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Biathlon bei Olympia 2026 - "Deutsche müssen ihre Trainings-Methoden ändern": Johannes Thingnes Boe im Interview

  • Veröffentlicht: 19.02.2026
  • 19:08 Uhr
  • Philipp Kubießa/ran.de

Am Rande der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina hat Biathlon-Ikone Johannes Thingnes Boe über das norwegische Erfolgsrezept gesprochen.

Von den Olympischen Winterspielen berichten Philipp Kubießa und Magdalena Stocker

Bis zu seinem Karriereende 2025 war der fünfmalige Olympiasieger Johannes Thingnes Boe das Aushängeschild des Biathlon-Sports.

Am Rande der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina sprach der Ex-Biathlet nun im ran-Interview unter anderem über das norwegische Erfolgsrezept, das deutsche Biathlon-Debakel in Italien und seine Zukunftspläne.

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ran: Herr Boe, was ist das Geheimnis des derzeitigen norwegischen Sporterfolgs?

Johannes Thingnes Boe: "Das Geheimnis hinter den Wintersport-Erfolgen, den wir seit einigen Jahren haben, ist, dass Norweger quasi auf Skiern geboren werden. Derzeit haben wir tolle Talente und einige der besten Athleten der Welt in den berühmtesten Sportarten, auch in Sommer-Sportarten."

ran: Wie läuft die Talentförderung in Norwegen genau?

Boe: "In Norwegen haben wir ein ziemlich gutes Trainingsmodell. Das Basistraining ist für die Athleten aus unterschiedlichen Sportarten sehr ähnlich. Das geht bis etwa in das Alter von elf, zwölf Jahren, danach spezialisieren sich die Jugendlichen in den unterschiedlichsten Sportarten. Wir haben in Norwegen Vorbilder, die Olympia-Medaillen gewonnen haben oder Meisterschaften in unterschiedlichen Sportarten. Also können unsere Talente immer zu den besten Athleten der Welt aufschauen und versuchen, noch besser als ihre Vorbilder zu werden.“

ran: Wie bewerten Sie das deutsche Biathlon-Debakel bei den Olympischen Winterspielen in Italien?

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Biathlon bei Olympia: "Deutschen müssen Trainings-Methoden ändern

Boe: "Ich kenne das deutsche Trainings-System nicht genau, aber ich denke, sie müssen ihre Trainings-Methoden ändern. Die Resultate sind einfach nicht mehr gut genug. Eine große Nation wie Deutschland hat eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen geholt und das ist nicht genug. Ich denke, Deutschland muss mehr nach Norwegen und Frankreich blicken, besonders beim Biathlon der Frauen. Möglicherweise wäre es eine Idee, gemeinsame Trainingscamps mit diesen Nationen abzuhalten und dadurch Wissen zu teilen. Das wäre ein guter Start.“

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ran: Nach Ihrem Karriereende sind sie nun bei den Olympischen Winterspielen in Italien als TV-Experte dabei. Wie sind ihre Erfahrungen in dieser neuen Rolle?

Boe: Ich dachte, im TV zu arbeiten, wäre gechillt und entspannt, aber ich habe mittlerweile festgestellt, dass es als Athlet trotz des Nervenkitzels entspannter ist. Man arbeitet im TV von morgens bis abends. (lacht)

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Olympische Winterspiele "gehören nach Europa"

ran: Wie nehmen Sie das olympische Gefühl im Biathlon-Mekka Antholz wahr?

Boe: Ich habe die Rennen hier wirklich genossen, es war alles sehr professionell. Wir haben bislang einige unglaubliche Biathlon-Rennen gesehen. Ich war als Athlet nur bei drei Olympischen Spielen: In Sotschi, in Pyeongchang und in Peking. Das waren Orte, an denen wir davor nie waren. Wegen der TV-Übertragung in Europa waren die Spiele abends mit Flutlicht und Wind, mit herausfordernden Bedingungen. Jetzt sind wir mit Antholz zurück in Europa, an einem Ort, den die Leute schon vorher kannten und die Rennen sind tagsüber. Daher fühlt sich dieser olympische Spirit hier ein bisschen geringer an. Aber ich bin froh, dass die Olympischen Winterspiele zurück in Europa sind, denn das ist der Ort, wo dieses Event hingehört. Hier können die Athleten auch ihre Freunde und Familie einladen, es fühlt sich zugänglicher für das Umfeld der Sportler an.“

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ran: Beim Langlauf hier in Italien hat es ein Hund auf die Strecke geschafft? Wie kurios war das?

Boe: "Ich habe so etwas beim Langlauf noch nie zuvor gesehen. Aber zuhause in Norwegen bin ich mal im Training eine Abfahrt mit ungefähr 60 km/h gefahren und plötzlich war da ein Elch, der die Straße überquert hat. Ich habe kurz gestoppt und bin dann weitergefahren, als der Elch die Straße überquert hatte."

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Johannes Thingnes Boe über Hasskommentare

ran: Haben Sie in Ihrer Karriere mit Hasskommentaren Erfahrungen gemacht? Und was würden Sie jungen Sportlern raten, wie sie damit umgehen sollten?

Boe: "Als Top-Athlet, der in den besten Sportarten der Welt antritt, solltest du wissen, dass das passiert – und es passiert jedem. Es ist mir auch passiert. Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, dass Leute Erwartungen haben. Und ich schätze, die meisten Hater möchten einfach eine schlechte Energie verbreiten. Sie sitzen zuhause an ihrem Handy und schreiben beschissene Nachrichten. Oder es sind Leute, die Wetten in diesem Wettbewerb verloren haben, wenn man als Athlet zum Beispiel im Biathlon am Schießstand zu viele Fehlversuche hatte. Es ist schade, dass sich Sportler damit auseinandersetzen müssen, aber es ist wohl ein Teil des Spiels. Ich wünsche mir, dass die Athleten sich deshalb nicht so einen Kopf darüber machen und sich auch nicht darauf fokussieren.“

ran: Wie sehen ihre Zukunftspläne aus? Eher TV-Experte oder Fußballerkarriere?

Boe: Während ich hier bin, kann ich natürlich nicht mit meinem Fußballteam in der sechsten Liga in Norwegen spielen. Wir haben jetzt unsere Qualifikationsrunde für die Teilnahme am norwegischen Pokalwettbewerb. Also verfolge ich das Spiel live von hier und hoffe, dass wir es in die nächste Qualifikationsrunde schaffen. Gegen unseren heutigen Gegner habe ich zuletzt sogar ein Tor geschossen. Also habe ich meinen Teamkollegen mein Geheimnis verraten, wie man gegen diesen Gegner trifft. (lacht) Ich genieße jetzt erst einmal, hier im TV zu arbeiten, aber ich denke nicht, dass es ein Lebensziel ist, das dauerhaft zu machen. Ich denke, ich werde nach den Olympischen Spielen nachhause reisen und auch länger dort bleiben und neue Herausforderungen in unterschiedlichen Sportarten suchen.“

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