Bundesliga
Bayer Leverkusen: Egoismus und kein Matchplan? Bei der Werkself brodelt es
- Veröffentlicht: 31.08.2025
- 11:10 Uhr
- SID
Nach dem peinlichen K.o. gegen zehn Bremer steckt das runderneuerte Bayer Leverkusen früh in der Krise. Kapitän Robert Andrich schlägt Alarm.
Geschäftsführer Fernando Carro tigerte aufgekratzt durch die Katakomben des Weserstadions, Kapitän Robert Andrich haute verbal auf den Putz und Trainer Erik ten Hag wirkte bereits ratlos: Beim neu formierten Vizemeister Bayer Leverkusen hing nach dem dilettantischen Auftritt bei Werder Bremen schon früh in der Saison der Haussegen schief. Der Mega-Umbruch im Kader scheint sich zur Riesenherausforderung zu entwickeln.
"Jeder hat für sich gespielt, jeder ist für sich alleine auf dem Platz herumgelaufen", maulte Andrich, der nach dem Einbruch in der Schlussphase beim 3:3 (2:1) kein Blatt vor den Mund nahm. "Wir haben zu viele Leute, die sich mit anderen Sachen oder nur mit sich selbst beschäftigen. Ich weiß nicht, ob ich das bei Bayer jemals erlebt habe."
Das Fachmagazin kicker titelte am Sonntag gar, dass ten Hag in Leverkusen bereits vor dem Aus stehe.
Die katastrophale Schlussphase, in der die Leverkusener gegen zehn Bremer noch einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielten, sie war mehr als nur ein kleiner Ausrutscher einer noch nicht eingespielten Mannschaft. Sie sei ein "Sinnbild unserer aktuellen Situation", sagte Andrich.
Den XXL-Umbruch beim Vizemeister, dessen Kaderplanungen auch kurz vor Ende der Transferphase noch nicht abgeschlossen sind, wollte er dabei nicht als Ausrede für den XXL-Einbruch in Bremen gelten lassen. "Das hat nichts mit irgendwelchen Unruhen oder mit Spielerwechseln oder Prozessen zu tun", sagte Andrich.
Das Wichtigste in Kürze
Vielmehr müsse das vorhandene Personal zulegen - an spielerischer Qualität, aber auch in Sachen mannschaftlicher Geschlossenheit. Eine Szene, die symbolisch stand für den bedenklichen Zustand der Werkself am Samstag? Der Zoff vor dem Elfmetertreffer von Patrik Schick zum zwischenzeitlichen 3:1. Gleich mehrere Spieler wollten sich die Kugel schnappen und stritten gut sichtbar auf dem Feld, ehe Andrich eine Entscheidung traf - mächtig genervt.
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"Das sind Sachen, die auch ein Zeichen für den Gegner sind", kritisierte er: "'die führen 2:1 auswärts, die können das 3:1 machen, aber beschweren sich erstmal über einen Elfmeter', - Kleinigkeiten, die den Gegner aufbauen."
Ten Hag erreicht Mannschaft noch nicht
Doch auch neben dem Platz scheint bei der Werkself noch einiges im Argen zu liegen. Der neue Trainer ten Hag, der weiter auf seinen ersten Bundesligasieg mit der Werkself warten muss, scheint die Mannschaft noch nicht zu erreichen. Das ließ Andrich bei seiner schonungslos ehrlichen Analyse durchblicken.
Auf die Frage, ob die Probleme des Teams denn daher rührten, dass die Spieler nicht wüssten, was auf dem Platz von ihnen verlangt werde - oder ob es vielmehr an der Umsetzung scheitere, sprach Andrich vielsagend von einer "Mischung". Der Trainer sei "der, der oben steht. Er muss natürlich von ganz oben am meisten Ruhe reinkriegen", meinte der Kapitän, betonte aber auch: "Am Ende sind wir die, die auf dem Platz stehen."
Ten Hag selbst stellte fest, dass das Erlebte definitiv nicht der "Anspruch" des Double-Gewinners von 2024 sei. Die kommenden Wochen dürften für den einstigen Coach von Manchester United schon brisant werden. Andrich gab die Marschroute für die Bundesligaspiele gegen Frankfurt, Mönchengladbach und den Start in der Champions League in Kopenhagen vor: "Wir müssen einfach mal Ruhe in diesen ganzen Laden reinbekommen."