Trotz sportlichem Höhenflug
TSG Hoffenheim: Machtkampf im Chaos-Klub eskaliert - auch Sportboss Schicker vor Aus
- Aktualisiert: 05.02.2026
- 08:52 Uhr
- Martin Volkmar
Trotz des sportlichen Höhenflugs der TSG Hoffenheim soll in Andreas Schicker auch der vierte Geschäftsführer zum Abschied gedrängt werden. Dahinter steckt offenbar ein Machtkampf zwischen Mäzen Dietmar Hopp und den Ultras.
Von Martin Volkmar
Mit breiter Brust fährt die TSG Hoffenheim am Sonntag zum Spitzenspiel beim FC Bayern München.
Dank der erfolgreichen Arbeit von Trainer Christian Ilzer und vor allem Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker, der trotz des Fast-Abstieg im Vorjahr am Coach festhielt und den Kader dann entscheidend verstärkte, stehen die Kraichgauer glänzend da.
Nach fünf Siegen in Folge seit der Winterpause ist der Tabellendritte nach Punkten so gut wie zuletzt in der ersten Bundesliga-Saison, als man unter Ralf Rangnick Herbstmeister wurde.
TSG Hoffenheim: Schon drei Geschäftsführer weg
Und das, obwohl in der Führung des selbst ernannten Dorfvereins aus Sinsheim Chaos herrscht - und es offenbar immer schlimmer wird.
Seit Beginn der auf dem Platz so erfolgreichen Spielzeit ist der Präsident zurückgetreten und drei der ursprünglich vier Geschäftsführer gingen alles andere als freiwillig.
Nachdem die TSG im November Frank Briel und Markus Schütz rauswarf, trennte man sich erst am Dienstag von Tim Jost, offiziell einvernehmlich.
Nach ran-Informationen war der ehemalige Zweitliga-Handballer aber unzufrieden darüber, dass ihm die Gesellschafter Unterstützung und Rückendeckung für seine ambitionierten Pläne für die Bereiche außerhalb des Sports verweigerten.
Weil sowohl die beiden bisherigen Vize-Präsidenten Christoph Henssler und Frank Engelhardt als auch Geldgeber und Klubmäzen Dietmar Hopp der fußballerische Erfolg deutlich wichtiger ist, weshalb Sportchef Andreas Schicker zum einzig verbliebenen Geschäftsführer aufrückte.
TSG Hoffenheim: Wirft Schicker nach dem Bayern-Spiel hin?
Doch die neue Rolle als alleiniger Hoffenheim-Boss wurde fast zeitgleich Makulatur. Denn auch der Österreicher steht unmittelbar vor dem Aus!
Wie ran bestätigt wurde, ist ein Berichte der "Bild" zutreffend, dass der aus der Ultra-Szene stammende Henssler Schicker absetzen will.
Der gerade 29-Jährige hat am Montag, also direkt nach dem Topspiel bei Bayern, eine Gesellschafterversammlung angesetzt. Dort soll Schicker zum Sportdirektor degradiert werden und sich stattdessen unter einer Interims-Geschäftsführung einreihen.
Diese soll interessanterweise aus zwei früheren Vertrauten des gefeuerten Ex-Bosses Schütz bestehen: Vereinsjustiziar Arno Metz und der für "People and Culture" zuständigen Asmaham Gamgani, einer früheren Baumarkt-Angestellten.
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Geht der Sportchef doch noch nach Wolfsburg?
Höchst unwahrscheinlich, dass sich Schicker diese Ausbootung gefallen lässt, nachdem er ja erst vor wenigen Wochen ein lukratives Angebot des VfL Wolfsburg ausschlug - angeblich wegen einer maßgeblich von Hopp unterstützten deutlichen Gehaltserhöhung und der auch von Henssler gemachten Zusage erheblicher Handlungsfreiheit.
Zumal die Wolfsburger offenbar immer noch nach einem Nachfolger des stark in der Kritik stehenden Geschäftsführers Peter Christiansen suchen.
Und auch sonst wird Schicker, den auch Red Bull Salzburg holen wollte, mit seiner erfolgreichen Arbeit bei Sturm Graz und nun in Hoffenheim nicht lange auf interessante Angebote warten müssen.
TSG Hoffenheim: Droht auch ein Abgang von Trainer Ilzer?
Bei einem Abgang könnte aber auch der eng mit seinem Landsmann verbundene Trainer Ilzer hinwerfen und die TSG stünde noch mehr als ohnehin schon als größter Chaos-Klub der Bundesliga da.
Neuer Boss wäre dann endgültig Fanvertreter Henssler, der sich angeblich auch gerne auf der Mitgliederversammlung im März mit der Unterstützung der Ultras zum neuen Präsidenten wählen lassen will - wofür allerdings erst eine Satzungsänderung nötig wäre, da er noch nicht drei Jahre Vereinsmitglied ist.
Naheliegend, dass Dietmar Hopp nun um die Zukunft "seines" Vereins fürchtet und daher alle verbliebenen Hebel in Bewegung setzt, um das Aus für Schicker und die vollständige Machtübernahme von Henssler zu verhindern.
Die kommenden Tage dürften spannend werden im Kraichgauer Intrigantenstadel. Und das völlig unabhängig vom sportlichen Kracher gegen den FC Bayern.