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FC Bayern: Vincent Kompany zeigt Mourinho und Kwasniok, wie sich ein Vorbild verhält - ein Kommentar
- Veröffentlicht: 22.02.2026
- 22:55 Uhr
- Andreas Reiners
Vincent Kompany hat mit seinem Plädoyer auf einigen Ebenen gezeigt, wie es geht. Jose Mourinho und Lukas Kwasniok haben wichtige Chancen verpasst. Ein Kommentar.
Die Worte hallen immer noch nach.
Wahrscheinlich auch noch länger. Denn das Plädoyer von Bayern-Trainer Vincent Kompany gegen Rassismus – es hat einen Nerv getroffen. Der Bayern-Trainer hat es verstanden, die Leute mitzunehmen, um ein ernstes Thema so anzupacken, wie man es angehen sollte.
Oder anders gesagt: Der FCB-Coach hat seine Vorbildfunktion ernst genommen und diese Rolle so ausgeführt und ausgefüllt, wie man es von jemandem erwarten kann, der mit Intelligenz, Empathie und Verantwortungsbewusstsein durch das Leben geht.
Die Lobeshymnen hallen seit Tagen ähnlich laut, und das völlig zu Recht.
Kompany und Co.: Auch die Trainer sind Vorbilder
Es sind nicht nur die Fußballer, zu denen unzählige Fans aufschauen. Die wissen sollten, dass die Dinge, die sie sagen, Gewicht haben.
Dass sie nachhallen.
Es sind auch die Trainer, die eine gewisse verbale Macht haben, und damit auch viel Verantwortung tragen. Ironischerweise haben zwei Kollegen Kompanys am selben Wochenende gezeigt, wie es nicht geht.
Zum einen Jose Mourinho, der von Kompany im Rahmen des rund zwölfminütigen Monologs konstruktiv kritisiert worden war.
Der Portugiese, der sich bei dem Eklat um Vinicius Jr. als Trainer von Benfica Lissabon wenig geschickt angestellt hatte, machte es am Wochenende fast noch schlimmer, als er – auf die Kritik an seiner Person angesprochen – wenig bis gar nichts sagte.
"Ich möchte das nicht kommentieren", meinte er, ehe er noch anfügte, dass es für alle schwierig gewesen sein. Ja, es läuft eine Untersuchung der UEFA, auf die ein Benfica-Sprecher verwies, eigene Fehler beim Umgang mit dem Eklat einzuräumen, hätte aber Größe bewiesen.
Und unterstrichen, dass man Einsicht zeigen kann, dass es wichtig ist, zu reflektieren und an sich zu arbeiten. Man darf die Fehler auch im Nachhinein noch zugeben. Irgendwann wird es dann aber zu spät.
Kompany und Co.: Der Inhalt zählt und setzt Zeichen
Es muss nicht direkt eine emotionale Brandrede sein. Der Inhalt zählt, er setzt Zeichen. Mourinho hat mit wenigen Worten ein weiteres Statement gesetzt – dass er mit Kritik nicht umgehen kann oder will. Und Fehler nicht einsieht. So wirkt es zumindest, das bleibt als Botschaft hängen.
Was zeigt: Schweigen ist nicht immer Gold.
Allerdings sehr oft, wie Lukas Kwasniok am selben Tag auf fragwürdige Art und Weise belegte. Denn er erwähnte sogar die Rede von Kompany, um über den eingestellten Support beim 2:2 seines 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim zu schwadronieren.
Ein medizinischer Notfall im Stadion hatte zu der Reaktion der Anhänger geführt. Feinfühlig nennt man so etwas. Oder angemessen.
Man muss dazu wissen, dass es glücklicherweise nahezu überall so gehandhabt wird und zu einer Form des Respekts gehört. Da gibt es eigentlich keine zwei Meinungen.
Für Kwasniok schon, für den es "Argumente dafür und Argumente dagegen" gab. Die zwölf Minuten, in denen sich Kompany differenziert und argumentativ bemerkenswert mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, würden nicht ausreichen, meinte er.
Leider waren die rund anderthalb Minuten, die Kwasniok auf der PK darüber sprach, bereits zu viel. Am Sky-Mikrofon hatte er es vorher auch getan. Weite Teile der Ausführungen sind bei allem Verständnis nur bedingt mit Emotionen zu erklären.
Externer Inhalt
1. FC Köln: Fan verstorben
Dass er seine Rolle als Vorbild verfehlte, lag nicht daran, dass der 90 Jahre alte Fan nach seinem Sturz am Tag nach dem Spiel seinen Verletzungen erlegen ist.
Natürlich wird das auch Kwasniok mitnehmen.
Das Problem: Wenn man ein kommunikatives Fass aufmacht, indem man die allseits gelobte Kompany-Rede in den Kontext stellt, wird man automatisch daran gemessen. Auch wenn der Vergleich nicht nur hinkt, sondern hinfällt.
Sich dann über mangelnde Unterstützung zu beschweren, wenn ein Fan auf der Tribüne um sein Leben kämpft, ist in dem Moment nicht nur wenig empathisch, sondern rhetorisch auch noch um einiges dünner als die sowieso wenig einleuchtende Parallele zu Kompanys Ausführungen. Dass er nicht wenigstens sein Mitgefühl zum Ausdruck brachte, machte es dann noch schlechter.
Das weitaus größere Problem dabei: Auch Kwasnioks Worte hallen nach.