Formel 1
Formel 1: Darum zerstört Max Verstappen einen Teamkollegen nach dem anderen
- Veröffentlicht: 04.04.2025
- 11:56 Uhr
- Andreas Reiners
Bei Red Bull scheitert in unschöner Regelmäßigkeit ein Teamkollege nach dem anderen an Max Verstappen. Alex Albon erklärt, wie das kommt.
Von Andreas Reiners
Pierre Gasly hat sich an Max Verstappen versucht. Alex Albon auch. Sergio Perez. Und jetzt auch Liam Lawson.
Sie alle sind früher oder später an dem viermaligen Formel-1-Weltmeister gescheitert. Allerdings nicht, weil sie nicht talentiert oder schnell genug sind.
Sondern weil Verstappen einen speziellen Fahrstil hat. Womit er Gasly und Co. in einen Teufelskreis gelockt hat.
In die Verstappen-Falle.
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"Max liebt sehr präzise, sehr spitze Autos mit einem sehr guten Verhalten der Vorderachse und er kann das Heck des Fahrzeugs sehr gut kontrollieren", sagt Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve bei yaysweepstakes.com. "Nicht viele Fahrer sind in der Lage, das konstant so umzusetzen, und auch nicht viele Autos sind so gebaut, dass sie diesem Fahrstil gerecht werden."
Das Wichtigste in Kürze
Max Verstappen: Immer schneller als der Teamkollege
Fakt ist, dass Verstappen in den vergangenen Jahren immer mehrere Zehntelsekunden schneller war als Gasly, Albon und Perez. Alle drei sind aber keine Laufkundschaft, vielmehr sind Gasly und Albon inzwischen etablierte Stammpiloten bei Alpine und Williams.
Dass Verstappen Routinier Perez jahrelang problemlos im Griff hatte zeigt, dass selbst gestandene Piloten wie der Mexikaner in einem fordernden Umfeld und in einem herausfordernden Auto weit unter den eigenen Möglichkeiten bleiben können.
Albon hat im "High Performance Podcast" beschrieben, wie herausfordernd das Duell mit Verstappen werden kann und warum. Er verglich es damit, dass man die Empfindlichkeit eines Computerspiels auf die Spitze treibt und die Maus bewegt, „denn dann saust sie überall über den Bildschirm, und so fühlt sich das an. Es wird so scharf, dass man ein bisschen angespannt ist".
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Red Bull: Auto mit kleinem Performance-Fenster
Das Auto hat dadurch ein extrem kleines Fenster, in dem es funktioniert. Und mit zunehmender Dauer der Saison und der Weiterentwicklung der Autos entsteht ein "Schneeballeffekt", der den Druck auf den Fahrer neben Verstappen noch weiter erhöht.
Albon, der 2019 und 2020 anderthalb Jahre lang mit Verstappen zusammenarbeitete, lag in seiner Zeit bei Red Bull Racing zunächst nicht weit hinter Verstappen.
Im Laufe der Saison aber "will Max, dass sein Auto schärfer und schärfer wird", sagte Albon: "Wenn es schärfer und schärfer wird, wird er schneller und schneller, und damit man aufholen kann, muss man anfangen, ein bisschen mehr Risiko einzugehen."
Was dann auch mal in einem Dreher oder Abflug enden kann. Wodurch man als Fahrer dann aber Selbstvertrauen verliert.
Max Verstappen: Teamkollege im Teufelskreis
Man braucht ein bisschen mehr Zeit, der Rückstand wächst weiter an, "und wenn man das nächste Mal rausfährt, gibt es einen weiteren Dreher oder was auch immer - es fängt an, sich zuzuspitzen. Jedes Mal, wenn das Auto schärfer und schärfer wird, fängt man an, angespannter zu werden", sagte Albon, der sich in einer Spirale befand, aus der man nur schlecht wieder herauskam. In der Zwischenzeit zieht Verstappen im internen Duell immer weiter davon.
Womit sich der Teamkollege im erwähnten Teufelskreis befindet.
So sehen die F1-Autos 2025 aus
"Es ist wie bei jeder anderen Sportart, wenn man nachdenken muss und jedes Mal, wenn man in eine Kurve fährt, nicht weiß, wie das Auto reagieren wird - dann hat man nicht mehr den Flow. Es geht nur noch um das Vertrauen in das Auto, den Flow. Und das funktioniert nicht, es funktioniert nie“, betonte Albon.
Es funktioniert aber für Verstappen.
Der Bolide ist auf ihn, auf seine Wünsche, Fähigkeiten und auf seine Fahrweise ausgerichtet. Verstappen gibt die Richtung des Boliden vor, der Teamkollege muss sich anpassen. Was aber seit Jahren nicht aufgeht, so dass der zweite Red-Bull-Renner traditionell abfällt und zum Sorgenkind geworden ist.
Max Verstappen setzt sich für Liam Lawson ein
Verstappen selbst hatte sich sogar für Lawson eingesetzt, hatte gemeint, "dass das Auto auch für ihn sehr schwierig zu fahren ist", wie Marko bei Formel1.de verriet. Er habe Verstappen aber "erklärt, dass wir, um die WM zu gewinnen, zwei Autos in den Top 10 haben müssen".
Die Realität ist: Verstappen ist WM-Zweiter, Lawson blieb punktlos. Der Niederländer lieferte, auch wenn der RB21 nicht das beste Auto ist. Er baute so den Druck auf, während Lawson mehr Zeit gebraucht hätte, um den Rhythmus zu finden.
Zeit hat man aber in der Formel 1 nicht, bei Red Bull noch weniger.
Marko meinte gar, Lawson, der sich zuvor durch starke Leistungen bei den Racing Bulls für diese Aufgabe empfohlen hatte, „war einfach angeschlagen, so ähnlich wie ein Boxer. Wenn der angeschlagen ist, nimmt man ihn auch aus dem Ring. Das war eine Abwärtsspirale, die wir unterbrechen mussten. Auch um Liams weitere Karriere zu ermöglichen." Denn er macht jetzt bei den Racing Bulls weiter.
Max Verstappen: Ist Tsunoda das nächste "Opfer"?
An seiner Stelle soll sich nun Yuki Tsunoda versuchen, und für ihn ist es eine große Chance. Der 24 Jahre alte Japaner fährt seit 2021 in der Formel 1, die ganze Zeit für das Red-Bull-Schwesterteam. Er kennt Marko, er kennt Horner, er kennt die Anforderungen und Herausforderungen. Den Teufelskreis.
Und damit auch die Verstappen-Falle.