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Hamburger SV gegen Stefan Kuntz - Vorwürfe, Entwicklungen und Aussagen im Überblick

  • Aktualisiert: 27.01.2026
  • 15:01 Uhr
  • Mike Stiefelhagen

Die Trennung des Hamburger SV von Stefan Kuntz endet im medialen Feuerwerk. ran fasst die Ereignisse zusammen.

von Mike Stiefelhagen

Der Hamburger SV hat sich vor rund einem Monat von Sportvorstand Stefan Kuntz getrennt. Seitdem gab es einige Statements beider Parteien, wie es dazu kam.

Zunächst wurden "private und familiäre" Gründe genannt. Mittlerweile besteht der Verdacht sexueller Belästigung von fünf Frauen innerhalb des Vereins - wobei jedoch die Unschuldsvermutung gilt. Öffentlich widersprechen sich der HSV und Kuntz gegenseitig.

ran fasst das Geschehen zusammen.

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HSV-Aus: Das sagt Stefan Kuntz

Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" und in Absprache mit seinen Anwälten schildert Kuntz das HSV-Aus wie folgt:

Am 18. Dezember 2025 haben die HSV-Aufsichtsräte Michael Papenfuß und Henrik Köncke ihn in seinem Büro aufgesucht. Diese haben ihm dort erstmals offenbart, dass es Vorwürfe von Frauen gegen ihn gebe, die der Verein habe untersuchen lassen. Es gehe um sexuelle Belästigung. Vor seinem Büro habe bereits ein Rechtsanwalt der Kanzlei gewartet, die die Ermittlungen übernahm und die Vorwürfe als glaubhaft einstufte.

Kuntz zufolge entstand der Eindruck, dass niemand seine Sicht der Dinge hören wolle. Einer der beiden Aufsichtsräte habe ihm sogar noch gesagt, zwischen ihnen gebe es kein Vertrauensverhältnis mehr. Laut Anwalt Christian Schertz wisse Kuntz nicht, "was ihm von welcher Person und in welcher Situation konkret vorgeworden wird".

Die fünf Frauen werfen Kuntz verbale Belästigungen, unangemessene Berührungen und Anzüglichkeiten vor. Kuntz weist diese Anschuldigungen zurück, gesteht lediglich, zu viele schlechte Sprüche in falscher Umgebung gemacht zu haben, arglos und zu herzlich im Kontakt mit Mitarbeitenden gewesen zu sein und die in seiner Position angemessene Distanz nicht gewahrt zu haben.

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Kuntz sagte gegenüber der Anwältin auch, dass Mitarbeiterinnen seine Nähe gesucht und ihm private Dinge anvertraut hätten. Eine Frau habe Trost nach einer Trennung gesucht, eine andere angeboten, eine Möbellieferung in seiner Wohnung zu überwachen.

Er berichtet sogar noch von einer Begebenheit rund um eine Mallorca-Reise in der spielfreien Woche vom 10. bis 17. November. Noch in Hamburg habe ihn eine Mitarbeiterin angesprochen und verraten, dass sie zur selben Zeit auf der Insel sein werde. Es sei zwar über ein Treffen vor Ort diskutiert worden, doch dazu sei es nicht gekommen. Auf den entsprechenden Chat habe er jedoch keinen Zugriff mehr.

Bei der Frau soll es sich um eine der fünf handeln, die die Vorwürfe erheben. Zumindest teilweise seien die von ihr geschilderten Vorkommnisse schon vor dem lockeren Mallorca-Austausch passiert.

HSV-Aus: Stefan Kuntz stellt eigene Strafanzeige

Kuntz' befreundete Anwältin, über die der Ex-Profi am 12. Dezember Strafanzeige stellte, berichtete, bereits im November 2024 von Kuntz kontaktiert worden zu sein. Dabei habe Kuntz von anonymen Anrufen erzählt, bei denen sich niemand gemeldet habe oder nur Atemgeräusche zu hören gewesen seien.

Im Frühsommer habe er ihr dann geschildert, im Büro und an seinem Auto seien anonyme Liebesbotschaften aufgetaucht. Einige habe er aufgehoben, es habe sich um Notizzettel mit immer derselben Handschrift gehandelt, die in Umschlägen steckten.

Letztlich habe er die erwähnte Anzeige gegen Unbekannt gestellt, zu der ihn die Anwältin eher habe drängen müssen.

