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FC Schalke zurück in die Bundesliga? Friedhelm Funkel: "Gehe von einem direkten Aufstieg aus"

  • Aktualisiert: 16.01.2026
  • 11:10 Uhr
  • Andreas Reiners

Am Samstag startet Herbstmeister FC Schalke 04 bei Hertha BSC in die Rückrunde. Trainer-Legende Friedhelm Funkel erklärt die Gründe für den Erfolg und warum S04 aufsteigen wird.

Das Interview führte Andreas Reiners

Wenn jemand weiß, wie Aufstieg geht, dann wohl Friedhelm Funkel.

Im vergangenen Jahr schaffte er mit dem 1. FC Köln die Rückkehr in die Bundesliga – es war sein insgesamt siebter Aufstieg mit einem Zweitligisten.

Als Kenner der 2. Bundesliga verfolgt der 72-Jährige das aktuelle Geschehen weiterhin intensiv und damit natürlich auch die Entwicklung des FC Schalke 04, der als Herbstmeister in die Rückrunde geht. Am Samstag (ab 20:30 Uhr im Liveticker) wartet auf das Team von Trainer Miron Muslic bei Hertha BSC direkt der erste wichtige Gradmesser.

Im ran-Interview erklärt Funkel die Gründe für den sportlichen Höhenflug, worauf es in der Rückrunde ankommt und warum er Schalke für stabil genug hält, um aufzusteigen.

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FC Schalke 04: Funkel überrascht von Konstanz

ran: Herr Funkel, wie verwundert sind Sie über die Entwicklung des FC Schalke 04?

Funkel: Verwundert vielleicht nicht, aber durchaus überrascht. Vor allem über die Konstanz, die Schalke über 17 Spieltage hinweg zeigt, und das in der ersten Zweitligasaison unter einem neuen Trainer. Dass es Miron Muslic so schnell gelungen ist, wieder eine stabile Einheit zu formen, ist bemerkenswert. Schalke steht defensiv extrem stabil. Zehn Gegentore sprechen eine klare Sprache. Das zeigt, wie schnell der Trainer seine Spielphilosophie implementiert hat. Das ist einfach stark und tut dem gesamten Verein gut.

ran: Was sind weitere Gründe für den sportlichen Höhenflug?

Funkel: Es stimmt ganz offensichtlich zwischen Mannschaft und Trainer. Natürlich ist das leichter, wenn der Erfolg da ist. Aber die Art und vor allem die Geschwindigkeit, mit der dieses Vertrauensverhältnis entstanden ist, haben mich schon überrascht. Dazu kommt wie gesagt die Defensive, das absolute Prunkstück dieser Mannschaft. Wer so wenige Gegentore kassiert, spielt in der Regel oben mit. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Meisterschaften. Schalke ist da auf einem sehr, sehr guten Weg.

ran: Schalke überzeugt dabei weniger durch Glanz, dafür umso mehr durch Leidenschaft.

Funkel: Sie spielen vielleicht nicht immer den attraktivsten Fußball, aber das ist nicht immer entscheidend. Am Ende zählen Ergebnisse. Und die sind durchweg positiv. Man spürt den Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Trainer, aber auch zwischen Trainer und Fans. Er geht offen auf die Fans zu, läuft mit in die Kurve, zeigt, dass er versteht, wie Schalke funktioniert.

ran: Leidenschaft, Fannähe: Wie sehr wirkt sich das in dieser Saison sportlich aus?

Funkel: Das ist überall wichtig, im Pott aber ganz extrem. Genau das wollen die Fans sehen: Leidenschaft, Einsatz, sich in jeden Ball werfen, keinem Zweikampf aus dem Weg gehen. Schalke steht kompakt, arbeitet extrem viel gegen den Ball und dann ist auch ein 1:0 ein gutes Ergebnis. Sie haben einige Spiele mit einem Tor Unterschied gewonnen. Und das ist kein Zufall. Schalke erlebt gerade eine Saison, wie man sie dort seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen hat. Das ist stark. Und am Ende gibt es zwei zentrale Verantwortliche dafür: den Trainer und Frank Baumann.

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FC Schalke 04: Baumann genau der Richtige

ran: Sportvorstand Frank Baumann mit seiner Art genau der Richtige für diesen oft unruhigen Klub?

Funkel: Absolut. Er ist ein ganz großer Grund dafür, dass jetzt wieder Ruhe im Verein herrscht. Frank hat schon als Spieler und später als Funktionär bei Werder Bremen immer Ruhe, Sicherheit und Stärke ausgestrahlt. Dafür braucht es nicht viele Worte, sondern klare Taten. Und die liefert er auf dem Platz, im Büro, in seinen Entscheidungen. Das sieht man jetzt auch auf Schalke. Vor allem bei der Trainerentscheidung, die viele zunächst kritisch gesehen haben, weil der Name nicht jedem geläufig war. Aber Frank hat sich im Vorfeld sehr genau informiert, intensive Gespräche geführt und die bisherigen Erfolge geben ihm zu hundert Prozent recht.

ran: Trotzdem ist die konstante Ruhe rund um den Klub überraschend. Wie erklären Sie sich das noch?

