", gibt der Österreicher zu, dass die Entscheidung gegen einen der aktuellen Fahrer sehr schwierig für ihn wäre: "George ist bei uns, seit er 17 ist. Er macht seinen Job. Er liefert ab. Er fährt, meiner Meinung nach, über dem Niveau des Autos."
Er ergänzte: "Und dann haben wir Kimi. Und das ist unsere langfristige Wette, und wir müssen ihm einfach die Zeit geben, sich zu entwickeln."
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Aber, und das ist der Punkt, den Wolff auch seinen beiden Fahrern klargemacht hat: "Es ist meine Pflicht als Teamchef, zu prüfen, was ein viermaliger Weltmeister in Zukunft machen wird und wie seine Situation aussieht."
Verstappen ist augenscheinlich der derzeit beste Fahrer in der Formel 1, "und jedes Team muss versuchen, den besten Fahrer zu bekommen", so der Österreicher: "Für mich haben wir heute eine sehr gute Kombination, und wir werden sehen, wie es in zwei oder drei Jahren aussieht."
Gespräch mit Prost als wichtige Erkenntnis
Diese Transparenz gegenüber seinen Fahrern ist Wolff sehr wichtig, denn er erinnert sich an ein Gespräch mit dem viermaligen Weltmeister Alain Prost. Dessen Fehde mit Ayrton Senna gilt als eine der größten Feindschaften der Formel-1-Geschichte und hat dafür gesorgt, dass beide nicht mehr zusammen in einem Team fahren wollten und sich das auch vertraglich zusichern ließen.
"Ich sagte zu ihm: 'Was lief zwischen dir und Senna schief?' Und er sagte: 'Zwischen uns beiden lief nichts schief'", erinnert sich Wolff.
Ihm zufolge ergänzte der Franzose: "'Was schief lief, war, dass das Management des Teams uns gegeneinander ausgespielt hat. Wir wussten nie, wo wir standen. An einem Wochenende warst du der Liebling des Monats. Im nächsten Monat wusstest du nicht, ob du überhaupt noch ein Cockpit hattest. Und wir bekamen nie die Informationen. Und das ging dann immer so weiter. Man wird paranoider. Man verschließt sich. Und irgendwann führt das zu einer Implosion der Beziehungen zwischen den Fahrern und mit dem Team.'"
Als er das hörte, wusste Wolff, dass er genau diesen Fehler niemals begehen möchte.
Dazu passte auch die Ansicht von Freund und Mentor Niki Lauda, der als Aufsichtsratsvorsitzender die Devise ausgab: "Wir reden keinen Bullshit, wir sind direkt. Die Dinge sind so, wie sie sind."
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Wolff: "Werde Familie gegenüber immer brutal ehrlich sein"
Und so habe man es mit Hamilton gehalten, mit Valtteri Bottas gehalten, mit Russell gehalten. "Ich bin immer transparent", betont Wolff: "Man könnte es fast als Naivität sehen. Denn jemandem, den ich wie ein Familienmitglied, wie ein Teammitglied, wie einen Verbündeten, wie einen Teil des Stammes betrachte, dem gegenüber werde ich immer brutal ehrlich sein."
Er führte fort: "Nicht jeder kann damit umgehen. George kann es. Lewis konnte es auch. Aber deshalb waren unsere Gespräche immer sehr offen. Und George war der Erste, den ich angerufen habe und zu dem ich sagte: 'Hör zu, ich muss dieses Gespräch führen. Es ist meine Pflicht als Teamchef, nur damit du nicht überrascht wirst.' Und ich denke, das ist wichtig."
Wohin die Gespräche führen: offen. Bislang kamen sie zu keinem Ergebnis, auch weil Verstappen Wolff mitgeteilt habe, dass er seinem Team nach den vier gemeinsamen WM-Titeln noch etwas schuldet und dass er nicht im ersten Moment weggehen kann, wenn das Team nicht ganz so gut performt.
Für Wolff ein guter Charakterzug. "Die Integrität, die er seinem Team gezeigt hat, und die Integrität, die ich und das Team unseren Fahrern gezeigt haben, ich denke, das ist wichtig", sagt er.
Doch die Situation bietet beiden Seiten auch eine Chance: Nämlich zu schauen, wie sich die Formel 1 unter dem neuen Reglement entwickelt. 2026 beginnen alle Teams auf einem weißen Blatt Papier. Wer dann vorne sein wird, das lässt sich noch nicht sagen.
Verstappen kann im kommenden Jahr schauen, welches Team für ihn die beste Option ist, und Mercedes weiß dann auch ganz genau, woran sie sind.
Wird Verstappen 2026 günstiger?
Und wer weiß: Vielleicht muss Mercedes dem Niederländer dann auch nicht so viel Geld bieten, weil man das beste Auto hat und der viermalige Weltmeister dann unbedingt zu den Silberpfeilen möchte und Abstriche macht. "Dann muss ich nur zehn Prozent bezahlen", scherzt Wolff: "Und genau das habe ich auch Raymond gesagt."
Gemeint ist Raymond Vermeulen, der sich als Manager um die Belange von Max Verstappen kümmert. Dessen Antwort: "'Knausriger Österreicher'", lacht Wolff: "Und ich sagte: 'Gieriger Niederländer.'"
"Ich denke, dass für alle Top-Fahrer Geld nicht der entscheidende Antrieb ist", wird der Teamchef dann aber wieder ernst: "Der entscheidende Antrieb ist, ein Team zu haben, das dich Weltmeisterschaften gewinnen lässt. Und dann kommt die Diskussion über das Geld."
Er selbst sei dabei immer der Meinung gewesen, dass man Fahrer "fair" bezahlen muss, "was auch immer das heißt, wer auch immer der Maßstab ist", meint Wolff.
Und wenn die Sterne richtig stehen, "werden wir immer eine Lösung finden", betont er: "Bestes Team. Bester Fahrer. Dann findet man zusammen."