OLYMPIA 2026 IN MAILAND UND CORTINA
Eishockey bei Olympia 2026 - Leon Draisaitl reist nach K.o. enttäuscht ab - DEB vor umfassender Analyse
- Aktualisiert: 19.02.2026
- 13:09 Uhr
- SID
Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) geht nach dem Viertelfinal-Aus in die Analyse. Eine Einheit auf dem Eis ist das Team um NHL-Superstar Leon Draisaitl in Mailand nie geworden.
Leon Draisaitl packte seine Koffer und zog tief enttäuscht aus seinem Einzelzimmer im Olympischen Dorf aus.
14 Tage nach der Ankunft und dem feierlichen Auftakt als deutscher Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele fand das von mehr Tiefen als Höhen geprägte Olympia-Abenteuer des Eishockey-Stars am Donnerstag ein tristes Ende. "Es war nicht das Turnier, das wir uns erhofft hatten", schrieb Draisaitl in den Sozialen Medien.
Am Morgen nach dem schmerzhaften, aber völlig verdienten Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei (2:6) stieg der Kapitän am Flughafen Malpensa in den NHL-Flieger nach Nordamerika - und die vermeintlich beste deutsche Eishockey-Nationalmannschaft der Geschichte verstreute sich in alle Himmelsrichtungen. Im zuletzt sonnigen Mailand herrschte Dauerregen, die grauen Wolken passten zur trüben Stimmung bei Draisaitl und dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB).
DEB-Team: Potenzial nie ausgeschöpft
Das mit NHL-Stars gespickte Team um Starstürmer Draisaitl hatte ihr enormes Potenzial nie wirklich ausgeschöpft. Ex-Kapitän Moritz Müller sparte nicht mit Selbstkritik. "Vielleicht haben wir zu viel darüber gesprochen, wie gut wir sind und uns nicht genug darauf konzentriert, dass alle Mannschaften hier gut sind und es hier nur über Kampf und Gradlinigkeit geht", sagte der Routinier in der "ARD".
Vor allem auf Draisaitl hatte der Fokus gelegen. Der 30-Jährige gab in Italien sein Nationalmannschaftscomeback nach über sechs Jahren. Seit seinem letzten Auftritt im DEB-Trikot war der Kölner zum Top-Star in der NHL gereift. Zwei Mal stand er mit den Edmonton Oilers im Finale um den Stanley Cup, im Dezember durchbrach als erster Deutscher die Schallmauer von 1000 Scorerpunkten in der NHL-Hauptrunde, entsprechend groß waren Druck und Erwartungshaltung - auch bei Draisaitl.
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Vor der Reise nach Mailand hatte er eine Medaille als Ziel ausgegeben. Mit guten Leistungen wurde der selbst formulierte Anspruch im Team aber kaum untermauert. Draisaitl gelangen zwei Tore und fünf Assists in fünf Olympia-Auftritten. Sein erstes Turniertor beim Auftakt gegen Dänemark (3:1) fiel nach nur 23 Sekunden.
Dennoch fällt auch Draisaitls persönliche Bilanz durchwachsen aus. Die Niederlage gegen Außenseiter Lettland (3:4) kam auch deshalb zustande, weil Draisaitl bei zehn Schüssen kein Tor erzielte. Im Duell mit Mitfavorit USA (1:5) gab er keinen einzigen Schuss ab - und wurde von Gegenspieler Matthew Tkachuk für die Weltöffentlichkeit hörbar verhöhnt.
Sicher, Draisaitl rieb sich auf, er kreierte Torchancen. Doch ihm fehlte die Leichtigkeit. Als Kapitän war er die zentrale Figur auf dem Eis, den Mix aus NHL-Power und DEL-Profis im Spiel zusammenzuführen, gelang ihm aber ebenso wenig wie Bundestrainer Harold Kreis.
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DEB vor umfangreicher Olympia-Analyse
"Wir haben nie wirklich zu unserem Spiel gefunden", sagte Draisaitl: "Ich glaube, bei uns hat es einfach ein bisschen zu lange gedauert, unsere Identität zu finden." Gestandene Nationalspieler wie Nico Sturm und Müller stimmten zu. Auch Künast befand im "ZDF": "Wir waren ein sehr, sehr gutes Team außerhalb des Eises. Auf dem Eis sind wir es nie so richtig geworden, das kann man jetzt schon nach kurzer Zeit sagen."
Der DEB will das Turnier auch mit Blick auf die Heim-WM im Mai 2027 umfangreich analysieren. Zum Thema werden dabei auch die taktischen Entscheidungen von Bundestrainer Kreis. Vor allem die Eiszeitverteilung rückt in den Fokus der Kritik. Die Offensivstars aus der NHL wie Draisaitl, Tim Stützle und John-Jason Peterka trugen eine (zu große) Last.
Die besten Spieler müssten zwar die meiste Eiszeit erhalten, meinte Künast, "und das wurde versucht. Dass es am Ende vielleicht doch die ein oder andere Sekunde zu viel war, das kann man schon diskutieren."
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