Brisant: Kuntz reichte die Anzeige wenige Tage nach Beginn der internen HSV-Untersuchungen Anfang Dezember ein. Inwiefern das mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung zusammenhängt ist unklar.

Laut "Spiegel" soll die Kanzlei, die die Anzeige in Kuntz' Namen erstattet hatte, diese am 8. Januar zurückgezogen haben - also kurz bevor die Vorwürfe gegen ihren Klienten öffentlich wurden.

Ermittelt wird allerdings weiterhin, ist die Behörde doch verpflichtet, den Sachverhalt zu prüfen.

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Kuntz-Aus: Das sagt der HSV

Das HSV-Gremium nannte in einer ersten Stellungnahme die Vorwürfe gegen Kuntz "glaubwürdig".

Darin hieß es: "Im Dezember 2025 sind an den Aufsichtsrat der HSV Fußballmanagement AG Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens von Stefan Kuntz herangetragen worden. Der Aufsichtsrat hat gemäß seiner Verantwortung sofort nach Kenntnisnahme der Vorwürfe mit Unterstützung spezialisierter externer Anwälte die Aufklärung der Vorfälle eingeleitet. Nach sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind, hat der Aufsichtsrat umgehend entschieden, eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben."

Nach Kuntz' "SZ"-Interview legte auch der HSV öffentlich nach.

Im Wortlaut: "Die von Stefan Kuntz verbreiteten Aussagen zu den Hintergründen seines Ausscheidens machen folgende Richtigstellungen erforderlich: Das von mehreren Hinweisgebenden unabhängig voneinander glaubhaft geschilderte Fehlverhalten, das zu internen Ermittlungen führte, umfasst zahlreiche schwerwiegende Pflichtverletzungen, die jeden verantwortungsvollen Aufsichtsrat zum Handeln veranlassen mussten. Nicht nur die in solchen Fällen geltenden (arbeitsrechtlichen) Fristen, sondern auch die Verantwortung für die bei uns tätigen Mitarbeitenden und die Verteidigung der Werte des HSV geboten ein rasches und konsequentes Handeln des Aufsichtsrates."

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HSV-Aus: So spielte es sich Kuntz zufolge ab

Die "SZ"-Recherchen ergaben, dass sich am 4. Dezember eine Mitarbeiterin des HSV an eine Person des Aufsichtsrates gewendet habe. Zuvor seien nirgendwo im Verein Vorwürfe gegen Kuntz erhoben worden. Am 5. Dezember habe das siebenköpfige Aufsichtsratsgremium demnach entschieden, eine Untersuchung einzuleiten. Fünf Tage sei die Hamburger Kanzlei "Even" beauftragt worden.

Als Kuntz gut eine Woche darauf mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, habe er noch darum gebeten, ihn anzuhören. Doch ihm sei entgegnet worden, er solle sich lieber das Wochenende über Zeit nehmen, anstatt sich in dieser emotional aufgewühlten Situation einzulassen. Wolle er angehört werden, bestehe auch das Risiko, dass sich der Vorgang nicht mehr vor der Öffentlichkeit verbergen lasse.

Wenig später habe seinen Anwälte, die sich auch noch mit den Anwälten des HSV trafen, der erste Entwurf für einen Aufhebungsvertrag vorgelegen. Am 27. Dezember sei Kuntz‘ Rechtsvertretern eine Frist bis zum Abend gesetzt worden, um das "faire Angebot" anzunehmen - andernfalls würde der Aufsichtstrat die "Weiterführung der internen Untersuchung" und die "erforderlichen gesellschaftsrechtlichen und vertragsrechtlichen Maßnahmen" einleiten.

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Das Angebot habe gelautet: Kuntz soll für drei Monate den ganzen Lohn und für die weiteren drei Monate bis Vertragsende 50 Prozent erhalten, beide Seiten Stillschweigen vereinbaren. Auf Wunsch des HSV sei Kuntz in dem Schriftstück dazu verpflichtet worden, seine Anzeige, über die er den Verein inzwischen informiert hatte, zurückzuziehen

Vom Verein sei Kuntz zudem das Angebot unterbreitet worden, ihm "ein wohlwollendes Arbeitszeugnis" auszustellen, das Kuntz ablehnte.

Laut "SZ" muss jede der Parteien der anderen eine Vertragsstrafe von 100.000 Euro für den Fall zahlen, dass sie von der offiziellen Sprachregelung abweicht, laut der "private familiäre Gründe" zur Trennung führten. Die Frauen, die die Vorwürfe erhoben, durften ihre protokollierten Aussagen nur in einem geschützten Datenraum gegenlesen, es sollten keine Dokumente kursieren.