Funkel: In erster Linie durch den sportlichen Erfolg. Der bringt automatisch Ruhe. Entscheidend ist aber auch, dass die handelnden Personen diese Ruhe ausstrahlen. Gerade dann, wenn es einmal nicht läuft. Solche Phasen wird Schalke irgendwann auch wieder erleben. Umso wichtiger ist es, dann besonnen zu bleiben, um zurück in die Spur zu finden. Ruhe im Misserfolg gibt es im heutigen Fußball kaum noch, sie ist aber enorm wichtig. Und genau diese Ruhe sehe ich auch auf Schalke, beim Trainer und bei Baumann. Sie mussten das bislang kaum unter Beweis stellen, weil Schalke mehr gewinnt als verliert. Aber Ruhe zeigt sich nicht nur im Erfolg, sondern vor allem dann, wenn es enger wird. Und diese Phase kann kommen, wenn der Vorsprung auf die Plätze dahinter kleiner wird.

ran: Kann es dann tatsächlich nochmal eng werden?

Funkel: Schalke steht bei 37 Punkten. Ich bin überzeugt: Wenn sie in der Rückrunde noch 25 Zähler holen – und das wären zwölf weniger als in der Hinrunde –, dann stehen sie bei 62 Punkten. Das sollte für den Aufstieg reichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schalke weniger holt, weil die Defensive einfach herausragend ist. Dazu kommt ein sehr starker Torwart. Wenn es keinen totalen Einbruch gibt – und den kann ich mir aktuell nicht vorstellen –, dann ist die Chance absolut da, dass Schalke nächste Saison wieder erstklassig spielt. Ich bin davon überzeugt, dass sie unter die ersten Drei kommen, ich gehe von einem direkten Aufstieg aus.

ran: Halten Sie Schalke also für gefestigt genug, um auch schwierige Phasen zu überstehen?

Funkel: Ja, das glaube ich. Frank Baumann steht für Stabilität, und auch Muslic macht einen sehr ruhigen, sachlichen Eindruck – gerade in Interviews. Natürlich zeigt er nach Spielen Emotionen, vor allem nach Siegen. Das gehört auf Schalke dazu und kommt bei den Fans gut an. Dass er mit der Mannschaft in die Kurve geht, passt perfekt zum Klub. Gleichzeitig ist er aber reflektiert genug, um nüchtern zu analysieren, was gut war und was noch gefehlt hat. Seine Aussagen sind klar, deutlich und ehrlich. Das tut Schalke gut. Deshalb bin ich überzeugt, dass selbst dann, wenn es mal drei oder vier Spiele ohne Sieg geben sollte, im Verein wegen genau dieser beiden Personen die Ruhe bewahrt wird.

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FC Schalke 04: Zurückhaltung genau richtig

ran: Das Wort Aufstieg wird so gut es geht vermieden. Ist das der richtige Weg?

Funkel: Ja, das ist der richtige Weg. Man ist zuletzt ein wenig offensiver geworden und hat zumindest angedeutet, dass man das Ziel im Blick hat – aber eben nicht als klare Ansage. Und das ist gut so. Nach den vergangenen Jahren, in denen es sportlich extrem schwierig war und man vor nicht allzu langer Zeit sogar mit einem Bein in der dritten Liga stand, ist diese Zurückhaltung genau richtig. Alles andere muss die Mannschaft auf dem Platz zeigen. Die Konkurrenz ist stark, da sind einige andere Mannschaften, die ebenfalls wieder nach oben wollen. Wie zum Beispiel der erste Rückrundengegner Hertha BSC. Dieses Spiel ist direkt ein wichtiger Gradmesser. Aber wenn ich mir anschaue, wie Schalke diese ersten 17 Spiele absolviert hat, bin ich sehr optimistisch, dass sie es in dieser Saison schaffen können.

ran: Zehn Gegentore sind aufstiegsreif, 22 eigene Treffer eher nicht. Bräuchte Schalke im Winter noch einen klassischen Knipser?

