Motorsport
Formel 1: Ralf Schumacher vor dem Saisonstart über seinen WM-Favoriten, Audi und das Aston-Martin-Desaster
- Veröffentlicht: 01.03.2026
- 22:57 Uhr
- Oliver Jensen
Vor dem Saisonstart der Formel 1 spricht Ralf Schumacher über sämtliche Themen der Motorsport-Königsklasse. Er nennt seinen WM-Favoriten, äußert sich über die Situation von Lewis Hamilton und die seines Neffen Mick Schumacher.
von Oliver Jensen
Selten war eine Formel-1-Saison so schwierig vorauszusehen wie die Saison 2026. Das neue technische Reglement könnte die Kraftverhältnisse auf den Kopf stellen - oder auch nicht. Die Saison startet am Sonntag, dem 8. März, mit dem Großen Preis von Australien.
"Sky"-Experte Ralf Schumacher sprach bei einer Medienrunde von "Sky Sport", an der ran teilnahm, über...
... seinen WM-Favoriten: "Vom Gefühl würde ich Kimi Antonelli sagen. Er hat in der zweiten Saisonhälfte eine unglaubliche Entwicklung gemacht – auch im Vergleich zu George Russell. Er kann sich auf neue Situationen gut einstellen. Ich glaube, ihm liegt das neue Konzept. Zudem scheint der Mercedes vorne zu sein."
... die Chancen von Ferrari: "Das Team ist super aufgestellt. Vordergründig würde ich sagen, Charles Leclerc ist derjenige, der um die WM fährt. Ferrari war bei den Testwochenenden relativ aggressiv, hat schon viel gezeigt. Ich glaube, Mercedes hat dafür wenig gezeigt. Das Auto ist noch viel stärker. Aber Ferrari ist auf jeden Fall ein Stück weiter dran als im letzten Jahr."
... Lewis Hamilton: "Ich würde mich für ihn freuen, wenn es besser läuft. Auf der Strecke sah es zuletzt nicht so aus, aber vielleicht klappt es mit dem neuen Konzept. Wenn er einen Ingenieur gefunden hat, mit dem er sich wohlfühlt, ist das wichtig. Es wäre auch für die Formel 1 gut, wenn es mit Ferrari funktioniert."
... den Verlust von Helmut Marko bei Red Bull: "Fachlich geht die Welt weiter. Die Formel 1 ist komplex geworden. Aber als Persönlichkeit wird er fehlen – jemand, der Red Bull verkörpert hat und ansprechbar war. Ich kann seine Entscheidung verstehen. In dem Alter ständig zu reisen, ist anstrengend. Er ist nicht immer einfach, aber ein besonderer Typ. Damit muss man umgehen können."
Kritik von Verstappen - nachvollziehbar, aber schade
... die Kritik von Max Verstappen, Fernando Alonso & Co. am neuen Reglement: "Ich kann die Kritik schon nachvollziehen. Aber es gibt eben dieses neue Reglement, weil man Audi an Bord haben wollte. Für Audi war eine Neuentwicklung notwendig, um überhaupt eine Chance zu haben. Max hat natürlich eine sehr laute Stimme. Er ist ein super Typ, ich mag seine Art und Weise total gerne. Aber wenn die Fahrer jetzt schon kritisieren, bevor das erste Rennen stattgefunden hat, ist das ein bisschen schade."
... die Papaya Rules von McLaren: "Diese Regeln haben bei uns für viel Unterhaltung und Spannung gesorgt. Hätte es diese Regeln nicht gegeben, wäre Lando Norris wohl viel früher Weltmeister geworden. Deshalb hoffe ich, dass es mit den Papaya Rules weitergeht. Aber würde ich dort in der Verantwortung stehen, hätte es diese Regel nicht gegeben. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Fast hätte Max Verstappen ihnen dadurch noch den Titel weggeschnappt."
Formel 1: So sieht der Rennkalender 2026 aus
... die Perspektive von Audi: "Mit Jonathan Wheatley (Teamchef, d. Red.) und Mattia Binotto (Direktor Audi F1, d. Red.) sind erfahrene Leute an Bord. Zudem haben sie einen erfahrenen Piloten (Nico Hülkenberg, d. Red.), der schnell ist, und einen jungen Piloten (Gabriel Bortoleto, d. Red.), der ebenfalls schnell ist. Wichtig ist: Der Konzern muss im Hintergrund bleiben. Die Vorstandsebene sollte sich damit nicht beschäftigen. Das bringt ansonsten Unruhe. Vorstände verändern sich, haben verschiedene Ziele. Das kannst du in der Formel 1 nicht gebrauchen. Das hat Toto Wolff bei Mercedes sehr gut gelöst. Vier oder fünf Jahre Aufbauarbeit brauchen Ruhe – keine kurzfristigen Vorstandseingriffe."