Zudem sei die HSV-Belegschaft per Mail darauf hingewiesen worden, sich nicht gegenüber der Presse zu äußern. Kuntz sei in dem Aufhebungsvertrag dazu verpflichten worden, keine Gerüchte zu verbreiten, er sei "Opfer einer Intrige innerhalb des HSV" geworden.

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Kuntz-Aus: So spielte es sich dem HSV zufolge ab

Auch auf diese Darstellung reagierte der HSV und schilderte aus Vereinsperspektive den Ablauf der Ereignisse:

"Die wiederholte Behauptung, Stefan Kuntz sei über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht informiert worden und habe keine Möglichkeit erhalten, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften, ist nachweislich unwahr: Am 18. Dezember wurde Stefan Kuntz förmlich über die Untersuchung informiert; am 19. Dezember wurden seinen damaligen Anwälten in anonymisierter Form die Inhalte sämtlicher bis dahin vorliegender Zeugenaussagen mitgeteilt.

Nachdem Stefan Kuntz am 20. Dezember (am Rande eines Heimspiels gegenüber Mitgliedern des Aufsichtsrates) mitteilte, Stellung nehmen zu wollen, wurden ihm über seine Anwälte zwei Termine (22./23. Dezember) für die Anhörung angeboten; hierauf gingen Stefan Kuntz und seine Anwälte nicht ein. In der Folge unterbreitete der HSV-Aufsichtsrat auf Wunsch von Stefan Kuntz bis zum 27. Dezember zwei weitere konkrete Anhörungstermine, die von Stefan Kuntz oder seinen Anwälten verschoben oder abgesagt wurden. Am 27. Dezember informierte uns Stefan Kuntz über einen Wechsel seiner Anwälte und bat um einen Anhörungstermin am 29. Dezember ab 11 Uhr. Diesen Termin hat der Aufsichtsrat gegenüber den neuen Anwälten bestätigt.

Am Vorabend dieses Termins teilte Stefan Kuntz über seine Anwälte mit, doch nicht mehr für eine Anhörung zur Verfügung zu stehen und den Termin stattdessen für die Verhandlung des Aufhebungsvertrages nutzen zu wollen. Eine Anwesenheit bei diesem Termin lehnte Stefan Kuntz ab. Den neuen Anwälten von Stefan Kuntz wurde in diesem Termin angeboten, die bis dato ermittelten Vorwürfe erneut detailliert mitzuteilen. Die neuen Anwälte von Stefan Kuntz lehnten dies ab und teilten mit, die Vorwürfe seien ihnen bekannt."

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Der HSV widersprach Kuntz auch im Punkt der Wahlmöglichkeit: "Es trifft ferner nicht zu, dass zu Stefan Kuntz gesagt wurde, seine Anhörung könne zu einem öffentlichen Bekanntwerden der Vorwürfe führen.

Tatsächlich wurde ihm gesagt, dass eine einvernehmliche Aufhebungsvereinbarung eine Möglichkeit sei, eine längere und möglicherweise öffentlich werdende Untersuchung zu vermeiden. Ob dies sinnvoll sei, könne er, da er die Berechtigung der Vorwürfe kenne, selbst am besten beurteilen. Auf dieser Grundlage hat sich Stefan Kuntz, beraten durch mehrere Anwälte, aus freien Stücken für den Abschluss der Aufhebungsvereinbarung entschieden.

In diesem Zusammenhang hat Stefan Kuntz über seine Anwälte die Rücknahme seiner Strafanzeige vorschlagen lassen, damit der Wunsch, die Trennung diskret zu kommunizieren, nicht vereitelt wird. Inzwischen wissen wir, dass der Inhalt dieser, uns erst seit dem 30. Dezember vorliegenden Strafanzeige mindestens in Teilen nachweislich unwahr ist.

Der Aufsichtsrat des HSV hält es im Interesse sämtlicher betroffener Personen für bedauerlich, dass diese öffentlichen Richtigstellungen erforderlich geworden sind, und bittet um Verständnis, dass er weder die selbst festgestellten Pflichtverletzungen im Einzelnen mitteilen wird, noch Medienberichte Dritter zu angeblichen sonstigen Sachverhalten kommentieren kann."

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