Funkel: Die Mannschaft ist erfolgreich, und das ist das entscheidende Argument. Kenan Karaman hat sich im Laufe der Hinrunde stetig gesteigert, nachdem er die Vorbereitung verletzungsbedingt nicht komplett absolvieren konnte. Mit einer vollen Wintervorbereitung wird er noch stärker werden und mehr Tore erzielen. Auch die anderen Spieler werden ihren Beitrag leisten. Natürlich kann jede Mannschaft einen Torjäger gebrauchen, aber wer garantiert dir, dass ein Wintertransfer sofort funktioniert? Wintertransfers sind generell schwierig, gerade bei Spielern, die Tore schießen. Solche Spieler gibt man ungern ab. Ich glaube deshalb nicht, dass Schalke zwingend nachlegen muss. In dieser Konstellation kann die Mannschaft genau das umsetzen, was es für einen Aufstieg braucht.

ran: Ein paar Kilometer weiter stellt man sich bei Ihrem Ex-Klub VfL Bochum auch die Frage: Was ist eigentlich passiert?

Funkel: Manche Entwicklungen lassen sich nicht bis ins letzte Detail erklären. Dieter Hecking hat zuvor durchaus gute Arbeit geleistet. Nach seiner Freistellung hat Uwe Rösler die Mannschaft sehr schnell erreicht. Und dann kam etwas Entscheidendes hinzu: die ersten Ergebnisse. Und plötzlich war das Selbstvertrauen wieder da. Rösler hat es bis zum Winter sehr gut gemacht. Jetzt wird man sehen müssen, wie es nach der kurzen Pause weitergeht. Entscheidend wird sein, ob sich Bochum weiter stabilisiert und an die Ergebnisse zum Ende des Jahres anknüpfen kann. Insgesamt ist die Entwicklung aber klar positiv.

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Funkel: VfL Bochum "muss höllisch aufpassen"

ran: Zwölf Punkte Rückstand nach oben zu Platz drei, vier Punkte Vorsprung nach unten auf Rang 16. Was ist für den VfL realistisch?

Funkel: Bochum muss höllisch aufpassen. Der Blick muss ganz klar nach unten gehen. Alles andere wäre unrealistisch. Nach oben sind es zu viele Punkte und zu viele Mannschaften, die man überholen müsste. Entscheidend ist, dass Bochum so stabil weiterspielt wie zuletzt. Dann kann man mit dem Saisonverlauf nach diesem schwierigen Start zufrieden sein – vielleicht sogar mit einem einstelligen Tabellenplatz. Aber man darf auf keinen Fall glauben, der Klassenerhalt sei schon geschafft. Das weiß man in Bochum auch. Es kann jederzeit wieder eine Phase kommen, in der man drei oder vier Spiele nicht gewinnt. Dann wird die Nervosität sofort wieder größer und andere Mannschaften ziehen vorbei. Bochum muss also achtsam bleiben. Ich bin aber überzeugt, dass sie die Klasse halten werden.

ran: Ein Aufstiegs-Angriff ist für Sie also ausgeschlossen?

Funkel: Ja. Bei zwölf Punkten Rückstand auf Platz drei halte ich es nicht für realistisch, darüber überhaupt nachzudenken.

ran: Wie sehen Sie den Verein insgesamt aufgestellt, auch nach den Veränderungen in der Führungsebene?

Funkel: Ich habe immer eine gewisse Sympathie für den VfL Bochum. Ich war dort selbst Trainer, das ist ein toller Verein. Wie gut oder weniger gut der Klub für die kommenden Jahre aufgestellt ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Die handelnden Personen sind noch nicht lange in der Verantwortung. Was man sagen kann: Die Entscheidung auf der Trainerposition scheint aktuell die richtige zu sein. Wie nachhaltig das ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Vier Punkte Vorsprung auf den Abstiegsplatz sind kein großes Polster. Deshalb gilt es, dem Verein insgesamt Zeit zu geben.

ran: Mit diesem Kader müsste man doch eigentlich aufsteigen können – oder?

Funkel: Vor der Saison war das ein berechtigtes Ziel. Mit diesem Kader kann man aufsteigen. Ob man es muss, ist eine andere Frage. Nach der Hinrunde sollte man allerdings realistisch bleiben. Bei zwölf Punkten Rückstand nach oben müsste man zehn, elf oder zwölf Spiele gewinnen, um das aufzuholen. Das halte ich für nicht realistisch. Deshalb spricht aktuell vieles für eine sorgenfreie Saison. Trotzdem muss man den weiteren Verlauf abwarten, gerade wenn es einmal etwas negativer wird.

ran: Sie klingen skeptisch.

Funkel: Bisher war das sehr gut, keine Frage. Aber ich bin grundsätzlich vorsichtig mit Prognosen, wenn es darum geht, wie sich eine Entwicklung über eine gesamte Rückrunde trägt. Entscheidend wird sein, wie alle Beteiligten reagieren, wenn es einmal einen Durchhänger gibt: Wie geht der Trainer damit um? Wie reagiert die Mannschaft? Wie verhalten sich die Verantwortlichen im Verein? Genau in solchen Phasen zeigt sich, wie stabil ein Konstrukt wirklich ist.

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