Champions League
FC Bayern München: Sieg auf Sparflamme gegen Union Saint-Gilloise - FCB muss im Erfolg die Warnzeichen erkennen
- Aktualisiert: 22.01.2026
- 12:34 Uhr
- Justin Kraft
Der FC Bayern München bleibt in der Champions League erfolgreich - und gewinnt trotz einiger Probleme. Die Erkenntnisse zum 2:0 gegen Union Saint-Gilloise.
Mit dem 2:0-Sieg gegen Union Saint-Gilloise sichert sich der FC Bayern München einen Platz in den Top-4 der Champions League – und qualifiziert sich so vorzeitig für das Achtelfinale.
Am letzten Spieltag geht es "nur" noch darum, den zweiten Rang zu sichern oder sogar noch den Tabellenführer FC Arsenal anzugreifen. Die "Gunners" sind drei Punkte und fünf Tore besser als der FCB.
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Entsprechend war die Stimmung nach dem Spiel am Mittwochabend gut beim Rekordmeister. Auch Trainer Vincent Kompany wollte sich vor allem auf das fokussieren, was ihm gefiel - und das war vor allem die Leistungssteigerung in den zweiten 45 Minuten.
Intern wird das sicherlich etwas anders sein. Denn der Belgier dürfte auch einiges gesehen haben, was ihm nicht gefallen kann. Will man in der K.-o.-Phase erfolgreich sein, wird man die Warnzeichen jetzt ernst nehmen müssen.
ran hat fünf Erkenntnisse zum Sieg gegen Union Saint-Gilloise.
FC Bayern: Doch ein Qualitätsproblem in der Defensive?
Eine der größten Errungenschaften von Kompany ist in dieser Saison, dass die Bayern weniger Gegentore kassieren - pro 90 Minuten sind es in allen Wettbewerben aktuell 0,93. In der vergangenen Spielzeit waren es noch 1,01. Ein kleiner, aber sehr feiner Unterschied.
Zuletzt ging der Schnitt aber wieder leicht nach oben. Seit Anfang November haben die Bayern 17 Gegentore in zehn Spielen kassiert, vorher waren es zehn Gegentreffer in 14 Partien. Ein Grund dafür ist, dass Kompany zuletzt wieder stärker rotiert hat und auch rotieren musste.
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Vor allem auf der defensiven Außenbahn kommt kein Rhythmus rein. Tom Bischof zeigt mit dem Ball regelmäßig, dass er ein hervorragender Ballverteiler ist, aber im Defensivverhalten werden ihm oft genug die Grenzen aufgezeigt. Doch auch gelernte Verteidiger aus der zweiten Reihe sind nicht in der Nähe des Niveaus der Stammverteidiger.
Gegen Union Saint-Gilloise hatten Bischof, Raphael Guerreiro und selbst Min-jae Kim ihre Probleme. Gerade der Südkoreaner, immerhin dritter Innenverteidiger in München, schwankt seit Jahren zwischen starken und unerklärlich schwachen Auftritten.
Die Kaderplaner des FC Bayern müssen die Abwehr genau analysieren und sollten sich überlegen, im Sommer nachzujustieren. Ein dritter Innenverteidiger auf dem Niveau von Dayot Upamecano und Jonathan Tah sowie ein leistungsstabiler Außenverteidiger für die Breite täten dem Team gut.
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FC Bayern: Manuel Neuer zeigt abermalige Reaktion
Gegen Union Saint-Gilloise konnten sich die Bayern aber erneut auf Manuel Neuer verlassen. Wie schon in Leipzig, wo die Chancen des Gegners eigentlich für drei Tore gereicht hätten, war der ehemalige Welttorhüter wieder der Rückhalt, den man sich beim FCB erhofft.
Mit nun 39 Jahren ist das längst nicht mehr so selbstverständlich – wie sein Patzer in Köln gezeigt hat. Fehler wie dieser haben sich gehäuft. Und doch ist es bemerkenswert, dass Neuer auch in seinem für Profifußball hohen Alter immer noch in der Lage ist, die richtigen Reaktionen darauf zu zeigen.