... den schwachen Eindruck von Aston Martin Honda: "Die Frage ist, wie schnell Honda die Probleme in den Griff bekommt. Wenn das zwei, drei Monate dauert, wäre das natürlich ein Riesenrückschlag. Aston Martin steht unter riesigem Druck. Die Erwartung war sehr hoch. Lawrence Stroll ist der alleinige Herrscher da und trifft alle Entscheidungen. Im Moment sieht es so aus, dass er nicht die richtigen Entscheidungen trifft - auch wenn ich die gleichen getroffen hätte. Um Adrian Newey (Teamchef und Ingenieur, d. Red.) mache ich mir keine Sorgen. Der hat schon mal bei McLaren ein schlechtes Auto umgedreht."
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Für Mick Schumacher ist die Tür zur Formel 1 zu
... Mick Schumacher in der IndyCar-Serie: "In den USA gibt es großartiges Racing – aber ich stelle mir immer die Nutzen-Risiko-Frage. Ein Oval mit rund 360 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit ist gefährlicher als ein normales Formel-1-Rennen. Ich konnte den Schritt sportlich nicht ganz nachvollziehen. Aber er ist alt genug, um das selbst zu entscheiden."
... Micks Chance auf eine Rückkehr in die Formel 1: "Ich glaube, es ist klar, dass die Tür nun zu ist - jetzt mit dem Wechsel in die IndyCar-Serie sowieso, aber die Tür war auch vorher schon zu. Es kommen immer wieder neue Talente nach."
... den Grund dafür, dass es in der Formel 1 nicht geklappt hat: "Er hätte aus meiner Sicht – ich weiß, ich bin der Onkel – einen Platz in der Formel 1 verdient. Ob das dann zum siebenfachen Weltmeister gereicht hätte - darum geht es gar nicht. Wenn ich den einen oder anderen Fahrer sehe, ist er definitiv besser. Aber so ist eben die Formel 1, man muss performen - das war bei uns nicht anders. Das erste Jahr an der Seite von Mazepin (Ex-Haas-Teamkollege Nikita, d. Red.) war okay, aber das zweite Jahr sah nicht gut aus. Er war zu weit weg von Magnussen (Ex-Haas-Teamkollege Kevin, d. Red.), dann kamen die Unfälle hinzu. Aber mit einem anderen Teamchef – da bin ich fest von überzeugt – wäre er heute noch in der Formel 1. Ein junger Fahrer braucht Unterstützung und keinen, der permanent über die Medien schreit. Das war nicht hilfreich."
Der Weg in die Formel 1 kostet 15 Millionen Euro
... die Situation im deutschen Motorsport: "Der deutsche Motorsport hat sich im Grunde selbst abgeschafft. Kaum noch eine Kartbahn wird genehmigt – das ist, als würde man den Fußballern die Plätze wegnehmen und trotzdem erwarten, dass es weiterhin einen erfolgreichen FC Bayern München gäbe. Ohne den ADAC gäbe es hierzulande wohl gar keinen Motorsport mehr. Für die Formel 1 reicht das längst nicht mehr. In absehbarer Zeit wird kein deutscher Fahrer nachrücken – es sei denn, jemand bringt genug Geld mit und fährt schon früh in Italien Kart."
Formel 1: Liebes-Aus bei Kimi Antonelli
... die Kosten für den Motorsport: "Um vom Kartsport in die Formel 1 zu kommen, muss man mit insgesamt 15 Millionen Euro rechnen. Bereits das Kartfahren ist teuer. Wenn man nach Italien geht und dort vernünftig Kart fährt, geht das bei 150.000 Euro im Jahr los. Wenn man später in der EM fährt, muss man mit 250.000 bis 300.000 Euro pro Jahr rechnen. Und dann kommen noch die Reisekosten obendrauf."
... den Wechsel des Deutschen Tim Tramnitz aus dem Formel-Sport in den GT-Sport: "Ich kenne ihn schon lange, weil er in meinem Team Kart gefahren ist. Er hat eine wunderbare Familie, aber man muss eben gewinnen. In der Hinsicht hatte er das gleiche Pech wie mein Sohn David. Wenn man nicht gewinnt, reicht das nicht. Die Formel 1 ist nur für Topfahrer. Im Optimalfall gewinnt man die Meisterschaft in der Formel 3 und kurz darauf auch die Meisterschaft der Formel 2. Erst dann wird man von den Teams in der Formel 1 wahrgenommen."