Champions League
Borussia Dortmund - "Wir werden ihn brauchen": Löst Luca Reggiani die Personalprobleme des BVB?
- Veröffentlicht: 18.02.2026
- 07:28 Uhr
- Justin Kraft
Luca Reggiani feiert ein starkes Startelfdebüt für den BVB. Das Lob seiner Teamkollegen ist riesig. Kann er die Personalprobleme lösen?
"Wir werden ihn brauchen", sagte Julian Brandt nach dem 2:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen Atalanta in der Champions League und betonte dabei, dass einige der Innenverteidiger wohl noch eine Weile ausfallen werden.
Die Rede ist von Luca Reggiani, der ausgerechnet im so wichtigen Playoff-Hinspiel sein Startelfdebüt für den BVB feierte – und überzeugte. Der 18-Jährige durchlief eine komplizierte Anfangsphase, schaffte es jedoch, sich zu keinem Zeitpunkt verunsichern zu lassen. Ein bemerkenswerter Auftritt.
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"In dem Alter, mit wenig Trainingseinheiten bei uns" habe der Innenverteidiger laut Brandt "ein gutes Spiel gemacht". Niko Kovac brachte zuvor den Mut auf, die Startelf nicht zu sehr umzubauen, sondern den jungen Italiener aufzustellen und so beispielsweise Julian Ryerson auf dem Flügel zu belassen.
Eine goldrichtige Entscheidung. Ryerson spielte die Vorlage zum frühen 1:0 und Reggiani erlaubte sich kaum Fehler. Nur einmal kam er in einem Zweikampf deutlich zu spät und holte sich die Gelbe Karte ab. Eine Verwarnung, die in der 18. Minute sein komplettes weiteres Spiel hätte beeinflussen können.
Doch der U19-Spieler des BVB blieb ruhig, zeigte keinerlei Anzeichen von Nervosität und beendete das Spiel souverän und stabil.
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Luca Reggiani kann dem BVB vor allem gegen den Ball helfen
Charakteristiken, die ihn besonders auszeichnen. In Dortmunds U17 und U19 war der Innenverteidiger sehr zweikampfstark unterwegs, gewann zwischen 2023 und heute laut "Wyscout" rund 70 Prozent seiner Defensivduelle. Als er jüngst gegen den FSV Mainz 05 sein Bundesliga-Debüt feierte, gewann er alle vier seiner Zweikämpfe.
Reggiani ist kein sonderlich extrovertierter Typ auf dem Feld, erledigt seine Aufgaben aber mit einer Präzision und Sicherheit, die ansteckend für seine Teamkollegen sein kann. Nicht umsonst ist er in der Youth-League-Mannschaft der Dortmunder zuletzt der Kapitän gewesen.
Eine verantwortungsvolle Rolle, die ihm aktuell auch dabei helfen dürfte, in die für den BVB komplizierte Situation hineinzuwachsen. Weder gegen Mainz noch gegen Atalanta war Reggiani einer der herausragenden Spieler auf dem Feld. Aber er fiel auch nicht ab und erfüllte die Erwartungen mit einer Selbstverständlichkeit, die in diesem Alter beeindruckend ist.
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BVB: Reggiani passt gut zu Niko Kovac
In der Innenverteidigung haben sich über die letzten Jahre verschiedene taktische Rollen entwickelt, weil die Position immer bedeutender wurde – gerade in Ballbesitz. Mit dem Ball gibt es spielmachende Innenverteidiger, die viele vertikale Lösungen suchen und es gibt jene, die sich durch Sicherheit auszeichnen.
Reggiani zählt eher zu Letzteren, ohne dabei aber die Qualität im Passspiel komplett vermissen zu lassen. Der U-Nationalspieler kann durchaus vertikale Lösungen anbieten oder auch mal eine lange Seitenverlagerung spielen. Beides war gegen Mainz und Atalanta zu sehen. Aber seine größten Stärken liegen in der Arbeit gegen den Ball.
Dort ist er eine gute Absicherung für aggressive Innenverteidiger, die es mögen, auch mal aus der Abwehrkette herauszurücken. Am Dienstagabend rückte Waldemar Anton hin und wieder aus seiner Position und Reggiani bewegte sich klug in den dadurch entstehenden Raum, wodurch er die Tiefe absichern konnte.
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Ohnehin löst er viele Defensivsituationen eher damit, die Szene richtig zu antizipieren und zu lesen, statt sofort physischen Kontakt zu suchen. Sein Stellungsspiel und sein Timing zeichneten ihn in den U-Wettbewerben aus. Damit passt er gut zum Fußball von Kovac, der viel taktische Disziplin von seinen Innenverteidigern verlangt und es ungern sieht, wenn sie zu sehr aus ihrer Position gezogen werden.
Luca Reggiani mit einem souveränen Debüt
Wie schnell sich der Kader in der Innenverteidigung wieder füllt, ist ungewiss. Ebenso ungewiss ist, ob ein 18-Jähriger die Lücke in den anstehenden Tagen und Wochen füllen kann. Für den BVB stehen wichtige Spiele an, die Gegnerqualität wird nun zunehmen.
Es wäre nicht überraschend, wenn der junge Reggiani hier und da noch etwas Lehrgeld bezahlen würde. Allerdings, und das zeigten seine bisherigen Minuten im Profitrikot, würde es auch nicht wirklich überraschen, wenn er in dieser Phase einfach weiter so macht und niemand mehr über die Ausfälle sprechen wird.
Wer in einem Champions-League-Spiel in der Lage ist, eine frühe Gelbe Karte so abzuschütteln und dann trotzdem nicht das Selbstvertrauen verliert, die Zweikämpfe mit der nötigen Härte zu führen, der hat zumindest mal ein gutes Bewerbungsschreiben für weitere Einsätze hinterlassen.
Klar ist auch, dass die Erwartungshaltung gesund bleiben sollte. Reggiani hat zwei souveräne Auftritte hingelegt – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Und mit exakt dieser Souveränität kann er demnächst noch sehr wertvoll sein in einem Kader, in dem die Innenverteidiger häufiger mal ausfallen.