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FC Bayern: Fehlende Präzision im Ballvortrag
Neuer war es auch, der nach dem Spiel passende Worte zur dürftigen ersten Halbzeit seines Teams fand. Dort sei es "spielerisch nicht so leicht" gewesen, "weil wir nicht so sauber und nicht so schnell gespielt haben".
Wie schon zuletzt in den ersten Halbzeiten gegen Wolfsburg, Köln und Leipzig fehlte die Präzision im Ballvortrag. Vor allem in der zweiten Aufbauphase im Mittelfeld und auf den Flügeln sind die Münchner aktuell anfällig für Ballverluste.
Zwar gelang es ihnen schon zu Beginn der Partie, das Spiel immer wieder zu verlagern und so Michael Olise oder Luis Diaz in potenzielle Eins-gegen-eins-Duelle zu schicken, doch die beiden Flügelspieler nutzten ihren Raum kaum aus.
So konnten die Belgier verschieben und der Raumgewinn war kaputt. Die Behäbigkeit führte dazu, dass Angriffe nicht zum Abschluss gebracht wurden und Saint-Gilloise den einen oder anderen Konter nach Ballgewinn ausspielen konnte.
In der K.-o.-Phase müssen die Bayern wieder zu der Präzision finden, die sie über weite Strecken der Hinrunde ausgezeichnet hat andernfalls könnte es schnell eng werden. Teams mit mehr Qualität nutzen diese Räume besser aus.
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FC Bayern: Harry Kane sorgt mal wieder für Schwung
Räume ausnutzen kann bekanntermaßen auch Harry Kane. Am Mittwochabend agierte der Neuner mal wieder in seiner besten Nebenrolle: als Sechser. Immer wieder ließ er sich tief in die eigene Hälfte fallen und verteilte den Ball von dort mit kaum in Worten zu fassenden Pässen.
Teilweise kickte er die Kugel mit dem Vollspann scharf über den gesamten Platz. Und während die TV-Kamera noch damit beschäftigt war, dem Tempo des Balles irgendwie zu folgen, war den Fans im Stadion längst klar: Dieser Pass wird sein Ziel finden.
Ob Laserpässe oder Seitenverlagerungen: Kane ist ein nahezu kompletter Spielmacher. Einmal drehte er sich am eigenen Strafraum um seine eigene Achse und seinen Gegenspieler, um dann einen Pass über 50 Meter zu Olise zu spielen.
Die Geschichte mit dem 100. Elfmetertor wäre sicherlich die Kirsche auf der Torte gewesen. Aber auch abseits seiner Tore ist der Engländer eine Lebensversicherung für den FCB. Nur durch ihn war der Kickstart im zweiten Durchgang überhaupt möglich.
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Der FC Bayern muss seinen Rhythmus wiederfinden
Für die kommenden Wochen ist dennoch klar, dass Kompany Wege finden muss, dass seine Mannschaft wieder von Beginn an Spiele kontrolliert. "Die Gegner versuchen, alles dagegen zu werfen", sagte er bei "DAZN": "In diesen Momenten bist du noch frisch. Manchmal knackt das Spiel in der zweiten Halbzeit, das ist einfach so. Nichtsdestotrotz könnte unsere erste Halbzeit schon besser sein, wir spielen aber auch alle zwei, drei Tage."
So richtig diese Analyse ist, so richtig ist es auch, dass der Schaden der zuletzt schwächeren Anfangsphasen schon deutlich größer hätte sein können. Was wäre gewesen, hätte Leipzig seine zahlreichen Chancen genutzt und die Bayern wären einem 0:3 hinterhergelaufen?
Viel Konjunktiv. Dennoch wird es spätestens im Februar Zeit, wieder an Form aufzubauen, um dann in den entscheidenden Monaten ab März wieder die Leistungen zeigen zu können, mit denen man diese bisher beeindruckende Saison gestartet hat.
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